Challenge League

Fankurven protestieren gegen Liga - warum machen ausgerechnet die Wohlen-Fans nicht mit?

Fünf Absteiger am grünen Tisch in sechs Jahren - die unheimliche Serie in der Challenge League ist auch den Fans ein Dorn im Auge. Sie prangern Verband und Liga an. Ausgerechnet von den Fans des Klubs, der die Proteste auslöste, kommt keine Unterstützung.

Sebastian Wendel
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Das Spruchband der FCA-Fans in Neuenburg

Das Spruchband der FCA-Fans in Neuenburg

Zur Verfügung gestellt

Man muss es sich nochmals vor Augen halten: 2012 wird die Challenge League von 16 auf 10 Klubs reduziert. In den sechs Spielzeiten seither ist nur ein einziges Mal der Absteiger in die Promotion League sportlich ermittelt worden – 2013/14 der FC Locarno. Die restlichen fünf Absteiger wurden entweder zwangsrelegiert oder haben sich freiwillig zurückgezogen.

In dieser Saison trifft es auch den Kanton Aargau: Der FC Wohlen hat angekündigt, kein Lizenzgesuch für 2018/19 einzureichen. Wo es für die Freiämter künftig weitergeht, ist unklar.
Die unheimliche Serie hat die normalerweise rivalisierenden Fangruppen in der Challenge League vereint: In der laufenden Rückrunde protestieren sie gemeinsam gegen die in ihren Augen zu hohen Auflagen seitens der Swiss Football League und des Schweizerischen Fussballverbandes. Und zwar in Form von Plakaten und Spruchbändern, auf denen auf das Klubsterben in der Challenge League und dessen Folgen aufmerksam gemacht wird.

Fans gegen Liga
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Fans gegen Liga
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Das Spruchband der FCA-Fans in Neuenburg
Fans gegen Liga
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Die Organisation ist klubübergreifend, was gemeinsame Aktionen ermöglicht. So etwa am 9. Februar in Neuenburg: Die angereisten Fans des FC Aarau entrollten zwei Bänder mit den Worten: «Was sell usem Schwiizer Fuessball wärde, wenn emmer meh Vereine stärbe!?» Auf Deutsch: Was soll aus dem Schweizer Fussball werden, wenn immer mehr Vereine sterben!? Auf der anderen Seite in der Xamax-Fankurve prangte der gleiche Spruch auf Französisch.

"Zu kurz gegriffen"

Was auffällt: Ausgerechnet die Fans des FC Wohlen, dessen Abstiegsankündigung der Auslöser für die Proteste war, verweigern der ligaweiten Aktion ihre Unterstützung. Auf Anfrage der «Aargauer Zeitung» schreiben die «Teilzeitfans Wohlen»: «Wir haben entschieden, uns nicht aktiv an den Protesten zu beteiligen, da uns diese zu kurz gegriffen erscheinen.»

Die Fangruppierung der Freiämter hätte sich eine differenziertere Auseinandersetzung mit den Problemen in der Challenge League gewünscht: «Wir sehen den Verband nicht als Hauptschuldigen am Rückzug des FC Wohlen. Wir sind zwar auch der Meinung, dass es zwangsläufig Reformen braucht, doch sehen wir hier vor allem die Vereine als Mitglieder der SFL in der Pflicht. Diesen ihre Verantwortung klarzumachen, wäre ein wichtiger Punkt, der bei den Protesten fehlt. Wobei wir diesen nicht grundsätzlich negativ gegenüberstehen.»

Was die Wohlen-Fans meinen: Die von den anderen Fangruppen kritisierte Swiss Football League ist nur das Ausführungsorgan der Regeln, welche die Vereine beschlossen haben.

Ähnlich denkt die Gruppe "Gate Süd 14": "Kritik einzig und alleine auf den Verband abzuwälzen, erscheint uns arg verkürzt. Schliesslich sind es die Clubs selbst, die letztlich über Reformen abstimmen und letztlich gegen eine Veränderung des Modus der Schweizer Profiligen stimmten. An den Gesprächen dazu haben übrigens auch Vertreter unserer Gruppe teilgenommen. Die wenigsten der Schweizer Fangruppierungen waren dort, trotz expliziter Einladung, zugegen. Aus der Challenge League waren ausschliesslich Fans des FC Wohlen anwesend. Warum diese Einladung zur Diskussion nicht genutzt wurde, ist uns nicht bekannt."