Eishockey

Kleiner Schritt aus dem langen Schatten

Am Samstag startet die Eishockey-WM der Frauen in Winterthur – mit drei Aargauerinnen

Jonas Burch
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Gleich doppelt motiviert starten die Schweizer Eisgenossinnen in die anstehende WM-Kampagne: Zum einen findet erstmals überhaupt eine Frauen-WM im Eishockey auf Schweizer Boden statt, zum anderen ist der Auftaktgegner niemand Geringerer als die Hockeygrossmacht Kanada. Ein hartes, aber optimales Startmatch: «Im ersten Spiel wird Kanada noch nicht voll eingespielt sein. Deswegen ist es von Vorteil, gleich zu Beginn auf den Turnierfavoriten zu treffen», sagt Stefanie Marty.

Gegen Kanada und Finnland

Das Selbstvertrauen stimmt, die Ziele sind hoch. In den drei Gruppenspielen gegen Kanada, Finnland und Kasachstan sehen sich die Schweizerinnen nur gegen die Ahornblätter in der Aussenseiter-Rolle. Mit guten Resultaten in der Gruppenphase will die Mannschaft einen Schlussrang unter den besten sechs erreichen. Ein Vorhaben, das für Teamleaderin Melanie Häfliger durchaus realistisch ist: «Uns zeichnet vor allem unser Spielwitz und unsere Frechheit aus. Diese Anlagen, gepaart mit einem hohen Spieltempo, machen uns zu einem unbequemen Gegner.»

Amateurinnen gegen Vollprofis

Während die Kanadierinnen, Russinnen oder Amerikanerinnen als Vollprofis nach Winterthur anreisen, fristet das Frauen-Eishockey in der Schweiz noch immer ein Schattendasein. Gedanken an eine Karriere als Vollprofi haben die drei Spielerinnen ohnehin nie verschwendet. Vielmehr sehen die Aargauerinnen das Eishockey als eine Lebensschule. «Stefanie und ich haben jetzt vier Jahre lang in den USA College-Hockey gespielt. Solche Erfahrungen bringen uns nicht nur sportlich, sondern auch persönlich weiter», sagt Julia Marty.

Überraschte Gesichter

Die Spielerinnen haben sich längst daran gewöhnt, dass ihr Sport in der Schweiz nur eine Nebenrolle spielt. Für die Hockeyanerinnen ist die Heim-WM nun eine optimale Gelegenheit, einen kleinen Schritt aus dem langen Schatten des MännerHockeys zu machen. Denn das Frauen-Hockey hat laut Melanie Häfliger auch diverse Vorzüge: «Im Gegensatz zu den Männern orientiert sich unser Hockey noch viel stärker auf taktische und technische Elemente.» Stefanie Marty ergänzt schmunzelnd: «Es gab schon so oft positiv überraschte Gesichter, nachdem sie zum ersten Mal ein Frauenspiel gesehen haben.»