Snowboard

Auf dem Kopf hats noch Platz für Red Bull

Boardercross Die Einladung zu den X-Games war für Fabio Caduff wie ein Ritterschlag. Folgt an den WM im spanischen La Molina die Krönung?

Andreas Fretz
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Fabio Caduff startet an den Boardercross-WM in Spanien. keystone

Fabio Caduff startet an den Boardercross-WM in Spanien. keystone

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Noch ist der Werbefleck auf Fabio Caduffs Helm für die Firma seines Vaters reserviert. Noch... Denn mit der Einladung zu den prestigeträchtigen X-Games in Aspen (USA) dürfte sich der Marktwert des 25-Jährigen aus Anglikon markant erhöht haben. Für den Dorfmetzg oder den Schreiner aus dem Nachbarort dürfte der amerikanische Markt allerdings weniger interessant sein. «Wenn aber eine Firma wie Red Bull käme, würde ich sofort Platz auf meinem Helm machen», sagt Caduff.

Seit Vancouver 2010 im Fokus

Mit seinem 13.Platz bei den Olympischen Spielen in Vancouver hat sich der Freiämter Sportler des Jahres ins öffentliche Interesse gefahren. Zuvor war er bereits Neunter bei den Weltmeisterschaften 2009 geworden. Nun stehen die nächsten WM vor der Tür. Am Wochenende versammeln sich die besten Snowboarder in La Molina (Sp). Am 17. und 18. Januar stehen die
Boardercross-Wettbewerbe auf dem Programm. Caduffs Ziel: «Ich strebe keinen bestimmten Rang an. Ich will einfach meine Leistung abrufen, dann kommts schon gut.»

Sein Start in die Saison verlief harzig. «Die beiden 36. Plätze in Lech waren nach der harten Saisonvorbereitung eine Enttäuschung», sagt der dreifache Schweizer Meister. Doch der Lohn für die Schufterei folgte schon bald. Am 17. Dezember erreichte er mit dem 4. Platz in Telluride (USA) sein bestes Weltcup-Resultat. Ein Resultat, das Folgen hatte.

Kurz vor Weihnachten, Caduff war mit einem Teamkollegen in New York unterwegs, checkte er sein E-Mail-Konto. Im Eingang befand sich eine Einladung zu den X-Games in Aspen. Für die X-Games kann man sich nicht qualifizieren, zu den X-Games wird man eingeladen. Diese Einladung war wie ein Ritterschlag. «Es war das schönste Weihnachtsgeschenk», sagt Caduff. Die X-Games, eine Veranstaltung des US-Fernsehsenders ESPN, beginnen eine Woche nach den Weltmeisterschaften in La Molina. Für Caduff ist der Stellenwert der X-Games höher als jener der Weltmeisterschaften. «Aber über allem thronen die Olympischen Spiele, zumindest in unseren Breitengraden», sagt Caduff.

Als er in jungen Jahren noch von einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen träumte, wurde Caduff belächelt. «Heute belächelt mich niemand mehr», sagt der Polymechaniker, «ich werde ernst genommen, auch wenn ich selber nicht so ein ernster Typ bin.»

Caduffs Problem: Die Nervosität

Ernst gilt es bald in La Molina. Er sei gut in Form, sagt Caduff, «mindestens so gut wie vor Weihnachten. Ich habe nicht viel Kuchen und Guetzli gegessen.» Körperlich sei er «zwäger» als in früheren Jahren, «aber ich habe mich nicht neu erfunden». In den letzten Tagen hat sich das Schweizer Team in Nendaz auf die WM vorbereitet, heute erfolgt die Abreise nach Spanien. Mit dabei ist, wie schon bei den Olympischen Spielen, ein Mentaltrainer. Für Caduff eine wichtige Person: «Manchmal bin ich zu nervös, dann gelingt es mir nicht, mein Potenzial abzurufen.»

Glück spiele bei den oft turbulenten Rennen nicht unbedingt die entscheidende Rolle, glaubt Caduff, «viel wichtiger ist, dass man kein Pech hat». Ohne Pech, ohne Nervenflattern und mit der guten Form liegt in La Molina durchaus etwas drin. Folgt dem Ritterschlag sogar die Krönung? Spätestens dann müsste wohl Vaters Firma einem grösseren Sponsor auf dem Helm weichen. Und warum nicht Red Bull? Vielleicht verleiht allein der Gedanke daran Flügel.