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21 Athleten in Blutdoping-Skandal verwickelt

Der Blutdoping-Skandal um einen deutschen Arzt aus Erfurt hat grössere Ausmasse als zunächst bekannt war. Nach aktuellem Stand sind 21 Athleten aus aus fünf Sportarten und acht europäischen Ländern involviert.
Dominik Baldauf im Februar 2019, bei der Qualifikation zum Team-Sprint der Herren an den Nordischen Weltmeisterschaften in Seefeld. (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Dominik Baldauf im Februar 2019, bei der Qualifikation zum Team-Sprint der Herren an den Nordischen Weltmeisterschaften in Seefeld. (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

(sda/apa)

Bekannt sind bisher neun Aktive als Kunden des Arztes aus dem Langlauf, unter ihnen die während der WM in Seefeld überführten Österreicher Max Hauke und Dominik Baldauf, und aus dem Radsport deren Landsleute Stefan Denifl und Georg Preidler. Ein Kasache hat sein Geständnis mittlerweile widerrufen. Oberstaatsanwalt Kai Gräber nannte bei einem Medientermin in München eine dreistellige Zahl von Entnahmen und Rückführungen von Eigenblut, die «weltweit» stattgefunden hätten.

So seien zwei Mitarbeiter aus dem Netzwerk des Arztes - sie erhielten pro Tag eine Aufwandsentschädigung von je 200 Euro - zu diesem Zweck bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang und auf Hawaii gewesen. Weder zu weiteren Namen noch zu den betroffenen Sportarten machte Gräber aus ermittlungstaktischen Gründen genaue Angaben. Dass es sich bei den zwei Sommersportarten um Radsport und angesichts des Schauplatzes Hawaii um Triathlon handelt, bestätigte der Staatsanwalt indirekt.

Der Arzt, der früher im Radsport aktiv gewesen ist, hat gemäss den Ermittlungen der vor zehn Jahren gegründeten Schwerpunktstaatsanwaltschaft München I für Dopingvergehen im Sport seit Ende 2011 an Profisportlern Blutdoping betrieben. Der Mediziner mit Praxis in Erfurt und vier seiner Helfer befinden sich in Untersuchungshaft. Nach dem Arzt und einem Mann in Erfurt sowie einer Frau und einem bereits von Österreich an Deutschland ausgelieferten Mann wurde laut Gräber am Montag eine fünfte Person aus dem Netzwerk festgenommen. Der 38-jährige Deutsche habe Blutbeutel transportiert und ohne medizinische Ausbildung Blutdoping an anderen durchgeführt.

Dem Arzt drohen zwischen einem und zehn Jahren Haft, sagte Gräber. «Ich bin sehr sicher, dass es ohne Strafverfolgungsbehörden nicht geklappt hätte, den Mann zu überführen.» Die den Behörden bekannten 21 Namen stammen nicht nur vom Arzt, sondern auch aus anderen Quellen. «Es sind auch Athleten im Fokus, von denen wir keine Blutbeutel gefunden haben», erklärte Gräber.

Bei den Ermittlungen (Abhören von Telefonen, Überwachung von Personen und Gebäuden) war laut Gräber das Zollfahndungsamt München mit Sitz in Lindau federführend. Die Zusammenarbeit mit den österreichischen Behörden, die Razzien während der Nordischen Ski-WM in Seefeld am 27. Februar vorgenommen hatten, habe hervorragend geklappt.

Bei der «Operation Aderlass» in Seefeld hatten die festgenommenen Langläufer Hauke und Baldauf Blutdoping gestanden. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine TV-Dokumentation der ARD über den österreichischen Langläufer Johannes Dürr, der angegeben hatte, auch auf deutschem Gebiet Eigenblutdoping betrieben zu haben.

In Erfurt wurden in einem Verschlag in einer Garage Kühlschränke und ein spezieller Tiefkühlschrank für Temperaturen bis minus 80 Grad aufgefunden. Einen Kühlschrank und eine Blutzentrifuge, die in einer Wohnung in Erfurt sichergestellt wurde, habe Mark S. laut Gräber «von einem zuvor in Österreich verurteilten Mann» für 50'000 Euro gekauft. 2018 habe Mark S. laut Gräber auch noch eine neue Zentrifuge gekauft. Neben Gerätschaften für das Blutdoping seien auch Wachstumshormon sowie weitere vorerst nicht identifizierte Präparate gefunden worden.

Für seine Dienste hat der Arzt laut Staatsanwalt zwischen 4000 und 12'000 Euro pro Saison verlangt. Das ergibt nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 100'000 Euro pro Saison.

Laut Gräber wurden 40 bis 50 Blutbeutel sichergestellt. Er gehe davon aus, dass diese auch ohne DNA-Abgleich zugeordnet werden können. Der DNA-Abgleich diene dann als Bestätigung. Alle gefundenen Gegenstände würden aktuell kriminaltechnisch untersucht. Mit Ergebnissen wie der Nennung weiterer Namen sei in den nächsten Tagen nicht zu rechnen.

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