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«Ich würde die Zeit gerne zurückdrehen»: Vorwürfe, Tränen und viele Fragen beim Prozess um das tote Mädchen von Staad

Im dreitägigen Prozess um den Tod eines Kleinkinds haben die 35-jährige Mutter und der 55-jährige Vater den Vorwurf der Tötung bestritten und vor Gericht Freisprüche gefordert. Die Anklage verlangte hohe Freiheitsstrafen für die angeklagten Eltern. Das Urteil steht noch aus und wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich eröffnet.
Alexandra Pavlovic
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) löste Ermittlungen aus. (Bild: Getty)

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) löste Ermittlungen aus. (Bild: Getty)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am 4. August 2015 hatte die Kantonspolizei St.Gallen in Staad bei einer Hausdurchsuchung den Leichnam des Kindes im Keller entdeckt und die Eltern festgenommen.
  • Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Rorschach löste die Ermittlungen mit einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflichten aus.
  • Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Die Beschuldigten haben die Tochter nicht altersgerecht ernährt und ihr keine ausreichende Bewegung ermöglicht. Zudem haben sie die medizinische Versorgung, die körperliche Hygiene und die sozialen Kontakte des einjährigen Mädchens vernachlässigt. Diese Vernachlässigungen sollen schliesslich zum Tod des Kindes geführt haben.
  • Die Staatsanwaltschaft fordert für die 35-jährige Mutter eine unbedingte Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren. Für den 55-jährigen Vater wird eine unbedingte Freiheitsstrafe von 8 Jahren gefordert.
  • Die Verteidigung fordert Freisprüche für die angeklagten Eltern. Die Beweise für die in der Anklage erhobenen Vorwürfe konnten nicht erbracht werden.

Vorgeschichte:

Darüber wurde an den drei Prozesstagen im Gericht gesprochen:

Im August 2015 hatte die Polizei im Keller eines Hauses in Staad ein totes Mädchen entdeckt. In der Verhandlung, die am Dienstag begonnen hat, werden die Eltern von der Staatsanwaltschaft für den Tod des Kindes verantwortlich gemacht. Sie hätten die Betreuung wegen ihrer Drogensucht so sehr vernachlässigt, dass das Mädchen starb. Es gehe in der Verhandlung um das kurze Leben und Sterben des noch nicht einmal zweijährigen Mädchens, sagte die Staatsanwältin am Dienstag vor Gericht: Schon als Baby sei das Kind stark vernachlässigt worden. Verantwortlich dafür seien die Eltern. Die Staatsanwaltschaft forderte daher für die heute 35-jährige Mutter unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung, der Verletzung der Fürsorge-und Erziehungspflichten sowie wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren. Der 55-jährige Vater sollte wegen der gleichen Straftatbestände eine Freiheitsstrafe von acht Jahren erhalten. Als Alternativantrag verlangte die Staatsanwaltschaft tiefere Freiheitsstrafen, falls eine Verurteilung wegen fahrlässiger und nicht wegen vorsätzlicher Tötung erfolgen sollte.

Verteidiger fordern Freisprüche
Am Mittwoch wurde der Prozess mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt. Der Anwalt des Vaters forderte einen Freispruch. Und auch die Verteidigerin der Mutter erinnerte das Gericht daran, dass berechtigte Zweifel an den vorgeworfenen Tathandlungen zu Gunsten der Angeklagten auslegt werden müssen. Die Rechtsvertreterin verlangte in den wesentlichen Anklagepunkten Freisprüche. Ihre Mandantin könne sich nicht mehr erinnern, an welchem Tag sie ihre Tochter tot im Bett aufgefunden habe. Vermuten lasse sich ein Atemstillstand oder ein plötzlicher Kindstod. Eine Todesursache sei zudem nicht feststellbar gewesen. Aufgrund einer unerklärlichen Reaktion und aus Panik habe die Frau nicht sofort den Notarzt gerufen, sondern das tote Kind in einen Koffer gepackt und diesen in den Keller gestellt. Es gebe aber keinen beweisbaren Zusammenhang, «wie ein Tun oder Lassen» ihrer Mandantin zum Tod des Kindes geführt haben könnte, so die Verteidigerin.

Angeklagte Eltern brechen in Tränen aus
Am dritten und letzten Prozesstag konnte die Staatsanwaltschaft, wie auch die Verteidigung nochmals ihr zweites Plädoyer abhalten. Beide fassten sich kurz. Das Schlusswort wurde den Angeklagten überlassen. Unter Tränen sagte der angeklagte Vater, dass er für seine Familie alles gemacht habe, was in meiner Macht gestande sei. «Ich habe geschaut, dass wir keine finanziellen Probleme haben, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Ich würde meiner Familie nie etwas antun.» Dann hielt der 55-Jährige dem Gericht zwei Bilder seiner toten Tochter entgegen und sagt: «Ich habe nie etwas gemacht, das meinem Baby schaden würde.» Und auch die angeklagte Mutter kann ihre Tränen nicht unterdrücken. Weinend sagt sie: «Ich würde die Zeit gerne zurückdrehen.» Abschliessend bat sie das Gericht zu berücksichtigen, dass sie noch zwei weitere Kinder habe und diese gerne aufwachsen sehen würde. «Ich liebe alle meine Kinder.»

Details zu den drei Prozesstagen können Sie folgend nochmals nachlesen:

Das Gericht beendet mit dem Schlusswort der Angeklagten den Prozess. Das Urteil wird schriftlich mitgeteilt. Damit beenden auch wir die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal und bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit.

09:14 Uhr

Das Schlusswort der angeklagten Mutter: «Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen», sagt sie ebenfalls unter Tränen. Sie bittet das Gericht zu berücksichtigen, dass sie noch zwei weitere Kinder habe und diese gerne aufwachsen sehen würde. «Ich liebe alle meine Kinder.»

09:12 Uhr

Das Schlusswort des angeklagten Vaters: «Ich habe für meine Familie alles gemacht, was in meiner Macht steht. Ich habe geschaut, dass wir keine finanziellen Probleme haben, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Ich würde meiner Familie nie etwas antun.» Unter Tränen hält der 55-Jährige dem Gericht zwei Bilder seiner toten Tochter entgegen. «Ich habe nie etwas gemacht, das meinem Baby schaden würde.»

09:08 Uhr

Nach der Staatsanwaltschaft folgt nun das Plädoyer der Verteidigung. Sie greift lediglich das Thema des Todestages auf. «Das von der Staatsanwaltschaft erwähnte Datum vom 3. Juli kann nicht stimmen, denn es ist nicht eindeutig bewiesen, wann das Mädchen gestorben ist», sagt der Verteidiger des angeklagten Vaters. Er bitte darum, dass das Gericht diese Feststellung berücksichtige.

09:01 Uhr

«Wir halten weiter am 3. Juli als Todestag fest», fährt die Staatsanwaltschaft fort. Dieses Datum scheine ersichtlich. Diese These würden mehrere abgehörte Telefonate und die Aussage einer Zeugin belegen. Dass der Angeklagte das genaue Todesdatum des Kindes auch in mehrmaligen Befragungen nicht nennen konnte, erscheint der Staatsanwaltschaft auch fraglich. «Leider konnte das Institut der Rechtsmedizin keine Todesursache mehr ausmachen.»

08:54 Uhr

Weiter geht die Staatsanwaltschaft auf die Bilder des kleinen Mädchens ein. Die von der Verteidigung erwähnten Baby-Fotos würden zwar ein wohlgenährtes Kind zeigen, allerdings seien diese Bilder alt und stammten aus dem Jahr 2014/2015. «Man muss sich also fragen, wieso es später kaum oder keine Fotos des Kleinkindes gibt.»

08:51 Uhr

Unerklärlich ist für die Staatsanwaltschaft, wie die Angeklagten leugnen können, dass ihr Beistand kein Interesse an ihrer Familie haben konnte. «Die Aussagen des Kesb-Mitarbeiters sind mehr als glaubwürdig. Dass er die Familie nicht besuchen wollte, stimmt demnach nicht. Er hätte ja auch keinen Vorteil, wenn er lügen würde.»

08:46 Uhr

Die Staatsanwaltschaft geht sogleich auf den Kokainkonsum der angeklagten Eltern ein. «Wenn jemand mehrmals pro Woche Kokain kauft, ist das ein dauernder, also regelmässiger Konsum.» Es sei also mehr als logisch, dass beide rund drei Kilogramm Kokain konsumiert haben müssen. Wie der Angeklagte sich das Haus finanzieren konnte, sei bis heute nicht klar ersichtlich.

08:34 Uhr

Guten Morgen und herzlich willkommen zum dritten Prozesstag um das tote Mädchen von Staad. Auch heute berichten wir wieder live für Sie aus dem Gerichtssaal. Gestern Mittwoch forderte die Verteidigung der angeklagten Eltern in allen Vorwürfen einen Freispruch für ihre Mandanten. Heute nun haben die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung nochmals das Wort. Zu Beginn darf die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer vortragen.

17:00 Uhr

Lesen Sie hier nochmals im Überblick eine Zusammenfassung des zweiten Prozesstages.

16:43 Uhr

Das Plädoyer der Verteidigung ist nun beendet. Damit schliesst auch der Richter die Verhandlung. Morgen Donnerstag folgt der dritte Prozesstag. Wir berichten ab 8.30 Uhr wieder live für Sie aus dem Gerichtssaal.

16:42 Uhr

Die Verteidigung schliesst ihr Plädoyer mit einigen Randbemerkungen und hält nochmals fest, dass die angeklagte Mutter von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen sei. Und weiter: «Die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass der Tod des Kindes hätte verhindert werden können, ist schlicht widersprüchlich. Denn, die genaue Todesursache ist bis heute nicht restlos geklärt. Wir haben kein klares Bild, welches zu einer Verurteilung führen könnte. Zudem haben wir kein Geständnis der Beschuldigten.» Da all dies nicht vorliege, könne kein Schuldspruch gesprochen werden.

16:24 Uhr

Es stimme, dass ihre Mandantin es unterlassen habe, Hilfe zu holen. «Sie hätte dies kurz nach Feststellen des Todes tun sollen, dann hätte ein Arzt nämlich den natürlichen Tod des Kindes feststellen können.» Aufgrund ihres irrationalen Verhaltens sei die Angeklagte dazu aber nicht im Stande gewesen. Dieser Fehler hätte nun weitreichende Konsequenzen. Nicht nur habe die heute 35-jährige Mutter seither eine Trauerstörung erlitten, sondern kämpfe auch mit anderen psychischen Störungen und könne nicht in Ruhe um ihre Tochter trauern.

16:18 Uhr

Wie die Angeklagte bereits gestern ausgesagt hat, habe sie als einzige das tote Kind in den Koffern gelegt. «Meine Mandantin wollte ihre Tochter nicht hergeben und hat daher den Leichnam verstaut», so die Verteidigerin. Dass eine Person so etwas tue, sei in einer Panikreaktion durchaus möglich.

16:10 Uhr

Folgend geht die Verteidigerin nun auf den Vorwurf der Störung des Totenfriedens ein. «Weil meine Mandantin den verwesten Leichnam kopfüber in die Matratze verstaut hatte, wird ihr vorgeworfen ihrer toten Tochter mangelnde Achtung gezeigt zu haben. Erstaunlich ist, dass während der Hausdurchsuchung keiner der sechs anwesenden Polizisten einen Leichengeruch festgestellt hat, auch die Spürhunde haben nichts bemerkt.» Lediglich einem der Staatsanwälte sei dieser aufgefallen.

15:51 Uhr

Da die Beschuldigte ihre Sorgfaltspflichten nicht verletzt habe, habe sie auch den Tod ihrer Tochter nicht verursacht und kann für diesen nicht belangt werden, ergänzt die Verteidigerin. «Von einer vorsätzlichen Tötung kann demnach keine Rede sein.» Ihre Mandantin sei daher freizusprechen.

15:40 Uhr

Erneut greift sie das Thema rund um den Todestag auf. «Dass das genaue Todesdatum bis heute nicht eruiert werden konnte, setzt den Angeklagten bis heute zu», so die Verteidigerin. Der 3. Juli erscheine als Todeszeitpunkt unwahrscheinlich. Das Kind dürfte aber am ehesten irgendwann gegen Ende Juni gestorben sein. Dass die Anklage den Todeszeitpunkt im Juli bestimmte, wurde absichtlich gemacht. «Meiner Mandantin an jenem Datum die Schuld für den Tod zuzuschieben, passt einfach besser, als im Juni.» Bis heute sei das aber nicht erwiesen.

15:30 Uhr

Nach einer erneuten Pause fährt die Verteidigung mit ihrem Plädoyer fort.

15:01 Uhr

Und auch, dass mit dem Kleinkind nie ein Arzt aufgesucht wurde, dürfe ihrer Mandantin nicht zur Last gelegt werden, fährt die Verteidigerin fort. «In der Schweiz herrscht keine Impfpflicht, somit waren die Eltern dazu auch nicht verpflichtet.» Weiter sagten ihre Mandantin, ihr Lebenspartner sowie die Halbschwester des Mädchens aus, dass der Säugling nie krank war. «Also darf davon ausgegangen werden, dass das Kleinkind gesund war. Das Aufsuchen eines Arztes war demnach nicht nötig. Meiner Mandantin dürfe somit nicht schuldig gesehen werden, ihre Fürsorgepflicht verletzt zu haben. Es gilt sie daher von diesem Vorwurf freizusprechen.»

14:57 Uhr

Dass die Halbgeschwister bei den Befragungen gegen die Mutter und ihren heutigen Lebenspartner aussagten, wurde teilweise auch von den negativen Berichterstattungen in den Medien beeinflusst. Besonders dem Sohn haben diese zugesetzt. Und als die Kinder zum Verhalten ihrer Halbschwester befragt wurden, hat keiner in seiner Aussagen das Wort Geschrei erwähnt. «Somit kann meiner Mandantin auch nicht nachgewiesen werden, dass sie das Geschrei ihrer Tochter nicht hörte oder gar ignorierte», so die Verteidigerin.

14:44 Uhr

Die Verteidigerin der Mutter will auch nicht gelten lassen, dass die Beschuldigte ihre Tochter von Drittpersonen abgeschottet hat. «Die beiden Halbgeschwister des Mädchens hatten jederzeit Zutritt zum Kinderzimmer und konnten stets in Kontakt mit dem Kleinkind treten. Natürlich nur nicht dann, wenn es am Schlafen war.» Und auch die Grossmutter konnte stets ihr Enkelkind besuchen und es sehen. Der Vorwurf, die Angeklagte hätte ihrer Tochter soziale Kontakte verwehrt, will die Verteidigung daher nicht geltend machen.

14:31 Uhr

Weiter stellt die Verteidigerin in Frage, dass das Kleinkind eine mangelnde Körperhygiene aufwies. «Der in der Anklageschrift aufgeführte Gestank und die Aussage der anderen Tochter meiner Mandantin, dass das Mädchen nie sauber war, können so nicht stimmen und dafür gibt es einen einfachen Grund.» Der Angeklagte habe immer viel Wert auf Sauberkeit und Ordnung gelegt. Seine kleine Tochter würde er sicher nicht einem solchen Zustand überlassen.

14:22 Uhr

Zudem ist bestritten, dass das Kleinkind nur von Milchpulver ernährt wurde. Fotos der Angeklagten zeugen davon, dass das Mädchen gesund war, fügt die Verteidigerin an. «Ihre Pausbacken, die runden Ärmchen und Füsschen zeigen, dass es ein wohlgenährtes Kind war. Von Mangelernährung war auf den Bildern nichts zusehen.» Und auch Einkaufszettel belegen, dass die beschuldigten Eltern nicht nur Milchpulver, sondern eben auch andere Lebensmittel eingekauft haben. «Auf den Belegen ist auch Leberkäse zu finden. Dieses Lebensmittel hat das Mädchen am liebsten gegessen, wie die Mutter gestern aussagte», erklärt die Verteidigerin weiter. Die Verzögerung des Knochenwachstums und die Unterentwicklung anhand einer Mangelernährung könne demnach nicht nachgewiesen werden. Die Anklage diesbezüglich sei also nicht zutreffend.

14:12 Uhr

Die Verteidigung kommt nun auf Todestag des Kindes zu sprechen. Die Staatsanwaltschaft hält am 3. Juli fest. «Das Kind war allerdings zu jenem Zeitpunkt bereits tot. Anders hätte meine Mandantin das Bewerbungsgespräch, das an diesem Tag stattfand, nicht wahrnehmen können.»

13:56 Uhr

Die Verteidigerin geht weiter näher auf den Körperbau des toten Kindes ein. «In der Anklageschrift steht, dass das Mädchen 23 Monate alt war, jedoch den Körperbau eines eher 12 bis 18 Monate alten Säuglings aufwies.» Was die Gründe für diese Annahme seien, konnte die Staatsanwaltschaft nicht genau erläutern. Auch die Obduktion konnte nicht klären, wieso der Säugling einen eher jüngeren Körperbau aufwies. «Daher kann meiner Mandantin nicht vorgeworfen werden, sie hätte ihr Kind vernachlässigt und ist dadurch schuld, dass das Mädchen körperlich unterentwickelt war.»

13:42 Uhr

Nach der Pause wird die Verhandlung fortgesetzt. Die Verteidigung der angeklagten Mutter hat erneut das Wort. Erneut wird die Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht thematisiert. «Es stimmt nicht, dass die Angeklagten nie mit dem Kind nach Draussen gingen», so die Verteidigerin. Die Aussagen der Nachbarn, dass diese nie das Kind zu Gesicht bekamen, erscheinen nicht glaubwürdig. «Denn: Sie waren praktisch den ganzen Tag arbeiten.»

11:57 Uhr

Da das Plädoyer der Verteidigung etwas länger dauert, unterbricht der Richter kurzfristig die Verhandlung für eine Mittagspause. Um 13.30 Uhr geht es dann weiter, dann hat erneut die Verteidigung das Wort.

11:45 Uhr

Weiter geht die Verteidigerin auf die Vorwürfe gegenüber ihrer Mandantin in der Anklageschrift ein. «So soll etwa der Tagesrhythmus meiner Mandantin aufgrund des Kokainkonsums gestört sein, folglich habe sie das Kind psychisch vernachlässigt.» Diesen Vorwurf lasse die Verteidigung nicht gelten, denn die Angeklagte hatte sehr wohl einen geregelten Tagesablauf. Als Zeitungsverträgerin sei sie täglich morgens von 4 bis 6 Uhr unterwegs gewesen - auch Samstags. Die heute 35-Jährige sei nach Ende der Schicht dann nach Hause gekommen, habe Frühstück gemacht und sich anschliessend um das Kleinkind gekümmert. Die These, dass die Angeklagte einen gestörten Tagesrhythmus hatte, könnte schlicht nicht widerlegt werden. «Es mangelt an eindeutigen Beweisen. Der Vorwurf stimmt also nicht.»

11:35 Uhr

Die Verteidigerin geht folgend näher auf den Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht ein. «Eine Gefährdung der körperlichen und seelischen Entwicklung des Kindes kann nur bestehen, wenn es geschlagen, misshandelt oder auch mangelernährt wurde. So zumindest geht es aus einigen Akten aus dem Bundesgericht hervor.» All diese Tatsachen würden allerdings im vorliegenden Fall nicht vorliegen und ihre Mandantin habe diese auch nicht ausgeführt.

11:16 Uhr

Auch der Ex-Mann der Angeklagten entlastet ihre Mandantin. In einer Aussage gegenüber dem Staatsanwalt sagte er: «Ich habe meine Ex-Frau schon Jahre nicht mehr koksen sehen.» Dass er zu einem späteren Zeitpunkt jedoch die Angeklagte doch wieder des Konsums belastete, habe mit den Streitereien unter ihnen zwei zu tun. Er sei sauer auf seine Ex-Frau gewesen und es kann sein, dass er falsche Dinge gesagt habe, hält die Verteidigerin fest. Weiter sagte der Ex-Mann aus: «Ich hatte psychische Probleme und war wider in den Alkohol gerutscht.» Somit müsse ihre Mandantin der mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz freigesprochen werden.

11:06 Uhr

Weiter fügt die Verteidigerin an, dass der durchschnittliche Kokainkonsum der Angeklagten variierte. Durchgeführte Haarproben hätten das bewiesen. Es könne also nicht von einer regelmässigen Einnahme der Droge gesprochen werden, wie es in der Anklageschrift stehe. «Es sind also reine Spekulationen, denn Beweise für den erwähnten Konsum gibt es nicht.» Genauso wenig konnte die Staatsanwaltschaft belegen, dass der beschuldigte Vater seiner Mandantin in regelmässigen Abständen das Kokain zur freien Verfügung abgegeben habe.

11:00 Uhr

Dass sich das Leben der angeklagten Eltern, wie von der Staatsanwaltschaft beschrieben, praktisch nur um den Konsum und Kauf der Droge gedreht habe, stimme nicht, sagt die Verteidigerin. «Das hier von den Eltern gezeichnete Bild ist einfach falsch.» Denn zum einen erzeuge Kokain keine körperliche Abhängigkeit und zum anderen führe das Betäubungsmittel eher zur Unterdrückung von Müdigkeit und Appetit. Es sei daher unwahrscheinlich, dass die Eltern den ganzen Tag schlafend im Bett verbracht hätten.

10:53 Uhr

Ihre Mandantin gilt mangels Beweisen von sämtlichen Vorwürfen freizusprechen. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gibt es diverse Mängel. «Weder der Todeszeitpunkt noch das genaue Todesdatum des Kindes ist bekannt», so die Verteidigerin. Bisher konnte nichts nachgewiesen werden. Und je komplexer die Anschuldigungen gegen ihre Mandantin sind, desto genauer müsse ihre Schuldfähigkeit erwiesen werden. «Ich werde ihnen nun die Verfehlungen, welche ich in der Anklageschrift gefunden habe, im meinem Plädoyer erläutern.»

10:36 Uhr

Das sagt die Verteidigung der Mutter: Sie kenne die Angeklagte nun schon seit Jahren. Auch habe sie das tote Kind, als es noch lebte, mehrmals gesehen. «Meine Mandantin leidet sehr unter dem Tod ihrer Tochter.». Wegen einer Anpassungsstörung, die psychologisch nachgewiesen wurde, könne sich die Angeklagte allerdings vor Gericht bezüglich dem Vorfall nicht öffnen. «Mir gegenüber hat sie das teilweise getan.»

10:14 Uhr

Nach Abschluss des Plädoyers der Verteidigung unterbricht das Gericht die Verhandlung für 20 Minuten. Anschliessend hat die Verteidigerin der angeklagten Mutter das Wort.

10:13 Uhr

Alle diese Tatsachen und Aussagen würden gemäss dem Verteidiger zudem eins zeigen: «Es gibt keinen Zeugen, der genau sagen kann, wie das kleine Mädchen zu Tode kam. Keiner von uns war dabei.» Und auch die Anklageschrift beruhe auf reinen Spekulationen. Meinem Mandanten kann daher nichts nachgewiesen werden. Ich beantrage darum den Angeklagten der vorsätzlichen Tötung freizusprechen.

10:09 Uhr

Der mutmassliche Todeszeitpunkt ist gemäss der Anklageschrift eine reine Mutmassung. Denn: «Während der Untersuchungshaft war das Todesdatum vom 3. Juli noch überhaupt kein Thema», ergänzt der Verteidiger. Erst gegen Ende des Strafverfahrens habe die Staatsanwaltschaft daran festgehalten. «Dass der Todeszeitpunkt ebenfalls nicht am 3. Juli war, zeigt ein Gespräch der Angeklagten mit ihrer Mutter.» Die 35-Jährige habe ihr gegenüber gesagt, dass sie ihre Tochter am Morgen des 26. Juni gefunden habe. «Folglich ist das in der Anklageschrift erwähnte Todesdatum reine Spekulation.» Im Dachgeschoss war zudem eine Klimaanlage installiert, daher könne auch nicht von einem Hitzetod die Rede sein.

09:57 Uhr

Als nächstes kommt die Verteidigung auf den plötzlichen Kindstod zu sprechen. «Nach dem Ausschlussverfahren soll die Tochter entweder verdurstet, verhungert oder erstickt sein. Das sind reine Spekulationen der Staatsanwaltschaft.» Es kommen nämlich auch andere Ursachen für den plötzlichen Tod in Frage. Etwa ein kurzfristiger Atemstillstand wie das auch die andere Tochter der Angeklagten bereits hatte oder auch ein plötzlicher Kindstod.

09:54 Uhr

Es ist auch nicht bewiesen, dass der Konsum von Kokain während der Stillzeit zu einer Gefährdung des Kindes führt, sagt der Verteidiger. Das würden auch mehrere Studien belegen. «Sie werfen ja einer Schwangeren die ständig Kaffee trinkt auch nicht gleich vor, ihr Kind zu gefährden.» Zusammenfassend lässt sich gemäss dem Verteidiger festhalten: «Es fehlt ein eindeutiger Beweis, dass mein Mandant die Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt haben soll. Er gilt daher von diesem Vorwurf freizusprechen. »

09:42 Uhr

Dass sein Mandant nur das beste für seine Tochter wollte, beweist nicht nur die Tatsache, dass er die angeklagte Mutter dazu aufforderte einen Arzt aufzusuchen, so der Verteidiger. Sondern auch, dass er nach Bekanntwerden des Todes seiner Tochter Suizidgedanken entwickelte. «Seine psychische Verfassung verschlechterte sich zusehends, er wollte ohne seine Tochter nicht mehr leben und sich lieber umbringen.»

09:29 Uhr

Und auch der Todestag, an welcher die Staatsanwältin festhält, kann nicht stimmen, sagt der Verteidiger des Vaters. «Es ist vielmehr davon auszugehen, dass die Angeklagte ihre Tochter leblos am 26. Juni in ihrem Bettchen vorfand.» Hingegen richtig war, dass sein Mandant seine Partnerin dazu aufgefordert habe einen Arzt aufzusuchen. «Nicht aber, weil er vermutete die Kleine sei unterentwickelt, sondern mehr weil er wollte, dass es seiner Tochter gut geht.» Doch die Angeklagte habe ihm dies verweigert. Gemäss eines psychologischen Gutachtens hätte festgestellt werden können, dass die Mitangeklagte einen manipulativen Charakter sowie einen sturen Kopf habe. «Und diesen hat sie eben mehrfach durchgesetzt. » Folglich war für seinen Mandanten die Mutter ein Profi. Er habe ihren Fähigkeiten vertraut, «immerhin hat sie schon drei Kinder auf die Welt gebracht», so der Verteidiger. Und weiter: «Auch von Seiten der Kesb liegt keine Bestätigung vor, dass die Angeklagte nicht erziehungsfähig war.»

09:18 Uhr

Dass die beiden Angeklagten ihre Tochter mehrmals alleine zu Hause liessen, stimme ebenfalls nicht, so der Verteidiger weiter. «Die Aussage einer Nachbarin, wonach diese behauptet das Kind nie zu Gesicht bekommen zu haben, lasse ich nicht gelten. Denn: Sie hat 13 Stunden am Tag gearbeitet, wie will man in dieser Zeit ein Kind sehen?» Und auch die Aussage eines weiteren Zeugen würden belegen, dass es nicht stimmen könne, dass die Kleine ohne Aufsicht war. «Der Zeuge sagte aus, dass die angeklagte Mutter seinen Mandanten mehrfach von der Arbeit abgeholt hat und zwar mit dem Kleinkind.»

09:05 Uhr

Nun thematisiert der Verteidiger den Vorwurf der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Er stellt die Frage in den Raum, wie sein Mandant, der täglich gearbeitet hat, die Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzen kann? Weiter weist er darauf hin, dass sein Mandant wegen seines Burnouts unter psychischen Problemen litt und dagegen starke Medikamente nahm. «So gut es in seiner Verfassung möglich war, hat er für seine Tochter gesorgt.» Sie war doch sein Kind, so die Aussage seines Mandanten. Zudem gelte es weiter zu beachten, dass sich der Angeklagte in einem komplizierten Umfeld befand. «Die ewigen Streitereien seiner Partnerin mit ihrem Ex-Mann setzten ihm zu.»

08:57 Uhr

Weiter hält der Verteidiger fest, dass sein Mandant das Kokain wenn, nur im Versteckten konsumierte. Seiner Partnerin habe er also nichts abgegeben, denn er hätte nicht gewollt, dass sie als ehemals Süchtige damit in Kontakt komme. «Sollte sie also die Droge konsumiert haben, so habe sie diese nicht von ihm, sondern vermutlich selber im Versteck gefunden.» Zudem seien die erwähnten Mengen in der Anklageschrift nicht bei seinem Mandanten gefunden worden. Zusammenfassend hält der Verteidiger fest: «Mein Mandant kann folglich nur für den Konsum von Kokain mit einer Geldstrafe belangt werden. Alle anderen Beschuldigungen treffen nicht zu.»

08:52 Uhr

Das bezogene Geld, welches sein Mandat täglich von der Bank abhob, wurde nicht nur für den Kokainkonsum gebraucht, erklärt der Verteidiger weiter. «Insgesamt lässt sich aufgrund der Aussage des Dealers festhalten, dass mein Mandant maximal 220 Gramm im Zeitraum von fünf Monaten erwarb.» Dass er seiner Freundin, der Mutter des toten Kindes, das Kokain abgegeben habe, könne demnach nicht stimmen. «Auch die Staatsanwaltschaft kann nicht genau sagen, welche Menge der Angeklagten abgegeben wurde.» Sein Mandant könne dafür also nicht belangt werden.

08:45 Uhr

Vorerst geht der Verteidiger auf den Kokainkonsum seines Mandanten ein. Dass er die Droge täglich bei seinem Dealer bezog, stimme nicht, so der Verteidiger. «Zwei bis drei Mal pro Woche heisst nicht täglich, so wie das die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer gestern vorgetragen hat.»

08:42 Uhr

Das sagt der Verteidiger des Vaters: Er fragt sich, wie sein Mandant für ein Strafverfahren belangt werden könne, obwohl die Todesursache noch unklar sei? Zudem beziehe sich die Anklageschrift auf reine Spekulationen.

08:34 Uhr

Nachdem gestern Dienstag die angeklagten Eltern vom Gericht befragt wurden und die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer hielt, hat heute die Verteidigung der Angeklagten das Wort.

Wie der erste Prozesstag ablief, können Sie hier nochmals nachlesen:

08:30 Uhr

Guten Morgen und herzlich willkommen zum zweiten Prozesstag im Fall des getöteten Kindes von Staad. Wir berichten auch heute wieder live für Sie vom Kantonsgericht St.Gallen.

Eigentlich hätte der Prozess vor dem Kreisgericht in Rorschach stattfinden sollen. Aufgrund des grossen medialen Interesses wurde die Verhandlung schliesslich ins St.Galler Kantonsgericht verlegt.

18:08 Uhr

Und mit dem Verlesen des Plädoyers beendet der Hauptrichter die heutige Verhandlung. In Kürze folgt eine Zusammenfassung des ersten Prozesstages. Wir berichten wieder für Sie live am Mittwoch vom zweiten Prozesstag.

18:04 Uhr

Die Staatsanwaltschaft fordert daher folgendes Strafmass:

  • Eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren für den angeklagten Vater: wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.
  • Eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren für die angeklagte Mutter: wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht, vorsätzlicher Tötung, Störung des Totenfriedens, falscher Anschuldigung und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.
17:47 Uhr

Auch die Störung des Totenfriedens durch die Mutter thematisiert die Staatsanwältin. Als die angeklagte Mutter den Leichnam entdeckte, liess sie diesen liegen und schloss die Tür zum Kinderzimmer hinter sich ab, so die Anklage. «Aus den Augen, aus dem Sinn.» Und statt Hilfe zu holen, hat sie den toten Körper einfach ignoriert und weiter verwesen lassen. Weiter brachte die heute 35-Jährige dem Leichnam insbesondere dann mangelnde Achtung entgegen, als sie einige Tage später diesen in einen Rollkoffer stopfte und im Keller versteckte. «Ihrem Lebenspartner und dem Vater des Kindes verschwieg sie das alles. Sie habe ihm lediglich gesagt, dass sie die Kleine ins Ausland in die Obhut einer Freundin gegeben habe.» Erst im Rahmen der Hausdurchsuchung vom 4. August wurde die Kinderleiche schliesslich gefunden.

17:35 Uhr

Wie die Staatsanwaltschaft weiter festhält, verstarb der kleine und geschwächte Mensch am 3. Juli. In jenem Zeitraum wurden draussen Temperaturen von über 33 Grad gemessen, demnach war es auch im Dachgeschoss, wo sich das Kinderbett befand, ausserordentlich warm. Das Kleinkind kollabierte in der Folge und verstarb. Wegen der hohen Temperaturen verweste der Leichnam rasch.

17:25 Uhr

Die Eltern hätten es weiter unterlassen, mit dem Kind einen Arzt für Kontrolluntersuchungen aufzusuchen. «Dieser hätte sofort die mangelhafte Entwicklung des Kindes festgestellt und hätte entsprechend reagieren können.» Die Aufsichtspflicht gegenüber ihrer Tochter haben die Angeklagten auch mehrmals verletzt, indem sie das Kleinkind öfters allein im Haus zurückgelassen haben und auch auf sein Weinen und Klopfen nicht reagierten. Das Kinderbett befand sich zu jener Zeit im Dachgeschoss. Indem sie sich mit ihrer Tochter zudem weder in den gemeinsamen Wohnräumlichkeiten aufhielten, noch mit der Kleinen nach draussen gingen, vernachlässigten sie die Bewegungsfreiheit und verhinderten eine gesunde motorische Entwicklung.

16:55 Uhr

Nun spricht die Staatsanwältin über die Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht der Eltern. Auch nach Geburt ihrer Tochter hätten die Angeklagten ihren Lebensstil nicht geändert, nach wie vor drehte sich alles um den Konsum von Drogen. «Schlafen und Koksen waren demnach die Hauptbeschäftigungen der beiden.» Auch das Umfeld, in welchem das Kleinkind aufwuchs, war alles andere als optimal. Nicht nur wurde das Mädchen von allem und jedem abgeschottet, auch wurden Ratschläge von anderen ausgeschlagen. Neben den Drogen war der Alltag der Eltern auch von Auseinandersetzungen geprägt.

16:27 Uhr

Weiter ist das Aussageverhalten der angeklagten Eltern destruktiv und irreführend. Dass auch der Kokainkonsum von beiden nicht kommentiert wurde, zeuge von Egoismus, fügt die Staatsanwaltschaft an. «Dass sie nämlich die Droge konsumiert und auch dafür das meiste Geld ausgegeben haben, beweisen Aussagen ihres damaligen Dealers.» Sie gaben demnach in rund zweieinhalb Jahren rund 180'000 Franken für das Kokain aus. Ihren Drogenkonsum stellten beide folglich so sehr in der Vordergrund, dass ihnen das Wohlergehen ihres Kind komplett egal war, so die Anklage weiter. «Und auch vorherige Befragungen der angeklagten Mutter zeigen, dass ein Desinteresse an der Aufklärung des Kindstodes besteht.»

16:10 Uhr

Das sagt die Staatsanwältin: Die Staatsanwaltschaft hält soweit an den Anträgen, wie sie in der Anklageschrift aufgeführt sind, fest. Die Aussagen der angeklagten Mutter bezüglich der Ernährung des Kleinkindes sind allerdings nicht glaubwürdig und werden als reine Schutzbehauptung wahrgenommen. Weiter wird am Todesdatum vom 3. Juli festgehalten und nicht wie von der Angeklagten behauptet am 26. Juni. Das Kind ist gesund in St.Gallen zur Welt gekommen. Wie ist es also dazu gekommen, dass der Leichnam dieses Kindes in einem stark verwesten und mumifizierten Zustand aufgefunden wurde? Für die Staatsanwaltschaft beweist diese Tatsache, dass die Angeklagten etwas zu verheimlichen hätten.

Die Staatsanwaltschaft will daher Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie kann es sein, dass die angeklagten Eltern tagelang neben dem Leichnam normal weiterlebten?
  • Wie ging es dem Kleinkind zu Lebzeiten?
  • Von wem wurde das Kind versorgt?
  • Wann, wo und wie kam das Mädchen zu Tode?
15:51 Uhr

Es geht weiter im Prozess. Nun spricht die Staatsanwältin und trägt ihr Plädoyer vor.

15:37 Uhr

Der Hauptrichter entlässt die Angeklagte aus dem Zeugenstand. Es folgt eine Pause von 30 Minuten, danach wird der Staatsanwalt sein Plädoyer vortragen.

15:36 Uhr

Nach der Befragung der Richter stellt die Verteidigung ebenso einige Fragen an die Angeklagte. So etwa will sie wissen, wie sie die Tochter versorgt hat. Die 35-Jährige schildert im Detail, was das Kind alles zu essen bekam und wie sie die Kleine gepflegt hat. Auf die Frage, wie sie das Kind in den Koffer gelegt hat, erwidert sie: «Ich habe die Ecken der Matratze eingeknickt und meine Tochter dann reingelegt. Später habe ich sie nochmals rausgenommen und ihr Kleider angezogen, weil ich dachte, sie friere.»

15:25 Uhr

Einer der anwesenden Richter stellt noch einige Anschlussfragen, so etwa über den Todestag der Tochter, wie das Verhältnis zu den anderen Kindern war und was sie von der Kesb hält. Die Angeklagte beantwortet die Fragen zum Teil widersprüchlich und lässt sich besonders über die Behörde aus. «Sie haben mir nur Probleme gemacht und meine Kinder nicht optimal platziert.»

15:05 Uhr

Der Hauptrichter will zum Schluss seiner Befragung von der Angeklagten wissen, was sie sich denn nun für die Zukunft wünsche? «Einfach zur Ruhe kommen und um meine Tochter trauen. Das kann ich bis heute nicht», erwidert die heute 35-Jährige.

15:00 Uhr

Sie habe dann den grossen Koffer geholt und ihre tote Tochter rein gelegt. Anschliessend stellte sie diesen in den Keller. Der Richter will wissen, wieso sie das getan habe. Die Angeklagte antwortet: «Weil ich meine Tochter bei mir haben wollte.»

14:55 Uhr

Nicht nur dem Angeklagten, auch der angeklagten Mutter liest der Richter einige Auszüge aus aufgezeichneten Tonaufnahmen vor. Die Aussagen scheinen eindeutig, doch die 35-Jährige will sich daran nicht erinnern. «Mein Partner redet den ganzen Tag vor sich hin. Ich kann dazu nichts sagen.»

Schliesslich will der Richter weiter wissen, wann sie das Kind das letzte Mal lebend gesehen habe. «Am 25. Juni.» Sie habe das Kind am Morgen des 26. Juni dann tot vorgefunden. Das Mädchen sei kalt gewesen und hätte blaue Fingernägel gehabt, auch das Milchfläschen sei noch voll gewesen. Der Richter will es genauer wissen und fragt, wieso sie nach dem Feststellen des Todes ihrer Tochter nicht Hilfe geholt habe. In Tränen sagt sie: «Ich hatte Angst und war in Panik. Ich hatte einfach Angst vor den Behörden, der Kesb... Ich hatte Angst, als Mutter versagt zu haben.»

14:39 Uhr

Nachdem die Angeklagte weiter vom Familienleben erzählt und wie sie ihre neugeborene Tochter pflegte, geht der Richter auf das Thema Kokain ein. Er will von der Angeklagten wissen, wann sie mit dem Konsum der Droge angefangen habe und wie es möglich sei, dass später das tote Kind auch Spuren des Betäubungsmittel in sich hatte. Auch nach mehrmaligem Nachfragen will sich die 35-Jährige dazu nicht äussern. Auf die Frage, wie sie heute zum Kokain steht, sagt sie: «Ich bin seit einiger Zeit sauber.»

14:29 Uhr

Der Richter will anschliessend wissen, was sie zu den Vorwürfen ihrer Mutter sagt. Sie behauptete, dass die neugeborene Tochter unterentwickelt gewesen sei und nicht richtig gepflegt wurde. Die Angeklagt erwidert dem Richter: «Das stimmt alles nicht. Da hat meine Mutter wieder etwas erfunden. Wir sind manchmal wie Hund und Katz, manchmal vertragen wir uns, manchmal nicht.»

14:17 Uhr

Nach einer Weile wurde sie erneut schwanger und brachte ein Mädchen zur Welt, so die Angeklagte. Auf die Frage, wie das Zusammenleben mit dem Angeklagten nach der Geburt des Kindes war, sagt sie: «Vor der Geburt habe ich noch für meinen heutigen Partner gekocht. Danach hatten wir eine klare Aufgabentrennung. Ich bin halt nicht so der Haushaltsmensch, denn meine Mutter hat immer hinter mir hergeputzt.» Anschliessend beschreibt sie den Tagesablauf mit dem Kind. Sie sei mit ihrer Tochter spazieren gegangen und habe mit ihr zusammen den heute 55-jährigen Vater jeweils von der Arbeit abgeholt.

14:00 Uhr

Weiter erzählt die 35-Jährige vom Streit ihres Ex-Mannes mit ihrem neuen Partner. «Ich konnte die Gewalteskapaden nicht mehr ausgehalten und bin zu meinem jetzigen Partner gezogen.» Das Sorgerecht für die Kinder hätte sie sich mit ihrem Ex-Mann geteilt, «weil es die Kesb so wollte». Eines Tages aber, als sie die Kinder von der Kita hätte abholen wollen, wäre ihr das verwehrt worden. «Die Kesb hat meine Kinder einfach in die Obhut von anderen gegeben.»

13:53 Uhr

Die Angeklagte sagt weiter, dass sie noch während der Beziehung mit ihrem Ex-Mann eine Liaison zu einer Frau einging und schliesslich zu ihr zog. Ihre beiden Kinder, ein Sohn und eine Tochter, hätte sie mitgenommen. Der Richter will daraufhin wissen, wie sie den Angeklagten kennengelernt habe. Sie erwidert: «Eines Abends klingelte es am Telefon, ob ich Lust hätte vorbeizukommen. Dann bin ich gegangen.» Seit diesem Telefonat wären sie und der Angeklagte ein Paar.

13:47 Uhr

In der Schweiz lernte sie dann ihren Ex-Mann kennen, mit welchem sie zwei Kinder zeugte, führt die Angeklagte aus. Ihn hätte sie geheiratet, um den Beistand loszuwerden und nicht um in der Schweiz bleiben zu können. Sie selber hätte in der Schweiz weiter als Prostituierte gearbeitet. «Da mein Ex-Mann jedoch schwerer Alkoholiker war, verjubelte er das Geld, welches ich verdiente.»

13:36 Uhr

Der Richter will als erstes wissen, wie es der Angeklagten heute geht. Sie erwidert: «Nicht so gut.» Anschliessend erzählt sie über ihre glückliche Kindheit in Deutschland. So etwa, wie sie mit 15 Jahren das erste Mal Mutter wurde. Dieses Kind dann aber beim Vater blieb, «wegen der Sache mit der Prostitution». Anschliessend zog sie dann in die Schweiz.

13:31 Uhr

Nach der Mittagspause geht es nun weiter im Prozess. Der Hauptrichter lädt nun die Angeklagte in den Zeugenstand.

11:48 Uhr

Mit den Anschlussfragen der anderen Richter wird die Befragung des 55-Jährigen abgeschlossen und er wird aus dem Zeugenstand entlassen. Der Prozess wird mit einer rund einstündigen Pause unterbrochen.

11:47 Uhr

Nach der Befragung des Hauptrichters, stellen auch die anderen anwesenden Richter einige Anschlussfragen an den Angeklagten. Vielen weicht er aus, gibt verwirrende Antworten oder verweigert gar die Aussage.

11:29 Uhr

Der Richter schliesst die Befragung dazu ab und geht erneut auf den Kokainkonsum ein. Er fragt den Angeklagten zum wiederholten Mal, ob er die Droge konsumiert habe. Der 55-Jährige verneint und verweigert die Aussage erneut. Es stimme auch nicht, dass er für den Konsum täglich Geld von der Bank abgehoben habe, so der Angeklagte.

11:21 Uhr

Er habe zu jenem Zeitpunkt nicht eine Sekunde daran gedacht, dass seine Tochter tot sei, erzählt der Angeklagte weiter. Auch nicht, als die Mutter ihm das Kettchen der Kleinen übergab. «Ich dachte, dass sie unsere Tochter irgendwo vor der Kesb versteckt und es ihr gut geht.» Erst später habe er von der Polizei erfahren, dass das Kind tot im Haus gefunden wurde.

11:08 Uhr

Der Richter will wissen, wie er vom Tod seiner Tochter erfahren habe. «Ich war am Schalter bei der Raiffeisenbank als meine Partnerin am Telefon sagte, die Kesb habe unsere Tochter mitgenommen», sagt er. Als er zu Hause war, sei er sofort ins Zimmer gegangen und habe das leere Bettchen entdeckt. Nicht einmal die Matratze sei mehr da gewesen, das habe ihn stutzig gemacht. «Ich habe meine Partnerin dann zur Rede gestellt.»

Sie habe gesagt, die Tochter sei bei einer Freundin und wohl auf. Er solle der Kesb nichts anderes sagen, da sie Probleme mit der Behörde habe. Sie hätte Angst gehabt, dass die Kesb vorbeikomme und ihnen das Kind wegnehme. Weiter sei er nicht darauf eingegangen.

10:59 Uhr

Nachdem die Polizei die Leiche des Kindes im August bei einer Hausdurchsuchung gefunden hatte, wurde das Haus der beschuldigten Eltern verwanzt. Der Richter liest dem Angeklagten diverse Auszüge aus einem Protokoll vor. Auf unangenehme Fragen verweigert der Angeklagte mehrmals die Aussage oder kann sich nicht mehr erinnern.

10:50 Uhr

Im weiteren Verlauf der Vernehmung geht der Richter auf die Beziehung des Angeklagten zu zwei Kindern der Angeklagten ein. «Sie waren zwar in der Obhut des Ex-Partners meiner Partnerin, waren aber immer mal wieder zu Besuch bei uns», antwortet der 55-Jährige. Er habe keine Probleme mit den Kindern gehabt, sei wie ein Stiefvater für sie gewesen. Auch seine damals neugeborene Tochter hätten die Kinder akzeptiert.

10:39 Uhr

Angesprochen auf den Kokainkonsum seiner damaligen Partnerin sagt der Angeklagte: «Ich habe nichts bemerkt. Sie hat doch kein Kokain zu sich genommen, als sie unsere Tochter betreute.»

10:30 Uhr

Das damals Neugeborene war aber nicht das erste Kind der Angeklagten, wie der Richter anmerkt. Sie hatte vorher bereits drei Kinder auf die Welt gebracht. Aufgezogen hat sie diese aber nicht, die Kinder wurden in fremde Obhut gegeben. Bedenken, dass sie nicht für ihr viertes Kind Sorgen könne, habe der Angeklagte keine gehabt, wie er sagt.

10:16 Uhr

Am Ex-Partner der Angeklagten lässt der 55-Jährige kein gutes Haar. Es habe diverse Streitigkeiten und Drohungen gegeben. Auch Waffen seien zum Einsatz gekommen. Nicht nur der Ex-Partner war ihm ein Dorn im Auge, auch die Beschäftigung der Angeklagten hat ihm nicht gepasst. «Obwohl sie ein Paar waren, hat sie weiterhin ihre Dienste als Prostituierte angeboten.» Als sie dann schliesslich von ihm schwanger geworden sei, sei er überrascht gewesen. Als das Kind dann auf der Welt war, war die Aufgabenteilung klar. Er, der Vater, hat sich um den Haushalt gekümmert und ist der Arbeit nachgegangen. Sie, die Mutter, hat für das Neugeborene gesorgt.

10:05 Uhr

Weiter will der Richter vom Angeklagten wissen, wie er die 35-jährige Mitangeklagte kennengelernt habe. Dazu sagt er: «Über ihre Dienste, die sie damals angeboten hatte.» Der Richter will es genauer wissen und spricht von Prostitution, worauf ihm der Angeklagte widerspricht. «Die Dienste hatten nichts mit Prostitution zu tun, es war lediglich ein Begleitservice.»

09:53 Uhr

Der Richter will vom Angeklagten wissen, wann er das erste Mal mit Kokain in Kontakt gekommen sei. Der Angeklagte verweigert die Aussage. Zudem will der Beschuldigte keine Auskunft darüber geben, ob er mit den Hells Angels verkehrt habe.

09:48 Uhr

Nachdem der 55-Jährige auch Einzelheiten über den weiteren Verlauf seines Lebens preisgibt, kommt er auf seine Depression zu sprechen. Diese sei im Verlauf der Jahre immer schlimmer geworden, er erlitt schliesslich einen Burnout. Ausschlaggebend dafür war die Entlassung bei seiner damaligen Arbeitsstelle.

09:37 Uhr

Gemäss seiner Aussage geht es ihm gesundheitlich schlecht. Er konnte den Tod seiner Tochter wegen des ganzen Stresses bis heute nicht richtig verarbeiten. Der Richter fordert ihn anschliessend auf, über seine eigene Kindheit zu erzählen. Diese, so sagt er, sei keine leichte gewesen. Der Vater war über Jahre selbstmordgefährdet gewesen, die Mutter konnte ihm gegenüber keine Nähe zeigen.

09:29 Uhr

Nachdem der erste Zeuge seine Aussage gemacht hat, wird nun der erste Hauptzeuge vernommen. Es handelt sich um den 55-jährigen Vater des toten Kindes.

09:21 Uhr

Der Prozess am St.Galler Kantonsgericht ist mit rund 20 Minuten Verspätung gestartet. Alle anwesenden Personen wurden genaustens kontrolliert. Nachdem der Richter das geforderte Strafmass vorgetragen hat, wird ein erster Zeuge vorgeladen.

08:55 Uhr

Den beiden Angeklagten, einer 35-jährige Deutschen und einem 55-jährigen Schweizer aus Staad, wird die vorsätzliche Tötung ihrer gemeinsamen Tochter vorgeworfen. Zudem wird es im heutigen Prozess um die Frage gehen, ob die beiden ihre eigene Tochter zu Tode vernachlässigt haben.

08:50 Uhr

Eigentlich hätte der Prozess gegen die Staader Eltern vor dem Kreisgericht in Rorschach stattfinden sollen. Aufgrund des grossen medialen Interesses wurde die Verhandlung schliesslich ins St.Galler Kantonsgericht verlegt.

08:45 Uhr

Guten Morgen und herzlich willkommen zur Live-Berichterstattung aus dem Kantonsgericht St.Gallen. Es bloggt für Sie Alexandra Pavlovic.

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