Super League

Der grenzenlose Optimist: FCA-Rückkehrer Shkelzen Gashi lässt keine negativen Gedanken zu

Der 32-jährige Stürmer hat trotz persönlicher Rückschläge und der schlechten Rückrunde mit dem FC Aarau keine negativen Gedanken. Ganz im Gegenteil: Er träumt von einem Aufstieg und will dabei einer der Anführer sein.

Ruedi Kuhn
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Shkelzen Gashi will beim FC Aarau unbedingt ein Anführer sein und für die zahlreichen Talente eine Vorbildfunktion übernehmen.

Shkelzen Gashi will beim FC Aarau unbedingt ein Anführer sein und für die zahlreichen Talente eine Vorbildfunktion übernehmen.

Freshfocus

Es ist 12 Uhr mittags. Die Sonne brennt gnadenlos auf den Hauptplatz vom Stadion Brügglifeld. Shkelzen Gashi läuft bei brütender Hitze mutterseelenallein zehn Runden. Gegen Ende des kleinen Tests gibt die Nummer 10 des FC Aarau Vollgas.

Nach zwanzig Minuten ist die kräfteraubende Übung zu Ende. Gashi holt einige Male tief Luft, schaut in meine Richtung, lächelt verschmitzt und sagt: «Gib mir zehn Minuten Erholung, dann bin ich bereit für unser Gespräch.»

Zehn Minuten später sitzt Gashi auf der Haupttribüne. Bester Laune, mit purem Optimismus und voller guter Vorsätze! Fürs Erste spricht er über seinen Formstand und seine Fitness. «Natürlich waren die vergangenen sechs Monate mit den kleinen muskulären Verletzungen und den speziellen Trainingsbedingungen während der Coronapause nicht einfach für mich», erklärt der 32-jährige Stürmer.

«Natürlich bin ich körperlich noch nicht auf hundert Prozent. Dass ich am vergangenen Freitag in Wil das erste Mal neunzig Minuten durchspielen konnte, ist allerdings ein Schritt in die richtige Richtung. Ich bin auf einem guten Weg.»

Den Blick nicht nur auf die eigene Leistung

Gashi lässt sich von den persönlichen Rückschlägen und den schlechten Resultaten des FC Aarau während der Rückrunde also nicht beirren. Im Gegenteil! Er sprüht vor Zuversicht, Eifer und Tatendrang. «Es ist richtig, dass zuletzt nicht alles rund gelaufen ist», sagt er.

«Wir müssen diese Saison kritisch analysieren. Jeder muss sich hinterfragen. Dann aber gilt es das Vergangene abzuhaken, nach vorne zu schauen und voll anzugreifen. Für die kommenden Wochen und Monate lasse ich keine negativen Gedanken aufkommen und werde versuchen, den Fussball in vollen Zügen geniessen.»

Gashi schaut dabei nicht nur auf sich und seine Leistungen, sondern er will neben dem Spielfeld auch ein Anführer sein, seine Vorbildfunktion für die zahlreichen Talente wahrnehmen. Es bereitet ihm nach eigener Aussage grosse Freude, mit jungen Spielern wie Kevin Spadanuda, Liridon Balaj, Donat Rrudhani, Yvan Alounga und Stevan Lujic zu trainieren, zu spielen und ihnen zu helfen, Fortschritte zu machen.

Gashis besonderes Spiel gegen die Grasshoppers

Bevor Gashi mit dem FCA am 17. August die Vorbereitung auf die Mitte September beginnende Saison 2020/21 in Angriff nehmen wird, kommt es für ihn im letzten Heimspiel dieser Saison noch zu einem Leckerbissen: Der Gegner heisst GC. Ausgerechnet GC!

Bei den Zürchern schaffte Gashi von 2012 bis 2014 den Durchbruch. In der Saison 2013/14 schoss er 19 Treffer und wurde Torschützenkönig der Super League. «Für mich ist das Spiel gegen GC in doppelter Hinsicht speziell», sagt Gashi. «Einerseits legte ich bei GC den Grundstein für meine Karriere, anderseits kenne ich Trainer Zoltan Kadar und Captain Veroljub Salatic aus früheren Zeiten. Ich freue mich auf das Wiedersehen, werde aber alles daran setzen, mit dem FC Aarau zu gewinnen.»

Erinnerungen an den Karrierehöhepunkt

Gashi hat beim FCA einen Vertrag bis Ende der Saison 2022/23. Diesen Vertrag will er erfüllen. Mehr noch: Er hat hohe Ziele und erinnert sich an den Höhepunkt seiner Laufbahn. Wie schön war das doch vor mehr als vier Jahren, als er sich mit Albanien dank eines Sieges in Armenien für die EM-Endrunde 2016 qualifizierte!

«Wir wurden in der Hauptstadt Tirana von 100000 Zuschauern empfangen», blickt Gashi zurück. «Die Fans waren ausser sich und begleiteten uns vom Flughafen bis ins Stadion. Dort wurde stundenlang getanzt und gefeiert.» Stundenlang feiern möchte Gashi auch mit dem FC Aarau. Es müssen ja nicht 100000 Zuschauer sein, die mit dem FC Aarau den Aufstieg in die Super League feiern. Da reichen 10000 Fans allemal.

Vorbereitung auf die Zeit nach der Profi-Karriere

Und was kommt für Gashi nach der Zeit als Profi? Hat er sich darüber schon Gedanken gemacht? «Der Fussball bestimmt mein Leben in der Vergangenheit und in der Gegenwart», erklärt Gashi. «Und der Fussball wird mein Leben auch in der Zukunft bestimmen. Was ich nach der Zeit als Profi machen werde, ist momentan aber völlig offen. Ich konzentriere mich einzig und allein auf den FC Aarau.»

Einen kleinen Hinweis auf seine Rolle im Fussball nach der Aktivzeit gibt es aber trotzdem: Am 13. August nimmt Gashi an einem Einsteigerkurs für Trainer teil.

Fast keine GC-Fans im Brügglifeld

Nach der 2:3-Niederlage gegen Wil am vergangenen Montag ist GC im Kampf um den Barrage-Platz zwei Runden vor Schluss in Rücklage. Der Rückstand auf das zweitklassierte Vaduz beträgt einen Punkt. GC muss das Gastspiel gegen den FC Aarau wohl gewinnen, um die Chance auf die Barrage-Spiele und den Aufstieg in die Super League wahren zu können.

Interessant: In Wil waren rund 500 GC-Fans in der IGP Arena. Das war möglich, weil die Ostschweizer Tickets im öffentlichen Verkauf angeboten haben. Am Donnerstag im Brügglifeld wird das anders sein. Die 1000 Tickets werden ausschliesslich an die Mitglieder der verschiedenen Sponsorengruppen und an Inhaber von Saisonkarten des FC Aarau verteilt. Man kann davon ausgehen, dass fast keine GC-Fans im Brügglifeld sein werden. (ruku)