Kuhns Fussballwelt

Hätte, wäre, wenn und aber: Sportreporter statt Spielervermittler

Seit 35 Jahren schreibt Ruedi Kuhn über den FC Aarau. In der Kolumne «Kuhns Fussballwelt» erzählt er von unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ihn geprägt haben.

Ruedi Kuhn
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Aktuell ist Ciriaco Sforza Trainer beim FC Wil, als Spieler war er ein Jahr beim FC Aarau.

Aktuell ist Ciriaco Sforza Trainer beim FC Wil, als Spieler war er ein Jahr beim FC Aarau.

Keystone

Der Wechsel von GC-Lehrling Ciriaco Sforza zum FC Aarau Ende der 1980er-Jahre sorgte für Schlagzeilen. Ich durfte den aus Aarauer Sicht spektakulären Transfer einfädeln und war logischerweise der erste Journalist, der darüber berichtete. Meine Freude über den exklusiven Artikel war allerdings von kurzer Dauer. Einen Tag nach der Veröffentlichung zitierte mich Franz Straub, früherer Chefredaktor vom „Aargauer Tagblatt, in sein Büro.

Straubs strenger Gesichtsausdruck liess nichts Gutes erahnen. «Da warst Du ja wieder mal schneller als alle anderen», sagte Straub. «Das ist schön und gut, aber ich höre, dass Du beim Transfer von Sforza zu Aarau die Hände mit im Spiel hattest. Stimmt das?» «Das stimmt», entgegnete ich. «Ich war der Vermittler. Aber es war ein Freundschaftsdienst. Ich habe keinen Rappen dafür bekommen.»

Straub schaute mich lange an. «Das mag sein», sagte er. «Aber Du kannst nicht Sport-Journalist und Spielvermittler in einer Person sein. Als Journalist bist Du der absoluten Neutralität verpflichtet. Du musst Dich also für eine Richtung entscheiden.»

Statt Streicheleinheiten gab es also Schelte für mich. Ich war enttäuscht und wütend. Das Verrückte an der Geschichte: Ein Jahr nach dem Transfer von GC zum FCA holten die Zürcher Sforza wieder zurück. Nachdem er zuvor ablösefrei zum Verein vom Brügglifeld gewechselt hatte, zahlten die Zürcher den Aarauern eine Ablösesumme von 800000 Franken. Ein lukratives Geschäft für den FCA!

Ich ging leer aus. Und so mache ich mir heute noch Gedanken, ob ich damals meinen Job als Sportreporter nicht besser aufgegeben hätte und Spielervermittler geworden wäre. Ich hätte sicherlich mehr verdient. Stellen Sie sich vor, Sforza hätte mich als Vermittler unter Vertrag genommen.

Ich hätte für seinen Transfer zu GC bestimmt eine Provision von fünf Prozent erhalten. Fünf Prozent von 800000 Franken? Das sind 40000 Franken! Nicht schlecht. Und wenn ich daran denke, dass er nach GC zum 1. FC Kaiserslautern, zu Bayern München und zu Inter Mailand gewechselt hat, dann hätte ich die eine oder andere zusätzliche Prämie verdient.

Hätte, wäre, wenn und aber: Was soll's? Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich. Und als Sportreporter lebt es sich ja auch nicht so schlecht.

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