Schwingen

Trotz Giftpfeilen aus Beinwil: Die Lenzburger bleiben cool

Fast die ganze Schwing-Saison 2020 ist der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Logisch, beginnt nun das grosse Verschiebungs- und Reorganisations-Gerangel. In den simpelsten aller Fälle, werden einfach alle Anlässe um ein Jahr nach hinten geschoben. Oft ist das kein Problem. Zum Teil wird es aber auch kompliziert. So wie im Kanton Aargau, wo die Austragung des Kantonalfests 2021 für eine kleinere Provinzposse gesorgt hat.

Marcel Kuchta
Drucken
Teilen
Der Freiämter «Neueidgenosse» Andreas Döbeli (rechts, hier gegen den Berner Patrick Schenk) kommt erst 2022 zu seinem Heimauftritt am Aargauer «Kantonalen».

Der Freiämter «Neueidgenosse» Andreas Döbeli (rechts, hier gegen den Berner Patrick Schenk) kommt erst 2022 zu seinem Heimauftritt am Aargauer «Kantonalen».

PD

Was ist passiert? Die Organisatoren des Aargauer Kantonalen 2020 in Beinwil/Freiamt ärgern sich darüber, dass sie ihr Schwingfest, welches heuer über die Bühne hätte gehen sollen, nicht im kommenden Jahr austragen dürfen. In einer Medienmitteilung, die am Donnerstag verschickt wurde, lassen die Freiämter ihrem Unmut recht offensichtlich seinen Lauf.

«Die Organisatoren der nächstjährigen Durchführung in Lenzburg boten nicht Hand für eine einvernehmliche Lösung», heisst es da. Und später wird im Kommuniqué die Flexibilität des geplanten Ausrichters von 2022, der Schwingklub Fricktal, gelobt. «Im Gegensatz zum OK Lenzburg zeigte sich der Schwingklub Fricktal, der 2022 sein 100-jähriges Bestehen feiert, flexibel und solidarisch. Trotz einer provisorischen Zusage des Kantonalverbandes geben die Fricktaler die Austragung 2022 zugunsten des OK Beinwil/Freiamt frei.»

Der drohende Absprung der Sponsoren

Diese Vorwürfe wollen die Lenzburger allerdings nicht auf sich sitzen lassen. OK-Chef Erich Renfer wehrt sich gegen die Darstellung, dass man sich nicht kooperativ zeigte. Man sei drei Stunden zusammen an einem Tisch gesessen: «Aber wir haben ganz einfach keine Einigung gefunden», sagt er. Und präzisiert dabei zwei Problempunkte: «Erstens wäre ein Grossteil unserer Sponsoren, die sich für 2021 verpflichtet haben, bei einer Verschiebung abgesprungen. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation im Zusammenhang mit der Corona-Krise neue Geldgeber zu finden, ist extrem schwierig. Alle schauen, wo sie sparen können. Und da reden wir von Beträgen im sechsstelligen Bereich.»

Zwei Kantonale im selben Jahr gab es noch nie

«Zweitens», so Renfer, «hatten wir zusammen mit Beinwil den Lösungsansatz, 2021 zwei Kantonale im selben Jahr durchzutragen. Diese Idee, welche vom Kantonalen Schwingerverband unterstützt wurde, wurde aber wiederum vom Nordwestschweizer Schwingerverband von vornherein abgeschmettert.» NWSV-Präsident Michael Saner sagt dazu: «In den 124 Jahren unserer Verbandsgeschichte gab es noch nie zwei Kantonale im selben Jahr. Kommt dazu, dass der Terminkalender sowieso schon überfüllt ist. Für uns war klar, dass es eine andere Lösung geben muss. Zumal es die bei allen anderen Festen in unserem Teilverband gab.» Am Ende gab es also aus Sicht der Lenzburger ganz einfach keine andere Option mehr, als an der Austragung 2021 festzuhalten. Renfer: «Wir sind zwischen Hammer und Amboss geraten.»

Die flexibleren Fricktaler

Die Beinwiler kritisieren in ihrer Medienmitteilung aber auch die Tatsache, dass man offenbar in 25 anderen Kantonalverbänden eine einvernehmliche Lösung bei den Rochaden der Schwingfeste gefunden habe, während dem man im Kanton Aargau in einer Sackgasse landete. Diesbezüglich gibt Erich Renfer zu bedenken, dass die Lenzburger Schwinger 2021 ihren 100-jährigen Geburtstag feiern, was der Veranstaltung natürlich noch einmal eine andere Tragweite gebe. Oder anders ausgedrückt: ein «normales» Fest würde man eher bedenkenlos verschieben. Im Freiamt lässt man dieses Argument nicht wirklich gelten, weil schliesslich auch die Fricktaler Schwinger, die 2022 als Organisatoren an der Reihe gewesen wären, dann ebenfalls ihr 100-Jähriges gefeiert hätten – und ihr Fest nun trotzdem zugunsten der Beinwiler um ein Jahr verschieben.

Erich Renfer bedauert auf jeden Fall, dass der Schwingsport durch diese in der Öffentlichkeit ausgetragene Provinzposse in negative Schlagzeilen geraten ist: «Daran kann niemand ein Interesse haben.»