Fussball

Kleine Hoffnung für den Schattenmann

Kann sich FCA-Interimstrainer Thomas Binggeli in Locarno für höhere Aufgaben empfehlen? Klar ist: der 46-Jährige will beweisen, dass er Chef sein kann.

Ruedi Kuhn
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Aargauer Zeitung

Thomas Binggeli, der Schattenmann? Thomas Binggeli, der Blitzableiter? Thomas Binggeli, die ewige Nummer zwei? Das war einmal. Jetzt will der 46-Jährige beweisen, dass er Chef sein kann. Dass er den FC Aarau nach der Entlassung von Ranko Jakovljevic auf das im Abstiegskampf wegweisende Spiel in Locarno vorbereiten darf, bezeichnet der erfahrene Instruktor als Chance. «Ich arbeite seit Jahren nach Funktionen», so Binggeli. «Jetzt habe ich die Aufgabe übernommen, mit dem FCA in Locarno zu gewinnen. Das ist mein Ziel. Punkt und Schluss.»

Die Vergangenheit interessiert Binggeli nicht. Über die Gründe der Entlassung von Ranko Jakovljevic möchte er nicht sprechen. «Ich schaue nur in die Zukunft», sagt er. «Dass ich die Welt in zwei Tagen nicht neu erfinden kann, ist mir klar. Ich will in der kurzen Zeit erreichen, dass die Spieler Emotionen zeigen.» Binggeli glaubt nach der 0:4-Pleite gegen Stade Nyonnais und dem 0:1 in Wil an den Turnaround. Der heutige Tag ist für ihn so etwas wie der Tag der Wahrheit. Endlich kann er sich ins Schaufenster stellen und Werbung in eigener Sache machen. Wenn der Mannschaftsbus um 8 Uhr in Richtung Tessin fährt ist er die Nummer eins. Knapp zwölf Stunden später beginnt im Lido die Partie gegen Locarno. Nach dem Anpfiff ist alles ganz einfach: Holt Binggeli drei Punkte, dann bleibt er wohl Patron. Holt Binggeli null Punkte, dann ist er wohl weg vom Fenster.

Der in Walliswil bei Wangen an der Aare aufgewachsene Binggeli begann 1990 mit der Trainerausbildung. Bei Klus-Balsthal zeichnete er Ende der 90er-Jahre als Spielertrainer verantwortlich. Gleichzeitig arbeitete der gelernte Maschinenmechaniker als Informatiker für die Firma Von Roll. 2002 entschied er sich, dem Ruf von Hanspeter Latour nach Thun zu folgen und übernahm den Posten des Assistenten. Nun wurde er zum Schattenmann Latours und folgte ihm nach Zürich zu GC, in die Bundesliga zum 1. FC Köln und zurück zu GC. Binggeli, der Dauerbrenner fürs zweite Glied? Denkste. «Mir schwebt vor», sagte er schon vor langer Zeit, «mich irgendwann abzunabeln und Cheftrainer zu werden.» Warum nicht jetzt?