Basketball
Der Schweizer NBA-Star Thabo Sefolosha geniesst das Leben nach der Karriere – und macht Halt in Zofingen

Thabo Sefolosha war der erste Schweizer, der in der NBA spielte. Nun ist er zurückgetreten. Der Waadtländer will sich vermehrt der Familie widmen – und seinem Sport in der Schweiz. Diese Woche war er auf Besuch in einem Basketballcamp in Zofingen.

Frederic Härri
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Thabo Sefolosha machte nach 14 Jahren in der NBA Schluss. Die Liebe zum Basketball, die bleibt.

Thabo Sefolosha machte nach 14 Jahren in der NBA Schluss. Die Liebe zum Basketball, die bleibt.

Fabio Baranzini

Das Smiley auf dem Shirt lächelt etwas gequält. Die Mundwinkel sind verzerrt, mit Macht nach oben gepresst. Es mag so gar nicht zum Träger des gelben Leibchens passen, in dessen ­Gesicht alles ungezwungen scheint, entspannt und gelöst. Die Bewegungen fügen sich ins Bild. Es ist mehr ein Schlurfen als ein Gehen, die Füsse heben sich kaum vom Boden ab. Fast so, als schwebe er mit federndem Gang über das Linoleum.

Minuten später wird Thabo Sefolosha einen Basketball zwischen die imposanten Handflächen nehmen und sich dem Treiben der jungen Nachwuchsspieler anschliessen. Von links nach rechts dribbelt er mit dem Ball zwischen den langen Beinen. Einmal blockt er einen Wurf, ohne sich anzustrengen. Dann dreht er sich um die eigene Achse und vollendet per Korbleger. Sefolo­sha, der ewige Arbeiter, entdeckt den Spieltrieb.

Das Thema Rücktritt will er nicht so eng sehen

Im März dieses Jahres hat der erste Schweizer, der es je in die NBA geschafft hat, den stillen Abgang von der grossen Basketballbühne gewählt. Die «NZZ» berichtete als Erstes vom Rücktritt des 37-Jährigen. Sefolosha möchte das in jener Endgültigkeit nicht ganz so stehen lassen, als er uns im Gespräch in einer Zofinger Turnhalle gegenübersitzt. «Offiziell habe ich noch nichts angekündigt», meint Sefolosha. «Ich habe seit einem Jahr nicht mehr professionell Basketball gespielt, sagen wir es so.» Man könnte es auch derart formulieren: Im Sommer 2020 hat Sefolosha seinen Vertrag bei den Houston Rockets aufgelöst und bei keinem neuen Verein unterschrieben.

Im Pick-up-Basketball in Zofingen zeigte Sefolosha den jungen Sportlern sein Können.

Im Pick-up-Basketball in Zofingen zeigte Sefolosha den jungen Sportlern sein Können.

Fabio Baranzini

Nun also ist Sefolosha zurück im Land, in dem alles begann. Er wolle involviert sein im Sport hierzulande, sagt er. «Ich will sehen, was der Basketball in der Schweiz zu bieten hat.» In Saint-Légier-La-Chiésaz oberhalb des Genfersees unterhält Sefolosha seit vielen Jahren ein eigenes Camp. Gerade findet es in der zweiten Woche statt, am Dienstag nimmt er sich «eine kleine Pause», wie er es nennt, und schaut beim Swiss Allstar Basketball Camp in Zofingen vorbei. «Jetzt habe ich Zeit für solche Dinge», sagt Sefolosha. Er wolle den Kindern Spass vermitteln, aufzeigen, dass der Sport von immensem Wert ist. Und wohl auch beweisen, dass die Liebe zum Basketball nie versiegt, auch nach der Karriere nicht.

In der Heimatstadt Vevey fühlt sich Sefolosha am wohlsten

Das Profidasein vermisst Sefolosha kaum. «Es fühlt sich gerade an, wie einmal tief Luft zu holen.» Sich ständig um Trainings zu sorgen, um Essgewohnheiten, um Leistung – es ist nicht mehr. Sefolosha mag das. «Ich geniesse das Leben.» Er wohnt jetzt wieder in Vevey, seiner Heimatstadt. Dort, wo er sich laut eigener Aussage am wohlsten fühlt. Der Waadtländer hat einige Geschäftsideen, mit seinem Bruder betätigt er sich im Immobilienbereich. Auch die Zusammenarbeit mit dem nationalen Basketballverband will Sefolosha ausweiten.

Thabo Sefolosha im Gespräch.

Thabo Sefolosha im Gespräch.

Fabio Baranzini

In seinen Tätigkeiten hat Sefolosha keine Eile, was nicht nur damit zu tun hat, dass er in seiner Karriere wahrlich mehr als genug Geld verdient hat. Er sagt: «Mein Fokus liegt darauf, Vater zu sein.» Sefolosha hat zwei junge Töchter, in diesen Monaten kommt das dritte Kind zur Welt. Auch wegen der Familie hat Sefolosha beschlossen, im Basketball kürzer zu treten und von den langen Mannschaftsreisen abzusehen, quer über das US-amerikanische Festland.

In den Vereinigten Staaten zu bleiben, nein, das sei für ihn keine Option gewesen. Bereits kurz nachdem er 2006 seine Karriere in der NBA bei den Chicago Bulls begann, habe er gewusst, dass er dereinst zurück in die Schweiz kommen werde. So richtig heimisch ist Sefolosha in den USA nie geworden. Nicht in Chicago, nicht in Oklahoma City, Atlanta, Salt Lake City oder Houston. ­Sefolosha sagt: «Die USA sind zu stark mit sich, mit Rassismus und der Schwere ihrer Vergangenheit beschäftigt.»

In den USA wurde Sefolosha zur ­Stimme gegen Rassismus

Sefolosha hat seine Erfahrungen gemacht. In der alltäglichen Welt ausserhalb der glitzernden Blase der besten Basketballliga, in welcher alles heile zu sein scheint – «peaches and cream», wie Sefolosha sagt. 2015 brachen ihm Polizisten nach einem Besuch in einem New Yorker Nachtclub bei einer Kontrolle ein Bein. Es war ein Fall von Polizeibrutalität, der rassistisch motiviert war. Sefolosha suchte den Weg nach vorn, gewann den folgenden Rechtsstreit, und tat sich auch nach dem Mord an George Floyd vor einem Jahr als öffentliche Stimme hervor, mit nuancierten und kritischen Meinungen. Den Begriff «Aktivist» lehnt Sefolosha nicht ab, auch wenn er sagt, dass er die Rolle nie gesucht habe. «Doch es wäre härter gewesen, einfach dazusitzen und nichts zu sagen.»

Von diesen Zeiten scheint in der Entspanntheit der Zofinger Turnhalle nicht mehr viel übrig. Nach der Einheit mit den Teenagern schlurft Sefolosha vom Court, so wie er ihn zuvor betreten hatte – mit sich und allem sonst im Reinen. Ob er sich für seine Kinder ebenfalls eine Laufbahn im Basketball wünscht? «Ich wünsche mir, dass meine Kinder glücklich sind und das tun, was ihnen gefällt.» Wenn das Basketball ist – hervorragend. Wenn nicht, auch gut.

Das Swiss Allstar Basketball Camp in Zofingen

Seit vielen Jahren findet in Zofingen das Swiss Allstar Basketball Camp statt, das grösste europäische Camp seiner Art für Mädchen und Knaben zwischen 8 und 19 Jahren. 1983 wurde das Camp von Maggie McCormack, ihrem Mann Charlie und Jon Ferguson ins Leben gerufen. Dieses Jahr stand erstmals Daniel Frey, der Ausbildungschef von Swiss Basketball, in Verantwortung für die Durchführung. Frey betreibt in Zofingen ein weiteres polysportives Camp für jüngere Kinder. Normalerweise nehmen am zweiwöchigen Camp rund 500 Kinder und Jugendliche aus Europa und den USA teil, dieses Jahr waren es (auch aufgrund der Einreisebestimmungen) rund die Hälfte. Das Camp ist bekannt für seine Stargäste: In seiner Geschichte waren zahlreiche NBA-Stars wie Clint Capela, Dirk Nowitzki, Nikola Vucevic oder Daniel Theis auf Besuch in der Turnhalle im Zofinger Dorfkern.

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