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4:1 gegen Rumänien - das magische Spiel von Detroit

Es gibt Tore, die sich mit einer erstaunlichen Kraft ins kollektive Gedächtnis der Fussballfans einbrennen. Weil sie eine Partie entscheiden. Weil sie nach einem wunderbaren Dribbling fallen.
Jürg Ackermann

Es gibt Tore, die sich mit einer erstaunlichen Kraft ins kollektive Gedächtnis der Fussballfans einbrennen. Weil sie eine Partie entscheiden. Weil sie nach einem wunderbaren Dribbling fallen. Oder weil sie in ihrer Entstehung so aussergewöhnlich sind, dass die Erinnerung daran einfach nicht verblasst. Dieser Treffer im Spiel gegen Rumänien 1994 in Detroit hat von allem etwas: Ciriaco Sforza schnappt sich in der eigenen Platzhälfte den Ball, dann sprintet er über das halbe Feld, ehe er mit einem Querpass Adrian Knupp bedient, der den Ball mit einem Flachschuss ins Tor spediert. Es ist das wegweisende dritte Tor zum 4:1-Sieg gegen Rumänien, das der Schweizer Nationalmannschaft vorzeitig die Qualifikation fürs Achtelfinal an der WM in den USA sichert. Nach 28 Jahren zum ersten Mal überhaupt wieder an einer Endrunde dabei, löst der Sieg von Detroit Jubelstürme aus. Die Zeitungen übertreffen sich mit Lobeshymnen. «Die Schweizer haben Fussball gespielt, dass einem der Atem stockte», schreibt die NZZ. Und selbst die linke WOZ jubelt: «Thank you Hodgson! Merci Chapuisat! Lang lebe Georges Bregy! Lang lebe die Schweiz!»

Der Fussball wird salonfähig

Fast überall zwischen Boden- und Genfersee kommt es in dieser Nacht vom 22. auf den 23. Juni zu spontanen Strassenfeiern. Wildfremde Menschen umarmen sich oder spielen sich den Ball zu, weil sie Alain Sutters Dribblings, Knups Kopfbälle oder Georges Bregys präzise Freistösse und Flanken imitieren wollen. Gerade auch in Kreisen, die sich zuvor kaum für Fussball interessierten, ist die Euphorie gross. Spätestens mit dem Sieg gegen Rumänien verliert der Fussball auch bei vielen Intellektuellen hierzulande die Anrüchigkeit. Galt das «Gekicke» lange als «Opium der Massen», wird der Fussball zunehmend auch unter Professoren und Studenten salonfähig. Vorbei die Zeiten, als diese heimlich aus der WG schleichen mussten, um in einer Beiz «zufällig» ein Spiel zu sehen. Der Sinneswandel lässt sich begründen: Der Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus fegt viele gesellschaftliche Utopien weg. Die Leerstellen werden teils mit populären Phänomenen wie Fussball gefüllt. Das Spiel mit dem Ball lenkt nun nicht mehr von wichtigeren Dingen wie dem Einsatz für eine gerechtere Welt ab, sondern wird als völkerverbindendes Fest zelebriert, zunehmend auch von Frauen.

Sutters gebrochene Zehe

Die WM 1994 bildet so etwas wie den Startschuss für das Aufkommen von Fussball-Bars und später auch Public-Viewing-Happenings, die sich während Endrunden bald flächendeckend ausbreiten – auch wenn an der WM in den USA auf den Sieg gegen Rumänien schnell die Ernüchterung folgt. Im Achtelfinal gegen Spanien geht das Team von Trainer Roy Hodgson ohne den schmerzlich vermissten Alain Sutter (gebrochene Zehe) 0:3 unter. Doch der Erfolg gegen Rumänien, das damals mit Stars wie Georghe Hagi zu den besten Teams der Welt zählt, hallt nach: Er verhilft dem Fussball in der Schweiz zu einem zusätzlichen Popularitätsschub und schraubt die Erwartungen hoch. Zu hoch, wie sich bald zeigen wird. Das Nationalteam qualifiziert sich bis zur Ära von Trainer Köbi Kuhn nur noch einmal für eine Endrunde (1996 für die EM in England), muss dort aber mit nur einem Punkt in drei Spielen vorzeitig wieder nach Hause reisen.

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