Basketball

Aaraus Dejan Hohler: Der ganz normale Ausnahmekönner

Der Slowene Dejan Hohler erweist sich für den BC Alte Kanti Aarau als Glücksgriff. Vor allem dank seinen Wurfqualitäten stehen die Aarauer in der NLB an der Tabellenspitze. Heute kommts gegen Vevey zum Spitzenspiel – und Hohler ist bereit.

Fabio Baranzini
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Denker und Lenker im Aarauer Team: Dejan Hohler (am Ball).

Denker und Lenker im Aarauer Team: Dejan Hohler (am Ball).

Seit seinem ersten Auftritt in der Telli ist Dejan Hohler der neue Star des NLB-Meisters. Der Slowene ist der Denker und Lenker des Aarauer Spiels und hat sich mit seiner attraktiven Spielweise längst in die Herzen des Publikums gespielt. Wenn Speaker Kevin Dennis Müri den Spieler mit der Nummer 33 ausruft, wird der Applaus hörbar lauter. Auch von seinen Teamkollegen wird «Dr. Basketball», wie Dejan Hohler aufgrund seiner chirurgisch präzisen Pässe genannt wird, mit Lob überschüttet. Ein Blick auf die Statistik zeigt eindrücklich warum: Hohler ist der beste Werfer und Vorbereiter der Liga, fängt am meisten Pässe ab und provoziert die meisten Fouls.

Doch wer ist der neue Mann im Dress des BC AKA, der wesentlichen Anteil daran hat, dass die Aarauer vor der letzten Partie der Hinrunde (siehe Box) auf Platz eins stehen?

Unauffällig gekleidet in Jeans, Kapuzenpulli und Winterjacke erscheint Dejan Hohler fünf Minuten vor der vereinbarten Zeit zum Gespräch in der «Krone» im Herzen der Aarauer Altstadt. Ein kurzes, fast schüchternes Lächeln huscht über sein Gesicht. «Hey», sagt er und reicht die Hand. Für einen Basketballer gehört Hohler mit seinen 1,87 Metern nicht zu den Grössten. Er ist athletisch, aber kein Muskelpaket. Nichts deutet auf die grossen basketballerischen Fähigkeiten des 26-Jährigen hin. Er wirkt viel eher wie ein ganz normaler Mittzwanziger – ein Erscheinungsbild, das zum bescheidenen Teamplayer Dejan Hohler passt.

Auch wenn er zum besten Spieler der Partie gewählt wird oder am meisten Punkte geworfen hat; sein Dank geht immer zuerst ans Team. Über seine eigene Leistung spricht er nur ungern. «Ohne meine Mannschaftskollegen könnte ich nicht so gut spielen», ist er sich bewusst. Auf dem Platz ist Hohler dennoch der unbestrittene Leader, der seine Mitspieler antreibt und in engen Situationen die Entscheidung herbeiführen kann. «Das ist meine Aufgabe. Dafür hat mich der Verein verpflichtet», meint er nüchtern, als wäre es die einfachste Sache der Welt.

Aufgewachsen ist Hohler in Zrece, einem 2000-Seelen-Dorf in der Nähe von Maribor. Die Karriere von Hohler verlief erfolgreich. Mit der U20-Auswahl Sloweniens holte er 2006 EM-Bronze, spielte als Profi in den höchsten Ligen in Slowenien, Kroatien und Griechenland und konnte gar in der Euroleague – das Pendant zur Champions League im Fussball – auflaufen. Wie «verirrt» sich ein Spieler dieses Formats, der in Europas Topligen vor mehreren tausend Zuschauern gespielt hat, in die zweithöchste Schweizer Spielklasse?

«Ein Freund, der für Lugano spielte, empfahl mir die Schweiz. Ich tätigte einige Anrufe und stiess schliesslich im Juli auf Aarau», erzählt er. Nach intensiven Gesprächen mit Trainer Milenko Tomic und Teammanager Gregor Konda, wie Hohler ebenfalls Slowene, unterschrieb er im August beim NLB-Meister. Ein Entscheid, den er nicht bereut. «Das Team und das Umfeld sind super», schwärmt er.

Doch was für Dejan Hohler, der in seiner Karriere schon viel umherkam, noch wichtiger ist: Er fühlt sich zum ersten Mal zu Hause. «Das Team ist wie eine Familie für mich. Alle helfen mir, auch ausserhalb des Spielfeldes. Zudem gefällt mir Aarau sehr», erzählt Hohler, der in der Telli wohnt und intensiv Deutsch lernt. Auch seine Freundin Ivana will nächstes Jahr nach Aarau ziehen. Vieles deutet also darauf hin, dass der 26-Jährige trotz des tieferen Spielniveaus und des geringeren Salärs länger beim BC AKA bleiben wird. «Wir haben ein junges Team mit viel Potenzial. Zusammen mit den Fans können wir in Aarau viel erreichen», ist Hohler überzeugt.