NLA-Handball

14 Stunden für den HSC: So sah der Arbeitstag von Physiotherapeut Marino Schmid beim 29:22-Sieg gegen Basel aus

Marino Schmid ist Physiotherapeut und betreut in dieser Funktion den HSC Suhr Aarau – die «Schweiz am Wochenende» hat den 28-jährigen Fricktaler rund um den 29:22-Auswärtssieg beim RTV Basel vom Mittwoch, 29. Januar, den ganzen Tag lang hautnah begleitet.

Dean Fuss
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HSC-Physiotherapeut Marino Schmid
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Marino Schmid behandelt eine Patientin mit einem neuen künstlichen Kniegelenk.
Auch das gehört dazu: Marino Schmid macht das «Büro» und trägt in den Akten seiner Patienten Informationen nach.
Am Patienten fühlt sich Marino Schmid deutlich wohler als vor dem Computer-Bildschirm.
Marino Schmid bereitet die Deckel der Getränkeflaschen des HSC in der teilweise zur Physiotherapie-Praxis umfunktionierten Dusche vor.
Hat bei ihm Tradition: Marino Schmid bereitet den Spielern vor Beginn der Partie immer Getränke im Becher zu, sorgfältig drapiert auf einem seiner beiden HSC-Frottiertücher.
Viel mehr als nur ein Wasserträger: Marino Schmid kümmert sich rund um die Partie um die Getränke der Spieler.
Marino Schmid (M.) freut sich zusammen mit Torhüter Leo Grazioli (r.) und Jonas Kalt über einen Treffer seines HSC Suhr Aarau.
Physio Marino Schmid (l.) klatscht mit Co-Captain und Torhüter Dario Ferrante (r.) ab.
Was er dem Torhüter-Team hier wohl im Internet herausgesucht hat? Physio Marino Schmid (l.) bespricht sich mit Torhütertrainer Milos Cuckovic (M.) und Torhüter Leo Grazioli.
Physio Marino Schmid (2. von rechts) freut sich über einen Treffer des HSC Suhr Aarau.
Marino Schmid (r.) sammelt, unterstützt von Co-Captain und Torhüter Dario ­Ferrante, die Trinkflaschen des Teams ein – eine weitere der zahlreichen Aufgaben des Physios beim HSC Suhr Aarau.
Marino Schmid (l.) behandelt Torhüter Dragan Marjanac in der Pause wegen Schmerzen im Rücken.
Nach der Partie behandelt Physio Marino Schmid (l.) HSC-Torhüter Dragan Marjanac in der teilweise zur Physio-Praxis umfunktionierten Dusche.

HSC-Physiotherapeut Marino Schmid

Dean Fuss

Dragan Marjanac hievt sich ächzend auf die mobile Massageliege. Der Torhüter des HSC Suhr Aarau hat Schmerzen im Rücken muss sich in der Pause von Physiotherapeut Marino Schmid kurz behandeln lassen.

Wir befinden uns in der zweiräumigen HSC-Kabine im Basler Rankhof. Die Gäste aus dem Aargau führen beim RTV mit 17:9. Schmid knetet Marjanacs Rumpf, dann geht es für den Serben mit einem aufmunternden Klaps zurück zum Team.

Für Schmid geht es weiter zu den Toiletten. Dort füllt der 28-jährige Fricktaler die Trinkflaschen des Teams, jede mit Name und Nummer des entsprechenden Spielers versehen, auf. Pünktlich zum Beginn der zweiten Halbzeit ist er zurück auf der Bank.

Termine im Halbstundentakt

Zwölf Stunden zuvor treffen wir ihn in Frick. Schmid, stilecht bekleidet mit Joggingschuhen, Trainerhose, T-Shirt und Jacke, macht sich gerade auf nach Buchs. Dort beginnt um zehn Uhr sein Arbeitstag in der Physiotherapie Mitteldorf mit dem ersten Patienten. Bis 15.30 Uhr behandelt Schmid im Halbstundentakt umgeknickte Fussgelenke, unlängst operierte Knie, schmerzende Rücken, Nacken und Schultern.

Das Patientenraster erstreckt sich von Kindern und Jugendlichen bis hin zu Seniorinnen. «Dieser Mix macht es für mich aus. Ich kann mich hier gut entwickeln», sagt Schmid.

Dieser Mix macht es für mich aus. Ich kann mich hier gut entwickeln.

(Quelle: Marino Schmid, Physiotherapeut HSC Suhr Aarau)

Durch seine offene Art findet er jeweils schnell einen Draht zu seinen Patientinnen und Patienten. Mit der Seniorin spricht er über die Ferien, mit dem Taxifahrer übers Geschäft und mit dem Nachwuchs-Handballer wird gefachsimpelt.

Berührungsängste kennt Schmid keine. Sein Job ist vielseitig und abwechslungsreich. Einzige Konstante: der Halbstundentakt. 30 Minuten dauert der Standard-Termin beim Physiotherapeuten, ebenso lange dauert Schmids Mittagspause. Auch den Papierkram erledigt er innert einer halben Stunde.

Normalerweise geschieht das irgendwann zwischendurch, aber an diesem Tag hat ein Patient kurzfristig seinen Termin abgesagt. Der Papierkram ist der Teil des Jobs, der ihm am wenigsten liegt, im Rahmen seiner 90-Prozent-Anstellung aber auch am wenigsten Raum einnimmt.

In meiner momentanen Lebensphase ist das genau das richtige.

(Quelle: Marino Schmid, Physiotherapeut HSC Suhr Aarau)

Ein Drittel von Schmids Pensum ist als Sponsoring seines Arbeitgebers für den HSC reserviert. Das umfasst sowohl die Matchtage als auch Trainingspräsenz am Montag, Mittwoch und Donnerstag. «In meiner momentanen Lebensphase ist das genau das richtige», sagt Schmid. Als Kind habe er davon gesprochen, Pilot, Meeresbiologe oder Physiotherapeut zu werden.

Auch der Physiotherapeut hat im Mannschaftscar seinen fixen Platz

Ab 16 Uhr und nach insgesamt acht behandelten Patientinnen und Patienten steht der HSC im Fokus seiner Aufmerksamkeit. Schmid, der beim Drittligisten Frick Handball spielt, bereitet in der Praxis sein Material vor.

Eine Stunde später trifft er in Suhr bei der HSC-Trainingshalle ein. Nach einem kurzen Briefing durch Trainer Misha Kaufmann wird der Mannschaftscar beladen. Wie jeder Spieler hat auch Schmid seinen fixen Platz. Kaum eingestiegen verzehrt er die zuvor in der Praxis vorbereiteten Sandwiches.

Auch die mitgereisten Verletzten werden behandelt

Knapp zwei Stunden vor Anpfiff kommt der HSC-Tross in Basel an. Schmid stellt seine Massageliege in der grosszügigen Dusche auf, bereitet isotonische Getränke und Wasser vor. Nach und nach kommt der eine oder andere Spieler bei ihm vorbei, lässt sich tapen oder massieren.

Während des Einspielens werden die mitgereisten Verletzten gepflegt. Während der Partie feuert Schmid seine Mannschaft inbrünstig an, enerviert sich bei Schiedsrichterentscheiden, leidet mit.

Das Rampenlicht gehört den Spielern

Während die Mannschaft nach der Schlusssirene den 29:22-Sieg feiert, räumt Schmid die Trinkflaschen auf. Erst danach klatscht er mit dem Team ab. Als Physiotherapeut steht er selten bis gar nie im Rampenlicht.

«Das stört mich überhaupt nicht. Spieler und Verein wissen unsere Arbeit sehr zu schätzen. Jeder im Team hat seinen Job, erst das macht das Ganze möglich», sagt Schmid, der mit vier Geschwistern aufgewachsen ist und den Teamgedanken deshalb seit frühester Kindheit mit auf den Weg bekommen hat.

Dann packt Schmid seine Siebensachen zusammen. Die Liege bleibt für den letzten Patienten stehen; Torhüter Marjanac hat sich noch einmal angekündigt.

Nach 14-Stunden-Arbeitstag kann Schmid nicht gleich einschlafen

Um 23 Uhr fährt der Mannschaftscar in Basel wieder Richtung Suhr. Kurz vor halb ein Uhr nachts ist Schmid schliesslich zurück in seiner Wohnung in Frick. Schlafen kann er jetzt noch nicht, dafür ist er nach den Partien zu aufgewühlt. Um nach dem fast 14-stündigen Arbeitstag zur Ruhe zu kommen, vertieft er sich in ein Buch.

Heute Samstag erwartet Schmid kein solcher Monsterarbeitstag. Erster Fixtermin rund um die Auswärtspartie des HSC bei GC Amicitia (Anpfiff: 18 Uhr) in der Zürcher Saalsporthalle ist das Taschenpacken in der Praxis rund eine halbe Stunde vor der Besammlung der Mannschaft. Normale Patiententermine hat er am Wochenende keine. Diesmal also «nur» sieben Stunden für den HSC.