NLA- und NLB-Handball

Gewinnausfälle von bis zu 25'000 Franken: Das bedeutet der Saisonabbruch für die Aargauer Handballer

Die Swiss Handball League SHL bricht die Saison 2019/20 in den beiden höchsten Ligen des Landes per sofort ab. Das hat für die Aargauer NLA- und NLB-Klubs Folgen – in erster Linie in sportlicher und finanzieller Hinsicht. Welche das sind, lesen Sie hier.

Dean Fuss
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Der Handballsport muss derzeit – wie so vieles anderes auch – unten durch: Szene aus dem Aargauer Derby mit TVE-Captain Christian Riechsteiner (oben) und HSC-Routinier Patrick Strebel.

Der Handballsport muss derzeit – wie so vieles anderes auch – unten durch: Szene aus dem Aargauer Derby mit TVE-Captain Christian Riechsteiner (oben) und HSC-Routinier Patrick Strebel.

Alexander Wagner

«Zwischen Playoff-Halbfinal und Ligaerhalt», so lautete der Titel der Vorschau auf die neue Handballsaison aus Aargauer Sicht in der «Aargauer Zeitung» vom 29. August 2019. Die Saisonziele der beiden NLA-Vertreter hätten kaum unterschiedlicher sein können.

Hier der HSC Suhr Aarau, der sich nach dem unglücklichen Ende der Saison 2018/19 (23:25-Heimniederlage in der Verlängerung des fünften und entscheidenden Playoff-Viertelfinalspiels gegen Wacker Thun) unbedingt rehabilitieren wollte. Da der Aufsteiger TV Endingen, der sich nach einer fast perfekten NLB-Saison 2018/19 mit gerade einmal zwei Niederlagen unbedingt den Ligaerhalt in der NLA sichern wollte.

Der Abbruch der laufenden Saison aufgrund des Corona-Virus verhindert nun, dass weder das eine noch das andere Saisonziel auf sportlichem Weg erreicht werden können. Für den HSC ist das insofern unglaublich bitter, als dass man trotz Investitionen ins Kader und einer phasenweise sehr starken Hauptrunde die hohen Ambitionen ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase nicht mehr auf der Platte unterstreichen kann.

Hat der TVE nun den Ligaerhalt geschafft?

Der TVE hingegen könnte – je nachdem, wie der Verband die Problematik von Auf- und Absteigern regelt – als eine Art «heimlicher Sieger» aus dem Saisonabbruch hervorgehen und erstmals seit dem Aufstieg 1996, als der TVE sieben Jahre lang A-klassig war, wieder einmal mehr als eine Saison am Stück in der NLA spielen.

«Diese Option ist mir auch durch den Kopf gegangen. Aber wirklich freuen könnten wir uns nicht. Dies auch im Wissen darüber, dass der Nichtaufsteiger genauso frustriert wäre, wie wir, wenn wir am grünen Tisch als Letzter zum Absteiger erklärt würden. Wie man es auch dreht und wendet, es ist eine sehr unglückliche Situation», sagt Villiger.

TVE-Geschäftsführer Christian Villiger.

TVE-Geschäftsführer Christian Villiger.

Alexander Wagner
Diese Option ist mir schon auch durch den Kopf gegangen. Aber wirklich freuen könnten wir uns  nicht.

(Quelle: Christian Villiger, Geschäftsführer TV Endingen)

Dennoch hat man sowohl beim HSC als auch beim TVE Verständnis für den Saisonabbruch. «Gesundheit geht vor, so bitter der Abbruch auch ist. Sport ist am Ende nur eine Nebensache – wenn auch eine unglaublich schöne», fasst HSC-Geschäftsführer Wernli die Sachlage treffend zusammen.

HSC-Geschäftsführer Lukas Wernli.

HSC-Geschäftsführer Lukas Wernli.

Alexander Wagner
Gesundheit geht vor, so bitter das auch ist. Sport ist am Ende nur eine Nebensache – wenn auch eine unglaublich schöne

(Quelle: Lukas Wernli, Geschäftsführer HSC Suhr Aarau)

Grosse Gewinnausfälle für HSC und TVE

Neben den sportlichen Aspekten geht es aber auch um viel Geld: Drei bis fünf Playoff-Heimspiele hat der HSC Suhr Aarau in der laufenden Saison budgetiert. In Anbetracht des Saisonziels, mindestens eine Playoffrunde zu überstehen, nichts als logisch. Doch daraus wird jetzt nichts. «Damit fehlen uns gegenüber dem Budget je nach Zuschaueraufmarsch rund 20'000 bis 25'000 Franken», sagt HSC-Geschäftsführer Lukas Wernli.

Und auch für den TV Endingen geht es um viel Geld. «Durch den Abbruch geht uns ein Gewinn von rund 20'000 Franken verloren. Das ist für uns ein immenser Schaden», sagt TVE-Geschäftsführer Christian Villiger.

Wenn der Ball ruht, geht den Handballvereinen viel Geld verloren.

Wenn der Ball ruht, geht den Handballvereinen viel Geld verloren.

Claudio Thoma

Klar ist: Während durch den Saisonabbruch massive Einnahmeausfälle hinzunehmen sind, summieren sich die üblichen Kosten trotzdem unvermindert weiter. Lohnzahlungen für Spieler und Staff, sowie Hallenmieten können nicht einfach ausgesetzt werden. Deshalb dürften die durch den Saisonabbruch verursachten Verluste der Vereine um ein Vielfaches höher liegen, als die Einnahmeausfälle.

Auch TV Möhlin und STV Baden trifft der Abbruch hart

Auch die von TVE-Geschäftsführer Villiger angesprochenen möglichen «Nichtaufsteiger» aus der NLB sind im Kanton Aargau zu Hause. Derzeit belegen nämlich der TV Möhlin und der STV Baden die Ränge 1 und 2 in der zweithöchsten Liga der Schweiz. Die beiden Teams befanden sich zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf Kurs in Richtung Aufstiegsspiele.

Möhlins Torjäger Alexander Velz (l.) ist mit 210 Treffern der mit Abstand erfolgreichste Werfer der NLB.

Möhlins Torjäger Alexander Velz (l.) ist mit 210 Treffern der mit Abstand erfolgreichste Werfer der NLB.

Michi Mahrer

Hätten sich die beiden Teams – sowohl die Fricktaler als auch die Badener haben in den vergangenen Wochen ihren Willen zum Aufstieg bekundet – auch nach Abschluss der Hauptrunde noch unter den ersten zwei der Tabelle befunden, hätten sie in einer Playoffserie im Best-of-5-Modus den Aufsteiger in die NLA untereinander ausgemacht.

Gibt es trotz Saisonabbruch einen Cupfinal?

Für den HSC Suhr Aarau ist der Saisonabbruch gleich doppelt bitter. Hat sich die Mannschaft um die beiden Co-Captains Tim Aufdenblatten und Dario Ferrante doch in den vergangenen Monaten dank Auswärtssiegen bei Pfadi Winterthur (Viertelfinal) und GC Amicitia (Halbfinal) für den Cupfinal qualifiziert.

Torhüter Dragan Marjanac (r.) und Raphael Rohr bejubeln den Einzug des HSC Suhr Aarau in den Cupfinal.
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Diogo Oliveira (M.) und seine HSC-Teamkollegen bedanken sich beim Publikum für die Unterstützung.
Kreisläufer Martin Slaninka (r.) und Torhüter Dragan Marjanac bejubeln den HSC-Sieg.
Die Spieler des HSC Suhr Aarau schwören sich nach dem Sieg gegenseitig ein.
Impressionen vom Cup-Halbfinal des HSC Suhr Aarau auswärts bei GC Amicitia
Martin Slaninka und seine Teamkollegen bedanken sich bei den zahlreichen HSC-Fans im spärlich erschienen Publikum.
Kurz vor der Schlusssirene ist der Jubel auf der HSC-Bank bereits gross.
HSC-Trainer Misha Kaufmann (M.) und seine Bank kurz vor der Schlussirene.
Der grosse Jubel nach dem Schlusspfiff: Dario Ferrante (l.) führt den Plattensturm an.
Der grosse Jubel nach dem Schlusspfiff (v.l.n.r.): Dario Ferrante, Dragan Marjanac und Co-Captain Tim Aufdenblatten stürmen die Platte.
HSC-Trainer Misha Kaufmann in seinem Element.
HSC-Kreisläufer Martin Slaninka in Aktion.
HSC-Kreisläufer Martin Slaninka hängt im schnellen Gegenstoss alle Zürcher ab.
Dragan Marjanac überzeugt in der ersten Halbzeit zwischen den Pfosten des HSC Suhr Aarau mit neun Paraden und einer Abwehrquote von 50 Prozent.
HSC-Trainer Misha Kaufmann mit vollem Einsatz an der Seitenlinie.
Die Kulisse in der Zürcher Saalsporthalle ist eines Cup-Halbfinals eigentlich nicht würdig, aber immerhin haben die HSC-Fans so ganz klar die Überhand und machen die Partie quasi zu einem Aargauer Heimspiel.
Diogo Oliveira beweist sich einmal mehr als starker Siebenmeter-Schütze für den HSC.
Überraschend und trotz Adduktoren-Problemen im Einsatz: HSC-Rückraumspieler Joao Ferraz (l.) setzt sich gegen Mikhail Zhyla durch.
HSC-Kreisläufer Martin Slaninka im Abschluss.
Gutes Omen für den HSC? Der Luft-Grashüpfer, durch den die GC-Spieler einlaufen sollten, ist noch vor der Einlaufshow kollabiert und kann erst nach "Reanimation" als Teil der Show herhalten.

Torhüter Dragan Marjanac (r.) und Raphael Rohr bejubeln den Einzug des HSC Suhr Aarau in den Cupfinal.

Alexander Wagner

Dass dieser nicht wie ursprünglich geplant am Sonntag, 15. März, würde stattfinden können, hatte sich bald einmal nach der ersten Verschärfung der Corona-Krise im Sport abgezeichnet. Nach dem Abbruch der Saison stellt sich nun die Frage, ob der Cupfinal überhaupt wird stattfinden können.

Option für den Cupfinal: Verschiebung in den Sommer

Allerdings gibt es durchaus berechtigte Hoffnungen für den HSC und alle seine Fans: Im Gegensatz zu einer Meisterschaftsentscheidung, in der zur Ermittlung des Meisters noch reihenweise Partien auszutragen gewesen wären, steht im Cup-Wettbewerb nur noch das Finalspiel aus. Dieses könnte beispielsweise auch im Sommer anstelle des Supercups, der im vergangenen Jahr Ende August zwischen Meister und Cupsieger bestritten wurde, ausgetragen werden.

HSC-Geschäftsführer Wernli würde eine solche Ausweichmöglichkeit für den Cupfinal begrüssen: «Für den HSC ist dieses Finalspiel schon der wichtigste Aspekt unter den aktuellen Entwicklungen. Wir haben uns diesen Final hart verdient und lange darauf gewartet. Es wäre schon schön, wenn wir am Ende irgendetwas aus dieser Saison mitnehmen könnten.»

Es wäre schon schön, wenn wir am Ende irgendetwas aus dieser Saison mitnehmen könnten.

(Quelle: Lukas Wernli, Geschäftsführer HSC Suhr Aarau)