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«Palliative Care beginnt bereits bei der Diagnose»

Zentrumsleiter und Stv. Chefarzt der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG), Dr. med. Rafael Meyer, spricht darüber, was in Menschen vorgeht, wenn sie mit dem eigenen Lebensende konfrontiert sind. Und weshalb Psychiatrie und Psychotherapie ein wichtiger Bestandteil von Palliative Care sind.

Interview: Christina Baggenstos
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Chefarzt Dr. med. Rafael Meyer weiss, was Menschen am Ende ihres Lebens bewegt.

Chefarzt Dr. med. Rafael Meyer weiss, was Menschen am Ende ihres Lebens bewegt.

Herr Meyer, welche Rolle spielen Psychiatrie und Psychotherapie bei der Palliative Care?

Die Palliative Care, also die interprofessionelle und interdisziplinäre Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einer chronischen, unheilbaren und lebensbedrohlichen Erkrankung, hat eine möglichst gute Lebensqualität bis zum Ende zum Ziel. Einerseits umfasst Palliative Care eine möglichst gute Kontrolle körperlicher Beschwerden wie bspw. Schmerzen oder Übelkeit, andererseits auch eine möglichst gute Kontrolle psychischer Beschwerden wie Ängste, Depressionen sowie spirituelle Krisen. Der Beitrag der Psychiatrie und Psychotherapie in diesem Setting ist, dass diese psychischen und spirituellen Belastungen in der Behandlung professionell verarbeitet werden.

Wie kann sich eine solche Krise zeigen?

Das kann ganz individuell sein und hängt auch vom Zeitpunkt ab. Kurz nach einer verheerenden Diagnose können sich die Betroffenen in einem Schockzustand befinden. Oft stehen Existenzängste im Vordergrund. Bei spirituellen Krisen geht es auch um die Sinnfrage: «Wie habe ich das verdient?», «Wieso trifft es ausgerechnet mich?». Es wird manchmal versucht, Bezüge zur eigenen Biografie herzustellen. In diesem Fall ist es unsere Aufgabe, diese Sinnfrage mit den Patientinnen und Patienten zusammen anzuschauen. Wir können dabei helfen, einen solchen Schicksalsschlag in die Biografie zu integrieren, bspw. durch die Klärung komplexer und gemischter Gefühle, und auch einen Ausblick auf die noch verbleibende Zeit zu unternehmen. Das stellt eine enorme Anpassungsleistung dar.

Grundsätzlich gibt es drei Themen, denen wir besonders oft begegnen: Ungewissheit, Beziehungsaspekte und Selbstbestimmtheit. Konkret können das beispielsweise ein Gefühl der Ohnmacht sein, die Befürchtung, dem eigenen Umfeld nur noch zur Last zu fallen, oder die Angst, keine autonomen Entscheidungen mehr treffen zu können.

Wie sieht das Angebot der PDAG im Bereich Palliative Care aus?

Einerseits stellen wir unser Know-how dem Kantonsspital Baden und dem Spital Zofingen im stationären Bereich zur Verfügung. Unsere Fachleute sind dort Teil der interdisziplinären Teams für hoch spezialisierte Palliative Care. Sie sind bei Visiten und Rapporten dabei und führen Behandlungen durch. Andererseits sind wir auch im ambulanten Setting tätig und bieten an unseren Standorten spezialisierte Sprechstunden an.

Der Tod ist etwas, mit dem man sich nicht gerne auseinandersetzt. Wie erleben Sie und Ihr Team das?

Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Wie mit dem Thema umgegangen wird, hängt auch vom Typ ab: Manche sind sehr offen, andere reagieren mit Fatalismus oder blenden die Situation aus. Es kommt auch vor, dass Patientinnen oder Patienten anfangs nicht darüber reden wollen, im Laufe der Zeit aber doch auf unser Angebot zurückkommen. Was wir aber immer wieder feststellen, ist, dass es für viele Betroffene eine enorme Entlastung ist, in einem geschützten und wohlwollenden Rahmen über den Tod und das Sterben reden zu können.

Was wird beim Thema Palliative Care oft unterschätzt?

Mehrheitlich wird Palliative Care im Sinne von Begleitung am Lebensende gesehen. Jedoch beginnt die Palliative Care bereits bei der Diagnosestellung respektive im frühen Verlauf und gewinnt gegen das Lebensende an Intensität. Auch die «Care of the Caregivers», also dass auch die Angehörigen ausreichend mitberücksichtigt werden, kann manchmal unterschätzt werden. Sie sind nämlich durch die Situation ebenfalls stark belastet und hadern oft mit denselben psychosozialen und spirituellen Themen wie direkt Betroffene. Deshalb stehen unsere Türen auch für Angehörige offen.

Ist die Aufgabe nicht auch für Sie und Ihr Team sehr belastend?

Palliative Care ist sicher ein spezieller Bereich; die spirituellen Aspekte sowie die Themen «Sterben» und «Tod» sind ein Merkmal davon. Nicht jeder kann oder will sich regelmässig damit auseinandersetzen. Die Fachpersonen, die sich in diesem Bereich bewegen, wissen aber von sich, dass sie normalerweise damit umgehen können. Doch genau wie man bei Palliative Care die Angehörigen nicht vergessen darf, darf man auch die Fachleute nicht ausser Acht lassen. Ich höre von meinem Team oft, dass besonders Behandlungssituationen mit Patientinnen und Patienten, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, über längere Zeit nachhallen können. Dann ist es wichtig, dass die Möglichkeit besteht, in einem geschützten Rahmen darüber zu reden und dies zu verarbeiten. Diese Möglichkeiten gibt es bei uns selbstverständlich auch.

Kontakt und weitere Informationen:
Psychiatrische Dienste Aargau AG
Zentrum für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und Psychosomatik
Telefon 056 461 97 00
konsiliarpsychiatrie@pdag.ch
www.pdag.ch