Schwingen

Im Königscamp: Hier lässt sich Nick Alpiger gerne auf den Rücken legen

Im Königscamp in Wildhaus werden die Könige von morgen geformt. Aus der ganzen Schweiz sind sie angereist und profitieren eine Woche lang vom Wissen der Besten im Land. Ein Tag mit den Aargauer Gasttrainern Nick Alpiger und David Schmid.

Martin Probst
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Nick Alpiger (r.) schaut genau, ob die jungen Schwinger seine Tipps umsetzen.
33 Bilder
Königscamp in Wildhaus – Training mit Nick Alpiger und David Schmid
David Schmid (l.) und Nick Alpiger erklären den jungen Schwingern, wie man besser wird. Königscamp
David Schmid erklärt, was es am Boden zu beachten gibt.
Wer hat mehr Kraft? Nick Alpiger (l.) misst sich mit einem jungen Schwinger.
David Schmid (l.) schaut genau zu, ob die jungen Schwinger seine Ideen umsetzen.
Nick Alpiger gibt sein Wissen gerne weiter.
Die beiden Aargauer Gasttrainer begeistern den Nachwuchs mit ihren Ideen.
Nick Alpiger zeigt einem jungen Schwinger ganz genau, wie es gehen würde.
Die beiden Aargauer Eidgenossen sind vom Einsatz der Jungschwinger begeistert.
David Schmid sieht zu, ob seine Anweisungen umgesetzt werden.
Die jungen Schwinger schauen und lernen.
Auch im Training geht es ins Sägemehl.
Und im besten Fall auf den Rücken.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.
Impressionen aus dem Königscamp in Wildhaus.

Nick Alpiger (r.) schaut genau, ob die jungen Schwinger seine Tipps umsetzen.

Claudio Thoma

Die ersehnte Pause scheint so nah. «Da muss jetzt doch Salbe drauf, oder?» Erwartungsfroh, ja fast flehend schaut der Jungschwinger zur Betreuerin: «Die Wespe hat ihn doch in den Hals gestochen!» Da ruft sein Kollege: «Hör auf zu fragen und komm zurück. Schwingen wir weiter! Das salbe ich dann später noch ein.» Die Verschnaufpause muss warten.

Nick Alpiger bekommt das nicht mit. Aber der Aargauer Spitzenschwinger hätte Freude an der Einstellung des Wespenopfers. Gemeinsam mit seinem Nordwestschweizer Kollegen David Schmid leitet Alpiger an diesem Tag zwei Trainingseinheiten im Königscamp in Wildhaus. 69 Jungschwinger aus der ganzen Schweiz verbringen hier eine Trainingswoche, um dereinst vielleicht selbst zu den Besten zu gehören.

Das Ambiente passt. Auf der gegenüberliegenden Talseite erhebt sich der Säntis, quasi der König des Alpsteingebirges. Beim Restaurant Oberdorf in Wildhaus, gleich unterhalb des Sägemehls, das extra für das Camp auf 1230 m.ü.M gebracht wurde, wird eine neue 6er-Sesselbahn gebaut, gemäss den lokalen Bergbahnen eine der Besten, die es in der Schweiz gibt.

Weit weg von Zuhause und doch sind überall Alpigers

Hier oben also, im ländlichen Toggenburg, werden die Könige von morgen geformt. «Dass ihr hier seid, hebt euch bereits ab», sagt Alpiger. «Es gibt zwar im Moment keine Wettkämpfe: Doch wer jetzt deswegen nichts macht, der büsst das später.» Ob Coronapause oder Wespenstich – nur wer bereit ist, trotzdem mehr zu tun, wird erfolgreich. Kaum einer ordnet sich diesem Grundsatz stärker unter als Alpiger. Diese Einstellung will der 24-Jährige, im vergangenen Jahr Sieger des Innerschweizer Fests, den 10- bis 15-Jährigen vermitteln. Und die Jungschwinger, formiert in einem Halbkreis um Alpiger herum, hören ihm genau zu.

Oben im Restaurant machen Arbeiter der Gebr. Alpiger AG gerade Znünipause. «Der Nick, das ist ein guter», sagt einer. Zwar schwingt der Nick für die Nordwestschweiz, doch alleine der Name, der in Wildhaus so verbreitet ist, zeigt die Ver­bindung zur Region. Unten im Dorf führt der ehemalige Ski­fahrer Karl Alpiger ein Sportgeschäft. Er ist der Grossonkel des Schwingers.

Mit der Tracht des Grossvaters

Nick Alpigers Grosseltern verliessen das Toggenburg einst, um in Baden eine Käserei zu eröffnen. Die Tracht, die Alpiger trägt, wenn er nach den Schwingfesten den Kranz erhält, verrät den Bezug zur Ostschweiz hingegen noch heute. «Mein Grossvater hat sie schon getragen», erzählt er. Einzig das Brusttuch, das die Toggenburger Tracht ­individuell macht, ist heute ein anderes.

Genäht hat es Gisela Brändli. Jetzt sitzt sie auf den Strohballen neben dem Sägemehl und schaut Alpiger zu. Sie ist dafür extra aus Mosnang gekommen, 45 Autominuten entfernt. Das Brusttuch stand am Ursprung einer Freundschaft, welche die Familien bis heute verbindet. Brändli sieht, wie Alpiger die jungen Schwinger fasziniert. Einer will wissen, was sein liebster Schwung sei. «Da wir das letzte von vier Duos sind, die hier ein Training leiten, ist es für uns schwieriger Neues zu zeigen», sagt Alpiger. Kurz oder Lätz, die er am liebsten mag: «Das wurde alles schon einmal gezeigt.»

Doch Alpiger und Schmid lösen die Aufgabe gekonnt. Fast, als ob sie nie etwas anderes tun. Traumberuf Sportlehrer? «Oh nein», sagt Schmid. «Ich würde mich zu oft über jene aufregen, die nicht richtig mitmachen.» In Wildhaus kann er sich darüber nicht beklagen. Seine Lektionen im Bodenkampf will keiner ver­passen. Kein Wunder, ist es doch die Spezialität des Siegers der Nordwestschweizer Feste 2018 und 2019.

Eigentlich wäre Schmid schon im Ruhestand

Dabei wäre Schmid nach seinem ursprünglichen Plan heute gar nicht mehr aktiv. Der 29-Jährige wollte seine Karriere eigentlich am 2. August nach dem Nordwestschweizer Fest beenden. «Wenn es nach meinen Fans gegangen wäre, mit dem Hattrick», sagt er. Doch dann kam Corona und mit dem Virus die Absage aller Wettkämpfe. Nun ist er gezwungen, sich neue Gedanken zu machen. «Aber entschieden ist noch nichts», sagt Schmid.

Gedanken ans Karrieren­ende müssen sich die Teilnehmer des Königscamps nicht machen. Sie stehen am Anfang und kurz vor der Pubertät. «Dann entscheidet sich, wer weiter kommt», sagt Alpiger. Es sind die, welche sich nicht aufhalten lassen. Auch nicht von einem Wespenstich.