Kuhns Fussballwelt
Die Entlassung von Ciriaco Sforza setzt mir emotional zu

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den Aargauer Fussball. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben. Heute Ciriaco Sforza.

Ruedi Kuhn
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In Basel gescheitert: Ciriaco Sforza.

In Basel gescheitert: Ciriaco Sforza.

Samuel Golay / KEYSTONE/TI-PRESS

In der Zeit von 1984 bis 2021 habe ich beim FC Aarau 37 Trainer kommen und 36 Trainer gehen sehen. Das ist im Schnitt ein Trainer pro Jahr. Interessant: Rolf Fringer, Alain Geiger, Ryszard Ko­mornicki, Ranko Jakovljevic, Thomas Binggeli, Stephan Keller und Fredy Strasser trainierten den FC Aarau zweimal. Die erfolgreichsten Trainer waren Ottmar Hitzfeld (Cupsieg 1985), Fringer (Meister 1993) und René Weiler (Aufstieg 2013). Die Entlassungen mit den lautesten Nebengeräuschen betrafen die erfolglosen Martin Rueda, Andy Egli, Jeff Saibene, Martin Andermatt, Sven Christ, Livio Bordoli und Marinko Jurendic.

Die vielen Trainer-Ent­lassungen, die ich als FCA- Reporter in den vergangenen 37 Jahren erlebt habe, gingen nicht spurlos an mir vorbei. Aber keine Entlassung hat mich so aufgewühlt wie jene von Basel-Trainer Ciriaco Sforza Anfang dieser Woche. Ich habe ihn kurz vor dem Rausschmiss hart kritisiert und in meiner Kolumne geschrieben, dass ihm das Format für den Job des FCB-Trainers fehle. Dazu stehe ich nach wie vor. Genauso stehe ich zum Vorwurf, dass Sforza mir in einem emotionalen Gespräch am Telefon Gewalt angedroht hat. Ich ging an die Öffentlichkeit, weil ich diesen unglaublichen Vorfall nicht auf mir sitzen lassen wollte.

Das ist allerdings nur die eine Seite. Es gibt auch noch eine zweite – die menschliche Seite! Ich gebe es zu: Nach der Entlassung von Sforza rücken für mich Kritik und Vorwürfe an seiner Person in den Hintergrund. Ich habe Sforza vor mehr als 30 Jahren kennengelernt. Wir waren Kollegen. 1988 habe ich seinen ersten Transfer von GC zum FC Aarau eingeleitet. Danach begleitete ich ihn als Reporter auf seinen Karrierestationen 1. FC Kaiserslautern, Inter Mailand und Bayern München. Und ich war beim Höhepunkt seiner aktiven Laufbahn in Mailand mit dabei: Es war im Frühling 2001, als Sforza mit den Münchnern in einem packenden Final im Penaltyschiessen gegen Valencia die Champions League gewann. Was für ein tolles Erlebnis!