Handball

Beim TV Endingen ist in diesen Tagen nichts normal

Der TV Endingen spielt am Samstag gegen GC Amicitia. Normalerweise ein Gegner in Reichweite. Doch im Moment ist nicht vieles normal bei den Surbtalern. Obwohl noch vor kurzem alles so schön war

Alexander Wagner
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Der neue Kreisläufer Simon Wittlin muss sofort sehr viel Verantwortung übernehmen

Der neue Kreisläufer Simon Wittlin muss sofort sehr viel Verantwortung übernehmen

Alexander Wagner

Rückblick: Die Freude war gross, als nach vier erfolglosen Anläufen der Aufstieg in die Nationalliga A endlich geglückt war. Dass die Endinger im Oberhaus hartes Brot werden essen müssen, war zwar allen klar. Doch es kam viel schlimmer als befürchtet: Letztes Jahr stand das Team als erster NLB-Verein überhaupt im Schweizer Cupfinal. Diese Saison war bereits früh Schluss. Gegen den TV Möhlin, trainiert von Zoltan Cordas – der sieben Jahre in Endingen wirkte – verloren die Endinger nach Verlängerung.

Diese Niederlage hätte der Klub noch verschmerzen können, denn der Cupsieg wäre wohl ohnehin ein Traum geblieben. Aber in dieser Partie verletzte sich der Rückraumspieler Nemanja Sudzum schwer an der Schulter. Der serbische Shooter wird operiert und fällt monatelang aus. Glück im Unglück ist einzig, dass es den Linkshänder nicht an seiner Wurfhand traf. Sonst hätte dies womöglich gar das Karriereende bedeutet. Aber auch so wird der zuverlässige Torschütze das ganze Jahr fehlen.

Pejkovic auf dem Titelbild

Doch damit nicht genug der Sorgen. Bereits in der Vorbereitung plagte sich Kreisläufer Leonard Pejkovic mit einer Verletzung herum. Doch das slowenische Kraftpaket wurde wieder fit und die Endinger bauten auf ihn. So ziert er auch das Titelbild des Matchprogramms für die Partie am Samstag gegen GC Amicitia. Doch wie schnell – und gnadenlos – der Spitzensport sein kann, zeigt sich einmal mehr: Pejkovic zog sich im Training einen Mittelfussbruch zu, wurde diese Woche operiert und fällt ebenfalls mehrere Wochen aus. «Das gehört zum Geschäft und wir müssen damit leben. Leider», sagt Trainer Peter Szilagyi, der natürlich weiss, dass die Aufgabe jetzt nochmals um einiges erschwert wurde.

Mit GC Amicitia und Fortitudo Gossau gastieren in den nächsten Tagen die beiden Teams im Aargau, welche im Normalfall ungefähr in Reichweite der Endinger liegen. Im Gegensatz zu den Aargauern haben aber beide schon die ersten Zähler eingefahren: Gossau setzte sich auswärts in der Innerschweiz mit 25:22 gegen Kriens durch und die Zürcher gewannen mit 30:29 gegen St. Otmar St. Gallen. Dies mit der Hilfe eines Ex-Endingers: Florian Leitner, der das Handball-Abc im Surbtal lernte, steuerte drei Treffer zum ersten Sieg von GC Amicitia bei.

Mit Hochdruck auf der Suche

Umso wichtiger wäre ein Sieg für den TV Endingen am Samstag. Nur ist das nun eben nochmals schwieriger geworden. Natürlich versuchen die Team-Verantwortlichen, die entstandenen Lücken zu schliessen und nochmals auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. «Doch zu diesem Zeitpunkt in der Saison ist es schwierig, einen guten Linkshänder zu finden», sagt Trainer Szilagyi. Die Möglichkeiten in der Schweiz sind begrenzt.

«zu diesem Zeitpunkt in der Saison ist es schwierig, einen guten Linkshänder zu finden»

«zu diesem Zeitpunkt in der Saison ist es schwierig, einen guten Linkshänder zu finden»

Im Ausland gibt es zwar noch valable Kandidaten, doch die Endinger können nicht mit den dicken Geldbündeln winken. «Zudem müsste der neue Mann dann auch zwingend eine Verstärkung sein», betont Christian Villiger, der Geschäftsführer der Endinger Handball GmbH. Bereits diese Woche waren diverse Testspieler im Training. Diese müssen nicht nur auf dem Feld überzeugen, sondern auch menschlich in die Truppe passen.

Wittlin deutlich gefordert

In dieser heiklen Situation sind alle gefordert. Ganz besonders aber Simon Wittlin. Der Basler Kreisläufer kam erst auf diese Saison hin zu Endingen und wird nun noch deutlich mehr gefordert sein. «Ich bin sehr positiv überrascht von ihm. Er gibt wirklich immer alles», sagt Szilagyi über den Neuzugang, dem nun sehr schnell viel Verantwortung zukommt. «Simon ist auch menschlich absolut ein Gewinn», sagt Geschäftsführer Villiger.

Im Rückraum der Endinger wird vor allem Johnny Knecht zu noch mehr Einsatzzeit kommen. Er wird sich die Aufgabe mit Gal Adamcic und Captain Christian Riechsteiner teilen, um aus dem Rückraum für den nötigen Druck zu sorgen. Die Endinger sind gefordert. Aber sie haben in der Vergangenheit öfters bewiesen, dass sie gerade in schwierigen Situationen noch enger zusammenstehen.