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29:27-Sieg: Kriens schafft es mit einer Achterbahnfahrt auf Platz eins

Die NLA-Handballer von Kriens-Luzern gewinnen den Spitzenkampf in St. Gallen mit 29:27, machen es aber unnötig spannend.

Stephan Santschi
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Kriens-Luzern-Coach Goran Perkovac muss lange zittern.

Kriens-Luzern-Coach Goran Perkovac muss lange zittern.

Bild: Alexander Wagner

Die Schlussphase bot das, was dieser Spitzenkampf im Vorfeld versprochen hatte. Beim Stand von 27:27 ging es in die letzte Minute, dann traf der Krienser Jernej Papez aus dem Rückraum zur Führung. Noch blieb den St. Gallern aber etwas Zeit, um wenigstens einen Punkt in ihrer Halle zu behalten. Sollte der Krienser Goalie zum Helden avancieren? Oder erzwingt ein Angreifer des Gastgebers doch noch den Ausgleich?

Keines von beidem, vielmehr mündete die entscheidende Szene in einen Zweikampf um den Ball, der nach einem Abpraller frei auf dem Boden lag. Filip Gavranovic gewann diesen Sprint gegen den St. Galler Severin Kaiser um den Bruchteil einer Sekunde. Der Kroate in Krienser Diensten ballte siegessicher die Faust und nutzte schliesslich auf der Gegenseite auch noch den finalen Vorstoss zum 29:27-Schlussergebnis. «Wir haben den Sieg fast aus der Hand gegeben, am Ende bewahrten wir aber doch einen kühlen Kopf. Deshalb mache ich meiner Mannschaft ein riesiges Kompliment», freute sich Trainer Goran Perkovac über den Erfolg, der sein Team vorübergehend wieder auf Platz eins der NLA-Tabelle spediert.

Kriens-Luzern gibt klare Führung aus der Hand

Perkovac sprach es an: So spannend hätte es sein Team nicht mehr machen müssen. Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit (15:15) kamen die Zentralschweizer viel präsenter aus der Kabine. Die Deckung agierte resolut, Goalie Paul Bar parierte solid, die Offensive unter der Regie des starken Janus Lapajne kreierte und verwertete ihre Schachzüge effizient. Die Ostschweizer gerieten völlig aus dem Tritt, auch der zuletzt überragend agierende Nationaltorhüter Aurel Bringolf war wirkungslos, nach 42 Minuten führte Kriens-Luzern scheinbar sicher mit 24:19. «Alle waren bis dahin stark», sagte Perkovac.

Dann aber überliess Bringolf den Platz zwischen den Pfosten seinem Stellvertreter Jonas Kindler und der sollte der Partie fortan nochmals neue Akzente verleihen. Auf fahrlässige, fast stümperhafte Weise verschossen die Krienser nun gute bis beste Chancen, während den nächsten 13 Minuten gelang ihnen nur ein weiteres Tor. St. Gallen mit dem überragenden Torschützenleader Andrija Pendic schaffte so bis zur 57. Minute wieder den Ausgleich (26:26). «Wir vergaben mehrere 100-prozentige Möglichkeiten, uns fehlte der Killerinstinkt und hinten kassierten wir auch noch zwei 2-Minuten-Strafen», monierte Perkovac.

St. Otmar verliert nach einem Jahr wieder zu Hause

Bemerkenswert aber war: Kriens-Luzern stemmte sich gegen den Abwärtstrend, erledigte die Arbeit in der Defensive weiterhin resolut und erkämpfte sich durch Lapajne und Papez schliesslich jene Tore, die St. Gallen die erste Heimniederlage seit einem Jahr zufügten.

St. Otmar – Kriens Luzern 27:29 (15:15)
Kreuzbleiche. – 8 Zuschauer. – SR Castiñeiras/Zwahlen. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen St. Otmar, 5-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.
St. Otmar SG: Bringolf/Kindler; Fricker (6), Jurca (3), Pendic (11/1), Maros (2), Kaiser (3), Wetzel (2), Wüstner; Jurilj, Geisser.
Kriens-Luzern: Bar; Wanner (3), Papez (4), Lapajne (8/2), Rellstab (1), Schlumpf (4), Gavranovic (6), Lavric; Delchiappo, Piroch, Oertli (2), Blättler (1).
Bemerkungen: St. Otmar St. Gallen ohne Höning, Kriens-Luzern ohne Harbuz (beide verletzt).