Schwimmsport
Wie das Training in der Badewanne Yannick Käser zum Schweizermeister machte

Der 28-jährige Brust-Spezialist Yannick Käser erlebte ein turbulentes Jahr 2020. Trotz Wettkampfabsagen und zwischenzeitlichem Trainingsverbot liess sich der Mumpfer nicht unterkriegen. Selbst eine Coronaerkrankung hinderte Käser nicht am Gewinn der Schweizermeisterschaft. Nächstes Jahr stehen für ihn die Olympischen Spiele im Fokus.

Nicolas Blust
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Yannick Käser an der Kurzbahn-Schweizermeisterschaft in Sion. Über die 200 Meter Brust krönte er sich zum Schweizermeister.

Yannick Käser an der Kurzbahn-Schweizermeisterschaft in Sion. Über die 200 Meter Brust krönte er sich zum Schweizermeister.

Keystone

Trotz Lockdown, Wettkampfabsagen und Trainingsverbot verlor der Aargauer Schwimmer Yannick Käser nie seinen Sinn für Humor. Im März teilte der 28-Jährige auf Instagram ein Video, das ihn beim Training in seiner Badewanne zeigt. Der Trainingseffekt hielt sich dabei zwar in Grenzen, die Not machte Käser aber erfinderisch. Der Mann, der ansonsten bis zu 18 Stunden pro Woche im Wasser trainiert, lag wegen Corona auf dem Trockenen. Grund dafür waren die Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung des Coronavirus, die eine Schliessung der Schwimmbäder zur Folge hatten.

Der Fokus liegt auf dem Kraftaufbau für nächste Saison

Mittlerweile darf Käser wieder sein gewohntes Trainingspensum abspulen. Neunmal pro Woche absolviert der Schwimmer der Limmat Sharks Zürich ein zweistündiges Training im 50-Meter-Becken des Hallenbad Oerlikon. Dazu kommen fünf Einheiten Krafttraining. «Bis Ende Jahr steht der Kraftaufbau im Fokus», sagt der 28-Jährige über sein aktuelles Trainingsprogramm. Die jetzige Wettkampfpause will er optimal ausnutzen, um für das nächste Jahr bereit zu sein.

Olympia-Teilnahme noch nicht in trockenen Tüchern

2021 stehen einige Wettkämpfe auf Käsers Terminplan. Den Höhepunkt bilden die Olympischen Sommerspiele in Tokio, wo Käser ein Olympisches Diplom anstrebt. Damit er dort auch an den Start gehen kann, muss der Mumpfer jedoch bereits im Frühling Topleistungen abliefern. Er muss die vom internationalen Schwimmverband vorgegebenen Limiten unterbieten, um beim Kampf um Olympisches Edelmetall mit dabei zu sein.

Möglichkeit dazu bietet ihm einerseits die Europameisterschaft in Budapest, die im Mai stattfindet und andererseits die Schweizermeisterschaft, die bereits einen Monat zuvor in Uster geplant ist. «Ich habe keinen Zeitdruck und kann den Fokus voll auf das Training legen», sagt Käser mit Blick auf die kommenden Monate. Trotzdem muss er im Frühling Topleistungen abliefern, damit er im Sommer die Reise nach Japan antreten kann.

Schweizer Meistertitel trotz Coronaerkrankung

Im Oktober wurde Yannick Käser positiv auf das Coronavirus getestet: «Ich hatte nur wenige Symptome. Nach der Erkrankung machte ich einige Tests, bei denen wir Folgeschäden durch das Virus ausschliessen konnten.» Trotz des damit verbundenen Trainingsrückstandes startete der 28-Jährige im November an den Kurzbahn Schweizermeisterschaften in Sion. Über die 200 Meter Brust krönte sich Käser zum Schweizermeister, während er sich über 100 Meter Brust als Zweiter mit der Silbermedaille begnügen musste. «Die Zeiten lagen unter den Erwartungen», sagt Käser über seine Leistungen in Sion. Trotzdem dürfte er sich über den Meistertitel gefreut haben.

Nach der Freude kam aber wieder die Enttäuschung. Krankheitsbedingt konnte Käser nicht nach Rotterdam reisen, wo ein Qualifikationswettkampf für die Olympischen Spiele stattfindet. Für den 28-Jährigen steht also weiterhin Training auf dem Programm. Wie der Kalender im neuen Jahr aussieht, ist derweil noch ungewiss. «Normalerweise haben wir im Februar ein Trainingslager. Die letzten Jahre waren wir dafür in Südafrika», sagt Käser. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie fällt dieser Termin wohl ins Wasser. Ab Ende Februar plant der Brust-Spezialist jedoch mit einigen Trainingswettkämpfen, die ihn optimal für die grossen Aufgaben im April und Mai vorbereiten sollen.

Es bleibt zu hoffen, dass das Coronavirus den Schwimmern nächstes Jahr keinen Strich durch die Rechnung macht und die Wettkämpfe wie geplant stattfinden können. Ansonsten müsste dann halt wieder die Badewanne als Trainingspartner dienen

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