1:3 gegen Thun: St.Gallen fehlt die Abgeklärtheit

Der FC St.Gallen schafft es nicht, zum dritten Mal in Folge zu punkten. Beim 1:3 gegen Thun sind die Ostschweizer nicht das schwächere Team. Sondern das umständlichere.

Ralf Streule
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Der St.Galler Verteidiger Andreas Wittwer kann den Thuner Dejan Sorgic nicht am Treffer zum 3:0 hindern. (Bild: Eddy Risch/KEY)

Der St.Galler Verteidiger Andreas Wittwer kann den Thuner Dejan Sorgic nicht am Treffer zum 3:0 hindern. (Bild: Eddy Risch/KEY)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Wirklich? Verloren? 1:3? Kopfschüttelnde Ostschweizer waren im Stadion viele zu sehen nach diesem Spiel, in dem der
FC St.Gallen erst in der Nachspielzeit endlich etwas Wettkampfglück beanspruchen durfte. Das Ehrentor war ein abgefälschter Schuss von Axel Bakayoko, der irgendwie den Weg ins Tor fand. 1:3, immerhin – aber halt doch eine Niederlage. Am Ende trieb viele die eine Frage um: Spielte St.Gallen nun einfach glücklos oder schlicht und einfach naiv und umständlich? Wohl von allem etwas.

Der FC St.Gallen war mit Tempo und Mut aufgetreten, knüpfte damit an die beiden ersten Spiele der Rückrunde an. Er hatte die Partie lange Zeit diktiert, sich viele Chancen erspielt. Dass am Ende eben doch Thun gewann, passte zur Saison beider Mannschaften. Hier der
FC Thun, Ausgabe 2018/19, der mit Selbstvertrauen spielt, schnörkellos, hin und wieder mit etwas Glück vielleicht, vor allem aber mit viel Abgeklärtheit vor dem Tor und viel Ruhe, auch unter Druck.

Auch den Ausfall von Teamstütze Dennis Hediger scheinen die grundsoliden Berner Oberländer locker wegzustecken. Auf der anderen Seite der FC St.Gallen, bei dem zwar sehr vieles zusammenstimmt, der gefällig kombiniert. Dem aber letztlich jene Reife und Abgeklärtheit zu fehlen scheint, die Thun seit Monaten auf den Platz bringt.

Vincent Sierro: Note 3,5. Kein überzeugender Abend des Wallisers. Besonders in der ersten Halbzeit mit vielen Unsicherheiten.
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Dejan Stojanovic: Note 3,5. Bei seinem unglücklichen Eigentor zum 0:2 ist er ohne Schuld. Muss er gegen den bereits abgedrängten Dejan Sorgic beim 0:1 aber so stürmisch aus dem Tor eilen?
Musah Nuhu: Note 5. Wieder ein mutiger Auftritt, seine Physis ist im defensiven Mittelfeld  Gold wert. Wermutstropfen: Seine vergebene Chance vor dem 0:1.
Nicolas Lüchinger: Note 3,5. Rackert wie immer. Wirkt aber oft wenig stilsicher – zum Beispiel, als er vor dem 0:2 den Ball nicht von der Linie wegbringt.
Victor Ruiz: Note 4. Der Neue ist bei seinem ersten Einsatz in der Super League sehr lauffreudig. Technisch zuweilen mit feinen Einzelaktionen – die Effizienz aber fehlt.
Jérémy Guillemenot: Note 4. Bei seinem Début aktiv, aber gut abgeschirmt. Wird penaltywürdig gefoult. Der Pfiff bleibt aus.
Simone Rapp: Note 4. Seine Gefährlichkeit bei Kopfbällen und seine Durchschlagskraft zeigt er – jedoch ohne Erfolg.
Yannis Tafer: Note 3,5. Kommt in der 64. Minute, kann sich aber nicht empfehlen.
Andreas Wittwer: Note 4,5. Stemmt sich gegen die Niederlage, meist gutes Defensivverhalten. Nur: Vor dem 0:3 vergisst er Sorgic in seinem Rücken.
Silvan Hefti: Note 4. Unauffällig. Was für seine defensive Arbeit spricht, aber nicht für seinen offensiven Einfluss.
Dereck Kutesa: Note 3. Ihm fehlt an diesem Abend das Gefühl für die Spielsituation. Steht oft am Anfang von Ballverlusten.
Axel Bakayoko: Note 4. Offensiv bringt er neuen Schwung und trifft zum 1:3. Er verpasst es aber wegen eines einfachen Stolperers, Tosetti vor dem 0:3 am Flanken zu hindern.
Majeed Ashimeru: Note 3,5. Am Anfang aktiv, verliert er im Verlauf des Spiels immer mehr an Einfluss.
Jordi Quintillà: Note 4. Weniger souverän, als man es von ihm gewohnt ist. Im Spielaufbau dennoch ein wichtiger Wert.

Vincent Sierro: Note 3,5. Kein überzeugender Abend des Wallisers. Besonders in der ersten Halbzeit mit vielen Unsicherheiten.

Sorgic trifft gegen die
Ostschweizer doppelt

Natürlich, man könnte am gestrigen Abend aus St.Galler Sicht auch vieles mit fehlendem Wettkampfglück erklären. Es hätte im Spiel viele Wendungen geben können, die den Berner Oberländern nicht in die Karten gespielt hätten. Vincent Sierro zum Beispiel stand nach zehn Minuten alleine vor Thun-Goalie Guillaume Faivre, vergab aber den sichergeglaubten Führungstreffer. Ihm gleich tat es fünf Minuten später Musah Nuhu, der vor der Abwehr körperlich sehr präsent war und ein gutes Spiel zeigte, hier aber nach einer Hereingabe das 1:0 hätte erzielen müssen.

Sekunden später zeigten die Thuner, wie es auch gehen kann: Ein Steilpass von Aussenverteidiger Stefan Glarner brachte in der 16. Minute Dejan Sorgic ins Spiel – dieser hatte leichtes Spiel alleine vor Dejan Stojanovic. Auch in den ersten Minuten nach der Pause, als die St. Galler wiederum dominant spielten und die Thuner kurzzeitig die Übersicht verloren, hätte das Spiel auf die Seite der Ostschweizer kippen können. Das 0:2 schliesslich, ein Slapstick-Tor, bei dem Stojanovic einen Kopfball von Tosetti zunächst abwehrte, dann aber den versuchten Befreiungsschlag von Nicolas Lüchinger im Liegen mit dem Kopf ins Tor lenkte, kam in jener St.Galler Druckphase. Dass die St.Galler nicht mehr zurückkamen ins Spiel, hatte auch mit Thuns gnadenloser Effizienz zu tun. Das 0:3 war ein hervorragend gespielter Konter, den wiederum Sorgic abschloss – der Serbe führt nun die Torschützenliste mit 14 Toren vor dem verletzten Young-Boys-Stürmer Guillaume Hoarau an.

Wieder im Hamsterrad
der Vorrunde?

Dass beim Stand von 0:3 ein penaltywürdiges Foul am St. Galler Débutanten Jérémy Guillemenot nicht gepfiffen wurde, war eine Randnotiz. So zieht sich vor allem eines weiter: Der FC St. Gallen schafft es in dieser Saison einfach nicht, dreimal hintereinander unbesiegt zu bleiben. Was zurück zur Frage mit der Reife führt. Das Ostschweizer Spiel gegen Basel von vergangener Woche hatte bezüglich Abgeklärtheit positiv gestimmt. Zeidlers Team hatte in Basel defensiv wenig zugelassen und dennoch offensiv Akzente gesetzt. Ist man nun zurück im Hamsterrad der Vorrunde, als auf Siege immer wieder Spiele mit defensiver Anfälligkeit folgten? Muss der Satz von Thun-Trainer Marc Schneider zu denken geben?: «Dass wir früher oder später Räume vorfinden würden, wussten wir.»

St.Gallens Trainer Zeidler gratulierte Thun jedenfalls zu einer «reifen Leistung» und fügte an, die Reife seines jungen Teams sei noch im Aufbau begriffen. Bis zum Spiel in Sion am kommenden Samstag gilt es, hier weiter Fortschritte zu machen. Und dann, ganz schlicht, einfach das Tor wieder zu treffen.

Rabenschwarzer Abend trotz starkem Beginn: St.Gallen verliert gegen Thun 1:3

Ein Sieg, ein Unentschieden und nun erneut ein Sieg gegen Thun? Mit weiteren drei Punkten hätten die St.Galler auf die Europacup-Plätze vorrücken können. Doch es kam anders. Trotz starker Leistung zu Beginn des Spiels erleben die Ostschweizer einen rabenschwarzen Abend und verlieren zu Hause 1:3.
Alexandra Pavlovic