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17 MEDAILLEN: Russland jubelt sich Olympia schön

Medien und Offizielle in Moskau machen die Ergebnisse der russischen Athleten an den Olympischen Winterspielen in Südkorea besser, als sie sind. Und sie lassen durchblicken, dass für Russland das Thema Staatsdoping bereits vergessen ist.
Stefan Scholl, Moskau
Erst am letzten Olympiatag gibt es für Russland in Südkorea die zweite Goldmedaille: Das Eishockeynationalteam bezwingt im Final Deutschland. (Bild: Jae C. Hong/AP)

Erst am letzten Olympiatag gibt es für Russland in Südkorea die zweite Goldmedaille: Das Eishockeynationalteam bezwingt im Final Deutschland. (Bild: Jae C. Hong/AP)

Stefan Scholl, Moskau

Hinterher meldete sich auch Wladimir Putin: Er gratulierte dem Trainer des russischen Eishockeynationalteams, Oleg Snarok, unmittelbar nach dem Zittersieg im olympischen Final gegen Deutschland, am Telefon. «Das war sehr angenehm», freute sich Snarok. «Wir dienen Russland.» Ende gut, alles gut. Die russische Öffentlichkeit feiert nicht nur die Eishockeyspieler und ihre Goldmedaillen, sondern das gesamte Olympiateam von Pyeongchang. «Dieses Gold bedeutet, dass wir die Olympischen Spiele gewonnen haben», verkündete Jelena Wjalbe, die Präsidentin des russischen Skilanglaufverbandes.

«Die erfolgreichsten Olympischen Spiele in der Geschichte Russlands», titelt die Fach­zeitschrift «Sowetski Sport». Sie rechnet vor, dass wenn man alle Medaillen für die Hockeymannschaft zum Einzelgold der Eiskunstläuferin Alina Sagitowa addiere, komme man auf 26-mal Gold – russischer Rekord. Jedenfalls hätten diese Medaillen nationale Begeisterung hervorgerufen, freute sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Das bis anhin schlechteste russische Ergebnis

Morgen will Putin alle Athleten des russischen Olympiateams im Kreml empfangen. Allerdings wird der Staatschef fast nur zweiten oder dritten Siegern gratu­lieren können. Mit zwei Gold-, sechs Silber- und neun Bronzemedaillen belegte man Platz 13. Es ist das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des russischen Wintersports. Zwar verweisen die Medien seit Wochen darauf, viele russische Favoriten seien durch Sperren verhindert gewesen. Wirklich hätten die Eisschnellläufer Denis Juskow und Pawel Kulischnikow über die Strecken bis 1500 Meter Siegchancen gehabt. Aber die meisten anderen Medaillenanwärter glänzten diesen Winter wenig. Etwa der sechsfache Shorttrack-Olympiasieger Viktor Ahn, der diese Saison nur einen zweiten EM-Platz vorzuweisen hat. Oder der vorjährige Tour-de-Ski-Gesamtsieger Sergei Ustjugow, der im Weltcup Platz neun belegt, ebenso Biathlon-Staffelweltmeister Anton Schipulin, der diese Saison noch ohne Weltcup-Sieg ist. «Hätten sie alle teilgenommen, wären vier bis fünf Goldmedaillen dazugekommen, maximal», schätzt Samwel Awakjan, Chefredaktor des Portals «sport24.ru»: «Minimal gar keine.» Er bewertet das russische Abschneiden insgesamt positiv, vor allem wegen der überraschend starken Leistungen der jungen Skilangläufer. «Hätten wir im Eishockey nicht in letzter Minute dieses Wundertor erzielt, sähe die Bilanz trauriger aus.»

Hebt das IOC den Bann auf?

Statistisch fiel das russische Team gegenüber den Doping-Spielen von Sotschi tief. Dort hatte es mit 13 Goldmedaillen – zwei davon sind inzwischen aberkannt worden – den ersten Platz im Medaillenspiegel belegt. Es folgten der McLaren-Bericht und peinliche Beweise zu vertauschten Dopingproben durch russische Mediziner und Beamte in Sotschi. Vor Pyeongchang disqualifizierte das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Olympische Komitee Russlands, am Ende durften nur des Dopings absolut unverdächtige russische Athleten unter olympischer Flagge starten.

Die Russen empörten sich nicht ohne Grund über die ­Intransparenz einiger IOC-Beschlüsse. Aber schon damals vermuteten Insider, das IOC und der Kreml hätten hinter den Kulissen einen Kompromiss ausgehandelt. Und jetzt gilt es in Moskau als beschlossene Sache, dass das IOC heute oder morgen seinen Bann gegen das Olympische Komitee Russlands aufhebt – wenn keine Dopingfälle mehr auffliegen. Vorher waren in Südkorea wieder zwei gedopte russische Athleten ertappt worden, Sportler und Offizielle gaben sich wie üblich völlig unschuldig.

Russlands Sportfunktionäre erklären die Staatsdopingaffäre bereits für vergessen. «Wir fangen mit reinem Tisch an», sagte das russische IOC-Mitglied Schamil Tarpischew einem Reporter. «Aber wenn das Olympische Komitee Russlands wieder zugelassen ist, muss man sich an die Regeln halten und keine Dummheiten machen.» Tarpischew lächelte bei diesen Worten.

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