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Offensivfurioso mit Pizza von Schneuwly: FC Aarau gelingt in Schaffhausen versöhnlicher Saisonabschluss

Am Ende einer verkorksten Saison folgt der erste Sieg unter Stephen Keller: Der FC Aarau gewinnt gegen den FC Schaffhausen mit 4:2. Unter den Torschützen durfte sich auch Marco Schneuwly einreihen, der seine letzte Partie für den FCA bestritt und sich anschliessend mit einem besonderen Geschenk ans Team verabschiedete.

Alessandro Crippa
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Fussball, Challenge League, FC Schaffhausen - FC Aarau (02.08.20)
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Stephan Keller verbucht endlich einen Sieg mit dem FC Aarau.
Mats Hammerich sorgt kurz vor Schluss mit seinem Tor für den 4:2-Endstand.
Der 16-jährige Flavio Caserta spielte die Partie als linker Aussenverteidiger durch.
Liridon Balaj kann sich für einmal nicht als Torschütze auszeichnen.
Captain Elsad Zverotic zieht ab.
Marco Schneuwly absolvierte seine letzte Partie als Profi.
Hakan Yakin an der Seitenlinie beim FC Schaffhausen.
Ersan Hajdari wird in der zweiten Halbzeit eingewechselt.
Olivier Jäckle lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Kevin Spadanuda versucht sich durchzusetzen.
Donat Rrudhani jubelt nach dem Treffer zum 2:0 für den FC Aarau.
Nicholas Ammeter vereitelte einen Rückstand in der ersten Halbzeit.
Der FC Schaffhausen kann auf den 0:2-Rückstand reagieren.
Innerhalb von sieben Minuten gelingen dem Gastgeber zwei Tore.
Der FC Aarau startet besser in die zweite Halbzeit.
Die Partie verläuft in den ersten 45 Minuten ausgeglichen.
Keine einfache Wetterbedingungen im LIPO Park.
Francois Affolter absolviert seine letzte Partie für den FC Aarau.
Voller Einsatz von Jérôme Thiesson.
Die defensive Anfälligkeit machte sich gegen Schaffhausen erneut bemerkbar.
Kevin Spadanuda bringt den FC Aarau in Führung.

Fussball, Challenge League, FC Schaffhausen - FC Aarau (02.08.20)

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Himmelhoch jauchzend ist anders. Aber Stephan Keller sieht sich selbst als kritischen Trainer, der auch nach einem 4:2-Sieg in Schaffhausen nicht in völligen Freudentaumel gerät. Er hat aber – vor allem offensiv – einen sehr guten Auftritt seiner Mannschaft beobachtet. «In der ersten Halbzeit hat mir das Gegenpressing sehr gut gefallen», sagt er.

Stephan Keller verbucht endlich einen Sieg mit dem FC Aarau.

Stephan Keller verbucht endlich einen Sieg mit dem FC Aarau.

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Damit feiert Keller im siebten Spiel als Cheftrainer des FC Aarau seinen ersten Sieg. Zuvor standen ihm drei Unentschieden und drei Niederlagen zu Buche. Die Aarauer beenden die Saison damit auf dem enttäuschenden achten Rang. Neun Punkte vor dem FC Schaffhausen, einen hinter Aufsteiger Lausanne-Ouchy.

Nicholas Ammeter vereitelte einen Rückstand in der ersten Halbzeit.

Nicholas Ammeter vereitelte einen Rückstand in der ersten Halbzeit.

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Dafür, dass das Spiel keine Auswirkungen mehr auf die Tabelle haben konnte, stiegen die Aarauer äusserst beherzt in die Zweikämpfe und erarbeiteten sich mehrere Chancen. Yvan Alounga hätte nach sieben Minuten bereits die Führung erzielen können, scheiterte aber aus bester Position. Bevor Kevin Spadanunda nach 26 Minuten traf, kamen die weitgehend harmlosen Schaffhauser zu ihrer besten Möglichkeit. Mit einer Dreifach-Parade vereitelte FCA-Goalie Nicholas Ammeter aber den Rückstand.

Kevin Spadanuda bringt den FC Aarau in Führung.

Kevin Spadanuda bringt den FC Aarau in Führung.

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Offensiv bei den Leuten, defensiv ganz schwach

In Bezug auf die Aufstellung überraschte Stephan Keller nicht. Er vertraute dem gewohnten Personal, auch wenn er die Meisterschaft in der Challenge League – so wie sie nach der corona-bedingten Pause ausgetragen wurde – als «hypokritisch», also unehrlich, bezeichnet. Weil der Abstieg nicht mehr möglich war und gegen vorne der Zug ebenfalls abgefahren war, hätte er eigentlich auf elf junge Spieler setzen sollen und die auslaufenden Verträge nicht verlängern müssen, sagte Keller.

Die defensive Anfälligkeit machte sich gegen Schaffhausen erneut bemerkbar.

Die defensive Anfälligkeit machte sich gegen Schaffhausen erneut bemerkbar.

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Offensiv weist der FC Aarau in dieser Saison die viertbeste Statistik aus. «Es muss nicht immer alles schnörkellos gespielt sein, aber wir haben vorne sicher Qualität», sagt der 41-Jähige. Viel wichtiger ist ihm aber die Analyse der Defensive. Das ist aufgrund der 80 Gegentreffer in dieser Saison wenig verwunderlich. Der FCA stellt mit Abstand die schlechteste Abwehr der Liga. Selbst das letztklassierte Chiasso hat zehn Gegentore weniger kassiert. Offensichtlich wurde die defensive Fehleranfälligkeit vor allem beim 2:2. Flavio Caserta, 16-jährig, warf den Ball unüberlegt ein, genau in die Füsse des schnellen Schaffhausers Del Toro und liess so am zuvor vermeintlich ungefährdeten Sieg noch einmal Zweifel aufkommen. Und genau hier will Keller den Hebel ansetzen – mit intensiver Analyse.

Zwei Einwechselspieler stellen den Sieg sicher

Der Aarauer Sieg hat zwei Gründe. Sie heissen Kevin Spadanuda und Donat Rrudhani. Sie kreierten die besten Aktionen und waren an allen Treffer beteiligt. Spadanuda schoss den ersten, Rrudhani den zweiten. Nach dem Ausgleich holte Rrudhani in der 70. Minute einen Elfmeter heraus, den Marco Schneuwly via Innenpfosten zur erneuten Führung verwertete. Und in der zweitletzten Spielminute war es wiederum Rrudhani, der den eingewechselten Hammerich lancierte und diesem zum 4:2 verhalf.

Marco Schneuwly absolvierte seine letzte Partie als Profi.

Marco Schneuwly absolvierte seine letzte Partie als Profi.

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Speziell gefeiert wird der Sieg nicht. Keller sei nicht viel zufriedener als nach Niederlagen, bei denen er auch Positives feststelle. Der abtretende Marco Schneuwly hat der Mannschaft aber eine Runde Pizza offeriert, wovon sich der Trainer ebenfalls ein Stück genehmigen wird. «Aber dann wars das.»

Das Telegramm

FC Schaffhausen - FC Aarau 2:4 (0:1)

LIPO Park. - 561 Zuschauer. - SR: Wolfensberger. - Tore: 26. Spadanuda (Thiesson) 0:1. 51. Rrudhani (Spadanuda) 0:2. 60. Qollaku 1:2. 67. Del Toro 2:2. 71. Schneuwly (Foulpenalty) 2:3. 89. Hammerich (Rrudhani) 2:4

Schaffhausen: Saipi; Kaiser, Bunjaku, Kronig (89. Schmid); Lika, Müller (89. Vukasinovic), Talic (46. Qollaku), Del Toro; Taipi, Sessolo (65. Bajrami); Barry (72. Sadik).

Aarau: Ammeter; Affolter, Thiesson, Mehidic, Caserta; Jäckle; Balaj (83. Misic), Rrudhani, Zverotic (83. Hammerich), Spadanuda (72. Hajdari); Alounga (65. Schneuwly).

Bemerkungen: Schaffhausen ohne Bislimi (krank), Imeri, Krasniqi, Menezes, Mujcic und Tanzillo (alle verletzt). Aarau ohne Schindelholz (krank), Gashi, Giger, Lujic, Peralta, Thaler (alle verletzt), Corradi und Hübel (beide nicht im Aufgebot). - 1. Treffer von Spadanuda wegen Offside annulliert. - Verwarnungen: 35. Spadanuda, 43. Thiesson, 55. Taipi, 64. Kaiser, 75. Müller (alle Foulspiel). - Platzverweis: 70. Kaiser (wiederholtes Foulspiel).

Das sind die Noten zur Partie:

Nicholas Ammeter: Note 4,5 Solide Leistung und fast immer auf der Höhe des Geschehens. Bei beiden Gegentreffern ist er machtlos.
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Francois Affolter: Note 4 Er zeigte eine ansprechende Leistung, setzte sogar offensive Akzente. Im Duell gegen den schnellen Del Toro bleibt er hingegen oft nur zweiter Sieger.
Jérôme Thiesson: Note 4,5 Er war sich nicht zu schade, die ­Bälle aus der Gefahrenzone zu dreschen. Rettete zweimal in höchster Not.
Damir Mehidic: 4 Er ist ein Haudegen, ein Kämpfer vor dem Herrn, aber im Spiel nach vorne wirkt er wirr und ungestüm.
Flavio Caserta: Note 3 Der 16-Jährige musste wie schon gegen GC Lehrgeld bezahlen. Ein Einwurf stand am Ursprung des zweiten Gegentreffers. Und beim ersten Gegentor stand er zu weit weg von Flankengeber Taipi. Steigerungspotenzial vorhanden.
Olivier Jäckle: Note 5 Der Denker, Lenker, Organisator und Ballverteiler machte seine Sache gut. Mit präzisen und gefährlichen Pässen in die Tiefe fällt er mehrmals auf.
Liridon Balaj: Note 4 Der trickreiche Kosovare hatte gute Ansätze, aber diesmal liess er es an jeglicher Torgefahr vermissen.
Donat Rrudhani: 5,5 Ein Assist, ein herausgeholter Penalty, der dritte Saisontreffer zum 2:0 und viele Kabinettstücklein: Er war der beste Aarauer.
Elsad Zverotic: Note 4,5 Der Captain stopfte viele Löcher, gewann fast alle Zweikämpfe, war also im zentralen Mittelfeld eine ideale Ergänzung zu Rrudhani.
Kevin Spadanuda: Note 5 Der feine Techniker zeigte eine starke Leistung. Das 1:0 war sein dritter Saisontreffer. Bereitete den zweiten Treffer vor.
Yvan Alounga: Note 4 In der Startphase war der 18-Jährige der auffälligste Aarauer. Vergab aber zwei Topchancen.
Marco Schneuwly: Note 5 Kam in der 64. Minute für Alounga. Der Penalty zum 3:2 war sein 8. Saisontreffer. Gute halbe Stunde in seinem Abschiedsspiel!
Ersan Hajdari: Keine Note Er kam in der 72. Minute für Kevin Spadanuda. Zu kurz für eine Note.
Mats Hammerich: Keine Note Er kam in der 83. Minute für Elsad Zverotic. Schoss das entscheidende Tor zum 4:2. Zu kurzer Einsatz für eine Note.
Petar Misic: Keine Note Er kam in der 83. Minute für Liridon Balaj. Zu kurz für eine Note.

Nicholas Ammeter: Note 4,5 Solide Leistung und fast immer auf der Höhe des Geschehens. Bei beiden Gegentreffern ist er machtlos.

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Das sind die Stimmen zur Partie:

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