2,5 Milliarden Franken in acht Jahren: Wie sich Manchester United und Paris St-Germain den Erfolg erkaufen

Im Achtelfinal der Champions League messen sich am Dienstagabend um 21  Uhr Paris St-Germain und Manchester United. Seit Jahren geben die beiden Vereine Unsummen für neue Spieler aus – doch das grosse Ziel blieb unerreicht.

Sergio Dudli
Drucken
Teilen
Romelu Lukaku steht bei acht Toren nach 23 Spielen in der Premier League. (Bild: AP)

Romelu Lukaku steht bei acht Toren nach 23 Spielen in der Premier League. (Bild: AP)

Sie lachen wieder bei Manchester United. Die frostigen Zeiten unter der Regentschaft von Jose Mourinho? Vergessen. Die Lustlosigkeit der Spieler? Verschwunden. Der Wandel zum Guten beim englischen Rekordmeister ist eng mit einem Namen verknüpft: Ole Gunnar Solskjaer. Seit der Norweger an der Seitenlinie steht, schwimmt der Club auf einer Welle des Erfolgs und der Euphorie. In den elf Partien unter dem Interimstrainer blieb das Team unbesiegt. «In nur acht Wochen ist es Solskjaer gelungen, die toxische Atmosphäre von Mourinhos letzten Monaten auszumerzen. Er steht für den Neustart», schrieb die «BBC».

Ein Trio des Scheiterns

Manchester United kommt aus Jahren der Irrungen und Wirrungen. Seit dem letzten Meistertitel und dem Rücktritt von Kulttrainer Sir Alex Ferguson im Sommer 2013 ist der Verein auf der Suche nach seiner eigenen Identität. David Moyes, Louis van Gaal, Jose Mourinho – sie alle durften sich als Erbe Fergusons versuchen. Sie alle scheiterten. Dass die Engländer seit dem Rücktritt des Schotten Ferguson nie zur Ruhe gekommen sind, zeigt der Blick auf die Transferausgaben (siehe Grafik). Seit der Niederländer van Gaal zu Beginn der Saison 2014/2015 sein Amt antrat, investierte der Club über 900 Millionen Franken. Mit Ausnahme des vergangenen Sommers gab Manchester United jedes Jahr mehr als 150 Millionen für Spieler aus. So kam beispielsweise Paul Pogba für 115 Millionen und Romelu Lukaku für rund 97 Millionen Franken.

Die horrenden Summen symbolisieren den Versuch, den Verein zurück in die Spur zu führen. Doch die vielen Mutationen im Kader brachten weder Erfolg noch Identität. Seit dem Ende der Ferguson-Ära beendete der Club die Saisons auf folgenden Rängen: 7, 5, 4, 6, 2. Es sind schwer zu verdauende Zahlen für einen Verein, der in den Jahren des Erfolgs vergessen hatte, wie sich Niederlagen anfühlen. Dass gleichzeitig mit dem eigenen Niedergang der Aufstieg Manchester Citys begann, tat sein Übriges. Auch der grosse Rivale gab viel Geld aus, doch investierte er dieses besser und mit mehr Weitsicht. Eine schmerzliche Erkenntnis für die United-Fans, welche die «noisy neighbours», die nervigen Nachbarn, lange nur belächelten.

Zwei Spieler für 400 Millionen Franken

Es gibt nicht viele Clubs, die in den vergangenen Jahren mehr Geld investierten als die Vereine aus Manchester. Einer davon ist Paris St-Germain. Im Sommer 2011 stieg eine katarische Investmentgruppe bei den Franzosen ein. Seither gab der Verein aus der Hauptstadt 1,32 Milliarden Franken aus. Im selben Zeitraum legte Manchester United 1,18 Milliarden für Transfers auf den Tisch. Für Paris St-Germain waren die katarischen Millionen genug, um den Anschluss an die europäische Spitze zu schaffen. Die Kaufwut der Pariser hatte zur Folge, dass die Transfersummen explodiert sind. So gehen die teuersten Wechsel auf ihr Konto: Im Sommer 2017 sicherte sich der Club für 250 Millionen Franken die Dienste des derzeit verletzten Neymars, ein Jahr später kam Kylian Mbappé für rund 155 Millionen.

Seit dem Einstieg der Katari 2011 gewannen die Pariser fünf Meistertitel. Doch die nationale Ebene ist für die international denkenden Investoren eine zu kleine Bühne. Die Strahlkraft der französischen Liga ist bescheiden, deren Vermarktung in den zahlungskräftigen Ländern im Nahen und Fernen Osten kein leichtes Unterfangen. Die Champions League hingegen ist Zugpferd und Türöffner zugleich. Ein Triumph würde Paris St-Germain sportlich und finanziell in neue Sphären heben.

Roma gegen Porto

Im zweiten Spiel vom Dienstag stehen sich die AS Roma und der FC Porto gegenüber. Die Römer erleben bisher eine schwierige Saison, was Trainer Eusebio Di Francesco in seiner Position geschwächt hat. Der 49-Jährige könnte einen Erfolg in der Champions League gegen den Leader der portugiesischen Meisterschaft gut gebrauchen. In der vergangenen Saison hatte er seine Mannschaft mit Siegen gegen Schachtar Donezk und den FC Barcelona bis in den Halbfinal geführt. (sda)

Doch trotz Investitionen von über eine Milliarde Franken ist es den Franzosen noch nie gelungen, über die Viertelfinals in der Champions League hinauszukommen. Am Dienstag gastieren die Pariser also in Manchester. Es ist ein Vergleich zweier Teams, die in den vergangenen Jahren mit Geld um sich geworfen haben. Für eine der beiden Mannschaften wird der Traum einmal mehr frühzeitig platzen. Geld hin oder her.

Der Solskjaer-Effekt wird zur Erfolgsgeschichte

Seit Ole Gunnar Solskjaer am 21. Dezember das Szepter von José Mourinho übernommen hat, scheint Manchester United unbesiegbar zu sein. Das 3:0 bei Fulham ist der 8. Sieg im 9. Premier-League-Spiel.