Gleitschirmfliegen

Aargauer Gleitschirmpilot überflügelt die Konkurrenz: «Ich mache das nicht fürs Gewinnen»

Der Gleitschirmpilot Stephan Morgenthaler gewann den World Cup in Disingen überlegen. Bereits nach dem ersten Lauf lag der 42-Jährige in Front und liess sich diese Führung bis zum Schluss nicht mehr nehmen. Entscheidend für den Erfolg waren die Wetterbedingungen.

Nicolas Blust
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Stephan Morgenthaler gewinnt in Disentis
10 Bilder
Bei herrlichem Wetter startete das Training.
Die Piloten stürzen sich Richtung Tal.
Beim ersten Lauf war das Wetter bewölkt.
Trotzdem bot sich eine wunderschöne Aussicht.
In den weiteren Läufen verschwanden die Wolken.
Auch die Zuschauer dürften einen schönen Anblick genossen haben.
Man konnte spektakuläre Manöver beobachten.
Ankunft der Piloten im Ziel.
Stephan Morgenthal durfte sich über den Sieg freuen.

Stephan Morgenthaler gewinnt in Disentis

Aargauer Zeitung

Stephan Morgenthaler darf doch noch jubeln. Beim Paragliding World Cup in Disentis flog der 42-jährige Aargauer souverän zum Sieg. Zwei Wochen zuvor wurde ihm bei den Swiss Open in Fiesch, den Schweizermeisterschaften, noch fälschlicherweise der Pokal überreicht, da die Abschlussrangliste zuerst falsch berechnet wurde. Dieses Mal gab es keine Verwechslung. Zu eindeutig war der Sieg. Morgenthaler führte während der ganzen Woche das Klassement an. Dabei profitierte er von einem grossen Vorsprung, den er bereits im ersten Lauf herausflog. «Ein absoluter Glückstreffer», meint der 42-Jährige.

Bei schwierigen Bedingungen gelang es einzig dem späteren Sieger, das Ziel zu erreichen. «Alle anderen mussten früher landen», was für Morgenthaler eine komfortable Führung bedeutete. Dass er diesen nicht einfach verwalten konnte, liegt am Reglement: Da in Disentis vier Läufe, sogenannte Tasks, absolviert wurden, kann jeder Pilot seinen schlechtesten Lauf streichen. So musste der zweifache Gesamtweltcupsieger, der seit 1999 Wettkämpfe fliegt, bis zum Schluss abliefern.

Optimale Bedingungen: Das Wetter war entscheidend

Entscheidender Faktor für Morgenthalers Sieg waren aus seiner Sicht die meteorologischen Verhältnisse. «Es war schönes Wetter aber keine idealen Flugbedingungen», was für den Staffelbacher aber kein Nachteil war. «Es gefiel mir», resümiert der Aargauer. Bei diesen trickreichen Verhältnissen ist die Wahl des Flugkurses entscheidend. Diese gelang Stephan Morgenthaler souverän. «Ich habe eine Riesenfreude über den Sieg. Ich flog taktisch, kontrolliert, sicher und mit viel Glück. Im richtigen Moment bei der Thermik die richtige Entscheidung zu treffen war entscheidend», erklärte der Sieger nach dem Wettkampf.

Ein weiterer Faktor für den Sieg sei das Material gewesen. Auf diese Saison hin musste sich der 42-Jährige einen neuen Schirm kaufen. Da es kein neues Modell gab, setzte er auf Altbewährtes. «Ich kaufte mir wieder den gleichen Schirm, den ich bereits hatte, was sich als gute Entscheidung herausstellte.» Sowieso sei die Ausrüstung entscheidend, um mithalten zu können: «Ohne Topmaterial ist man nicht dabei.»

Beim einzigen internationalen Wettkampf des Jahres stand jedoch nicht nur der Sport im Vordergrund. Der World Cup in Disentis war auch eine Möglichkeit, Freunde und Bekannte wieder zu sehen. Ohnehin herrscht im Paragliding eine sehr familiäre Stimmung. «Die meisten kennt man», sagt Morgenthaler und es sei «immer cool, wenn man sich trifft.» Trotzdem war es eine ungewohnte Situation. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten sich die Piloten zwischen den einzelnen Teilabschnitten in vier verschiedenen Gruppen aufhalten, um ein erhöhtes Infektionsrisiko zu vermeiden. Zusätzlich konnten auch nicht alle Piloten die Reise in die Schweiz antreten. Die asiatischen und amerikanischen Vertreter waren allesamt nicht dabei. «Trotzdem war das Pilotenniveau dieses Jahr sehr hoch», meint der Staffelbacher. Sowieso sei Europa das Zentrum des Paraglidings, da von dort auch die meisten Piloten stammen.

Wie es für ihn weitergeht, kann Morgenthaler noch nicht sagen. Dieses Jahr seien noch Trainingsevents geplant, sonst habe er aber keine grossen Pläne. «Ich mache aber auf jeden Fall auch weiterhin internationale Wettkämpfe.» Vielleicht kann er sich dann auch nächstes Jahr wieder über einen Sieg im World Cup freuen. Entscheidend sei das aber nicht. «Ich mache es nicht fürs Gewinnen, mir gefällt es einfach mega.»