Schwingen
Hauptprobe fürs Eidgenössische: Samuel Giger gewinnt auf der Schwägalp – die Nordwestschweizer holen drei Kränze

Samuel Giger gewinnt den letzten Formtest vor dem Eidgenössischen Schwingfest in Pratteln. Auf der Schwägalp setzt sich der Thurgauer im Schlussgang gegen Roger Rychen durch. Dank Nick Alpiger, Patrick Räbmatter und Kaj Hügli holen die Nordwestschweizer drei Kränze.

Martin Probst und Marcel Kuchta
Drucken
Samuel Giger besiegt im Schlussgang Roger Rychen.
13 Bilder
Patrick Räbmatter (l.) und Nick Alpiger umarmen sich nach dem Kranzgewinn auf der Schwägalp.
Kaj Hügli freut sich über seinen ersten Bergfest überhaupt.
Der Thurgauer Domenic Schneider (unten) unterliegt dem Aargauer Nick Alpiger.
Der Aargauer Nick Alpiger (hinten) gegen den Zürcher Shane Dändliker im dritten Gang auf der Schwägalp.
Schwingerkönig Arnold Forrer wird vom Publikum nach seinem Rücktritt verabschiedet.
Michael Bless gewinnt gegen den Thurgauer Stefan Burkhalter.
Der St. Galler Werner Schlegel gewinnt gegen den Appenzeller Andrin Poltera.
Schlegel bezahlt für seinen Sieg allerdings mit Nasenbluten.
Zuschauer und im Hintergrund die Säntisbahn.
Der Thurgauer Samuel Giger (links) gewinnt gegen den Glarner Roger Rychen.
Der Zürcher Samir Leuppi (links) im Duell mit dem Baselbieter Samuel Brun.
Blick auf den Schwingplatz auf der Schwägalp.

Samuel Giger besiegt im Schlussgang Roger Rychen.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Man könnte mit einem «hätte er doch nur» beginnen. Oder man schaut einfach zu, wie sich Nick Alpiger und Patrick Räbmatter umarmen, als feststand, dass die beiden Freunde gemeinsam den Kranz auf der Schwägalp ­ge­winnen.

Natürlich: Hätte Alpiger im fünften Gang Roger Rychen besiegt, wäre er und nicht sein Gegner im Schlussgang gegen den späteren Festsieger Samuel Giger gestanden. Nur spielte das in diesem innigen Moment keine Rolle. Alpiger und Räbmatter haben sich auf der Schwägalp geholt, was sie wollten: Selbstvertrauen für das Eidgenössische Schwingfest in zwei Wochen in Pratteln.

Denn die bisherige ­Saison hatte ein paar Fragen und einige Unsicherheiten bei den Aargauer Teamleadern hinterlassen. Immer dann, wenn es nicht lief, wie es die beiden Eidgenossen eigentlich kennen und wollen.

Nach Kuno Lauener: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim»

Alpiger holte sich den mentalen Booster im vierten Gang, als er den bis dahin unwiderstehlichen Domenic Schneider ins Sägemehl legte. Endlich war es ihm in dieser Saison gelungen, einen hoch gehandelten Schwinger zu besiegen. Schon oft war er nahe dran – gegen Armon Orlik am Nordostschweizer oder gegen Michael Ledermann auf dem Stoos zum Beispiel.

Aber irgendwie schien es fast so, als habe sich etwas gegen den 25-Jährigen verschworen, als die Kampf­richter seine vermeintlichen Erfolge gegen die Besten nicht anerkannten. Man könnte es ausgleichende Gerechtigkeit nennen, dass es dieses Mal Zweifel an Alpigers Sieg gab. Aber eigentlich ist das egal: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim». Getreu nach Kuno Lauener.

Patrick Räbmatter und Nick Alpiger umarmen sich nach dem Kranzgewinn auf der Schwägalp.

Patrick Räbmatter und Nick Alpiger umarmen sich nach dem Kranzgewinn auf der Schwägalp.

Pascale Alpiger

Obwohl – und das muss man betonen – Alpiger ist darauf eigentlich nicht angewiesen. Tritt er in den Ring, haben die Gegner spürbar Respekt. Er hat eine Autorität, die im Nordwestschweizer Verband momentan kein anderer ausstrahlt. Und doch sind die vergangenen Auftritte nicht spurlos an ihm vorbei gegangen, hat auch er die resultatmässige Bestätigung gebraucht, dass es schon gut kommt mit Blick Richtung Eidgenössisches in Pratteln.

Alpigers Auftritt auf der Schwägalp war auch ein wenig eine Reise in die Vergangenheit. So, wie er gegen Schneider auftrat, mit der sichtbaren Überzeugung, zu gewinnen, erinnerte das an das Jahr 2019, als der Aargauer das Innerschweizer gewann und am Eidgenössischen im Anschwingen Samuel Giger besiegte. Dieses Wissen, da zu sein, wenn es zählt, wird Alpiger mitnehmen. «Ich bin froh, habe ich mich für die Teilnahme entschieden», sagt er selbst. Der Auftritt unterhalb des Säntis hat gutgetan.

Patrick Räbmatter hat die Konstanz wiedergefunden

Für Patrick Räbmatter gab es auf der Schwägalp nicht den einen Schlüsselmoment. Es ist vielmehr die Konstanz, die zurückkehrt in seine Auftritte im Sägemehl. Wirkte er in dieser Saison einige Male zweifelnd, ist nun wieder ein Vertrauen zu spüren, dass es gut kommen wird. «Ich bin sehr zufrieden», sagt Räbmatter. «Der Fahrplan stimmt.»

Für den 30-Jährigen ist es der erste Kranzgewinn auf der Schwäg­alp und der 55. insgesamt. Damit hält Räbmatter in dieser Statistik seinen Freund auf Abstand. Für Alpiger war es der 53. Kranz in seiner bisherigen Karriere.

Die Kranzpremiere von Kaj Hügli an einem Bergfest

Den ersten Kranz an einem Bergfest überhaupt konnte Kaj Hügli ge­winnen. Der 25-Jährige vom Schwingklub Aarau sorgte mit seinem persönlichen Exploit dafür, dass der Nordwestschweizer Verband mit drei Kränzen von der Schwägalp abreisen konnte und damit die Erwartungen erfüllte.

«Ich weiss nicht, wie ich meine Gefühle beschreiben soll», sagte Hügli mit dem Kranz auf dem Kopf. «Es war schon mein Ziel, in dieser Saison einen Bergkranz zu gewinnen. Aber, dass es nun hier gelingt ... Es ist einfach unglaublich. Dieses Gefühl nehme ich nun mit ans Eidgenössische nach Pratteln.»

Kaj Hügli gewinnt im sechsten Gang gegen Thomas Burkhalter und holt damit den Kranz.

Kaj Hügli gewinnt im sechsten Gang gegen Thomas Burkhalter und holt damit den Kranz.

Pascale Alpiger

Es ist ein Gefühl, das er mit Alpiger und Räbmatter teilt. Alle anderen Nordwestschweizer werden andere Gründe finden, sich zu motivieren.

Der Ticker zum Nachlesen: