FC Aarau und FC Wohlen ignorieren eigene Talente: So macht das Team Aargau keinen Sinn

Eine Analyse zum FC Aarau und zum FC Wohlen, die Talente verpflichten, die eigene Nachwuchsabteilung aber ignorieren.

Ruedi Kuhn
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az-Redaktor Ruedi Kuhn kritisiert den FC Aarau und FC Wohlen.

az-Redaktor Ruedi Kuhn kritisiert den FC Aarau und FC Wohlen.

Keystone

Mit dem 21-jährigen Thomas Fekete von YB und dem 22-jährigen Nuno Da Silva vom FC Breitenrain verpflichtete der FC Aarau Ende September zwei Nachwuchsspieler. Mit dem 20-jährigen Nils von Niederhäusern und dem gleichaltrigen Kilian Pagliuca verpflichtete der FC Wohlen zwei Nachwuchsspieler vom FC Zürich.

Zuvor tätigten die Freiämter die Transfers der Talente Marko Dangubic (20) von YB, Yannick Schmid (21) und Olivier Kleiner (20) von Luzern, Noah Loosli (19) von GC und Marvin Graf (21) vom FC Zürich.

Dass der FC Aarau und der FC Wohlen auf junge Spieler setzen, ist erfreulich. Talentförderung macht Sinn. Aber die Sache hat einen Haken. Denn nach den zahlreichen Transfers stellen sich einige Fragen: Was ist mit den Talenten aus dem Team Aargau? Warum setzen die Aargauer Challenge-Ligisten nicht vermehrt auf Spieler aus der eigenen Nachwuchsabteilung?

Jene Nachwuchsabteilung, die vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, um die drei Klubs FC Aarau, FC Wohlen und FC Baden mit jungen Spielern zu füttern. Jene Nachwuchsabteilung, die mit dem Technischen Leiter Sascha Stauch und Ranko Jakovljevic und Rolf Weber drei Profitrainer angestellt hat. Hinzu kommen fünf Halbprofi-Trainer und viele Teilzeit-Trainer.

Mit Silvan Widmer, Loris Benito und Joël Mall haben in den vergangenen Jahren drei ehemalige Talente vom Team Aargau den Sprung in die erste Mannschaft des FC Aarau, dann sogar einen Transfer zu einem Grossklub geschafft.Marco Thaler

Marco Thaler spielte auch einmal im Team Aargau.

Marco Thaler spielte auch einmal im Team Aargau.

freshfocus

Mit Marco Thaler und Olivier Jäckle und den langzeitverletzten Miguel Peralta und Daniele Romano zählen momentan vier ehemalige Talente aus dem Team Aargau zum Stamm der ersten Mannschaft des FC Aarau. Das Quartett hat den Sprung ins Profiteam damit endgültig geschafft.

Die eigenen Talente benötigen beim FC Aarau mehr Einsatzzeit

Nun stehen mit dem 18-jährigen Mittelfeldspieler Mats Hammerich und dem bald 19-jährigen Rechtsverteidiger Raoul Giger zwei weitere Talente an der Schwelle zur ersten Mannschaft. Warum setzt Aarau-Trainer Marco Schällibaum nicht auf Hammerich, der seit Beginn dieses Jahres mit den Profis trainiert? Warum setzt der Trainer nicht auf Giger, der ein Versprechen für die Zukunft ist?

«Mats Hammerich hat gute Anlagen, fiel in den vergangenen Monaten aber in ein Leistungsloch», sagt Schällibaum. «Auch Rechtsverteidiger Raoul Giger ist ein Talent. Aber bei der Spielersuche steht immer die Position im Vordergrund. Wir suchten einen Spieler für die linke Abwehrseite. Mit Fekete haben wir diesen Linksverteidiger gefunden», sagt Schällibaum. «Ich arbeite gerne mit jungen Spielern. Aber für Talente wie Giger ist der Schritt vom Team Aargau U21 bis in die Challenge League sehr gross. Es besteht die Gefahr, dass sie verheizt werden.»

Schällibaum war nach eigener Aussage trotz der Vorbehalte nahe dran, Giger im letzten Auswärtsspiel gegen Servette von Beginn an spielen zu lassen. Dass er ihn nicht gebracht hat, ist bedauerlich. Giger müsste beim FC Aarau mehr Einsatzzeit erhalten. Gleiches gilt für Hammerich.

Die Talente leiden unter der Konkurrenz zwischen den Klubs

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von Francesco Gabriele, der seit Anfang September den FC Wohlen trainiert. «Natürlich hat Wohlen Interesse an Spielern wie Giger und Hammerich», sagt er. «Sie sind seit Wochen auf meinem Radar. Im Fall von Giger kann man sogar von einem Wunschspieler sprechen. Schliesslich suchen wir seit Monaten einen gelernten Rechtsverteidiger. Ich verstehe aber auch, dass der FC Aarau die zwei hoffnungsvollsten Talente nicht ausgerechnet an Wohlen abgeben will.»

Der FC Aarau will Mats Hammerich nicht gehen lassen.

Der FC Aarau will Mats Hammerich nicht gehen lassen.

Chris Iseli

Dass die Verantwortlichen des FC Aarau Giger und Hammerich nicht dem Erzrivalen überlassen, liegt auf der Hand. Schliesslich spielen Aarau und Wohlen in der gleichen Liga, sind also Konkurrenten. Weil das Eigenwohl vor dem Gemeinwohl steht, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den beiden Klubs bezüglich des Austauschs von Nachwuchsspielern nicht. Leidtragende sind die Talente.

Das Team Aargau ist im Verlauf der vergangenen zehn Jahre zu einer festen Einrichtung geworden. Es bietet Aargauer Junioren ab dem Alter von elf Jahren eine ideale Plattform für Trainings und Spiele. Die Talente werden ausgebildet und behutsam an höhere Aufgaben herangeführt. Das ist gut so. Man darf aber nicht vergessen, dass jährlich rund 750 000 Franken in das Team Aargau fliessen. Glücklicherweise übernehmen die Swiss Football League, der Schweizerische Fussballverband und der Kanton Aargau mehr als die Hälfte dieser hohen Kosten.

Die Investition in die Ausbildung und Förderung von Talenten ist erfreulich, macht sich momentan anderseits sportlich zu wenig bezahlt. Das ändert sich nur dann, wenn der FC Aarau und der FC Wohlen mehr auf Talente aus dem Team Aargau setzen. Es ist an der Zeit, dass sich die Verantwortlichen der Klubs bezüglich der Nachwuchsabteilung an einen Tisch setzen. Mit dem Ziel, enger und zielgerichteter zusammenzuarbeiten.