Basketball

Ein Aargauer mit afrikanischem Herzen

Ruanda, Neuenhof, Freiburg. Chris Uliwabo ist schon weit herumgekommen. Nun lernt er bei Fribourg Olympic, dass man als Sportler nicht immer gewinnen kann.

Von Francesca Perrotta
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Obwohl er sich in Freiburg eingelebt hat, fehlt ihm seine Heimat Neuenhof: Chris Uliwabo. FPE

Obwohl er sich in Freiburg eingelebt hat, fehlt ihm seine Heimat Neuenhof: Chris Uliwabo. FPE

Mit seinen 18 Jahren wirkt er schon wie ein gestandener Mann. Kein Wunder, denn der Basketballspieler Chris Uliwabo hat für sein junges Alter schon einiges erlebt. Als er drei Jahre alt war, mussten seine Eltern ihr Heimatland Ruanda verlassen, weil der Bürgerkrieg ausbrach. Die Familie zog ins aargauische Neuenhof, das Dorf in dem Uliwabo aufgewachsen ist und heute als seine Heimat bezeichnet. «Ich fühle mich als Schweizer – mit meinem Herzen bin ich aber in Ruanda», erklärt Uliwabo. Erinnerung an sein ursprüngliches Heimatland hat Uliwabo keine mehr. «Meine Grosseltern leben noch dort, aber ich weiss nicht, wie sie aussehen. Ich will aber bald einmal hingehen.»

Neuenhof fehlt ihm sehr, denn seit kurzem spielt er bei Fribourg Olympic in der Junioren-Mannschaft und macht nebenbei einen KV-Ausbildung an der Bénédit-Schule in Bern. Nach Hause kann er meistens nur am Wochenende und das nur für einen Tag. «Mir fehlen meine Familie, meine Freunde und natürlich meine Freundin. Sie sind alle im Aargau.»

Inzwischen hat er sich aber in Fribourg eingelebt und geniesst es, dass sich in seinem Alltag fast alles ausschliesslich um Sport dreht.

Nicht immer hat Uliwabo Basketball gespielt. Angefangen hat er mit Fussballspielen in Neuenhof und erst später durch seine älteren Freunde zum Basketball gefunden. «In der Schule haben wir immer in der grossen Pause Basketball gespielt. Mit der Zeit gefiel es mir besser, als einem Ball nachzurennen», erzählt Uliwabo. So wechselte er im Alter von zehn Jahren die Sportart, spielte anfangs in Neuenhof, dann in Baden und schliesslich bei den erfolgreichen Zürich Wildcats, bevor er nach Freiburg ging.

Für Uliwabo, dessen Muttersprache Französisch ist, war der Umzug in die Westschweiz kein Problem und die Tatsache, dass auch Zürcher
Kollegen, wie beispielsweise Stefan Pektovic nach Fribourg wechselten, machte es ihm leichter.

Neu war für Uliwabo, in einem Team zu spielen, das primär auf die Ausbildung der Spieler setzt. «In Zürich war ich es gewohnt oft zu gewinnen. Jetzt habe ich gelernt, dass das gar nicht so wichtig ist. Viel mehr zählt, dass ich viel lerne», erklärt er. Und er will etwas lernen, denn er liebt seinen Sport und möchte eines Tages vom Basketballspielen leben können.

An Motivation dazu, fehlt es ihm selten und wenn doch, kontaktiert er seinen Vater, der sein grosses Vorbild ist. «Er ist sehr stolz auf mich und unterstützt mich in jeder Situation, obwohl er am Anfang nicht begeistert war, als ich nicht mehr Fussball spielen wollte», erklärt Uliwabo. Dies hat einen guten Grund: Uliwabos Vater war früher Profifussballer in der Nationalmannschaft von Ruanda. Sein sportlicher Geist scheint auf seine beiden Söhne übergegangen zu sein – Uliwabos jüngerer Bruder spielt beim FCZ U14. Uliwabo, welcher sich momentan noch von einem Leistenbruch erholt, ist nicht nur seiner Familie dankbar, sondern auch seinem Heimatkanton. «Ohne die finanzielle Unterstützung des Kantons Aargau hätte ich diese Chance nicht wahrnehmen können, dafür bin ich sehr dankbar», sagt er zum Schluss.