OLMA-ERÖFFNUNG: Maurer: "Irgendwo brauchen wir Halt"

In St.Gallen hat am Donnerstag die 74. Olma begonnen. Bundesrat und Bauernsohn Ueli Maurer schaute an der Eröffnungsfeier den Kühen tief in die Augen. Ehrengast Liechtenstein geht mit dem Publikum auf Tuchfühlung.
Bundesrat Ueli Maurer posiert mit einem Säuli für das obligate Olma-Bild. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bundesrat Ueli Maurer posiert mit einem Säuli für das obligate Olma-Bild. (Bild: Hanspeter Schiess)

ST.GALLEN. Der Nachbar des Kantons St.Gallen ist bereits zum fünften Mal zu Gast an der Olma, die bis zum 23. Oktober dauert: "Hoi metenand" ist das Motto des Olma-Gründungsmitglieds. Der typische Gruss sei in Liechtenstein gleichbedeutend mit Nähe und solle beim Publikum Sympathien wecken, sagte die Liechtensteiner Regierungsrätin Marlies Amann-Marxer bei der Olma-Eröffnungsfeier am Donnerstagmorgen.

Bundesrat Ueli Maurer begrüsste die geladenen Gäste mit einem "Hoi zämä". Er freue sich seit 50 Jahren auf jede Olma. "Wenn ich Kühen in ihre schönen Augen schaue, ist das ein ganz erhebendes Gefühl", gestand der Bauernsohn aus dem Zürcher Oberland. Früher habe er einer Freundin ein Kompliment machen wollen, indem er sagte, sie habe Augen wie eine Kuh. "Aber ich habe rasch gemerkt, dass ich dies besser bleiben lasse", scherzte der Bundesrat.

"Verständnis fördern"
In seiner Rede sagte Ueli Maurer: "Der Graben zwischen Stadt und Land wird grösser." Sein Eindruck sei, dass sich ein Teil der urbanen Bevölkerung zwar nach heiler Welt und ländlicher Idylle sehne, aber die Werte und Ansichten der ländlichen Bevölkerung nicht richtig verstehe - oder nicht wirklich ernst nehme. "Das führt manchmal zu gegenseitigen Missverständnissen. Anlässe wie die Olma können hier dagegenhalten - sie fördern den Austausch und das gegenseitige Verständnis", sagte Ueli Maurer.

Beliebtes Sujet: Bundesrat Ueli Maurer wendet sich mit dem Säuli den Medien zu. (Bild: Hanspeter Schiess)
OLMA Rundgang mit Bundesrat Ueli Maurer. Gast Fürstentum Lichtenstein. (Bild: Hanspeter Schiess)
Weder Bundesrat noch Säuli zeigen Berührungsängste. (Bild: Hanspeter Schiess)
Auge in Auge: Der Finanzminister schaut sich das Vieh genau an. (Bild: Hanspeter Schiess)
Bundesrat mit Stallgeruch: Der Finanzminister scheint sich im Stroh wohl zu fühlen. (Bild: Hanspeter Schiess)
Über den Anzug die Feuerwehrausrüstung: Maurer lässt sich einen Helm reichen. (Bild: Hanspeter Schiess)
Geht da ein Kindheitstraum in Erfüllung? Der Finanzminister hantiert mit einem Feuerwehrschlauch. (Bild: Hanspeter Schiess)
Ein Schluck aus dem Pappbecher zwischendurch. (Bild: Hanspeter Schiess)
Ein kräftiger Händedruck: Ein Bundesrat ohne Berührungsängste. (Bild: Hanspeter Schiess)
Auch an Bohrmaschinen zeigt der Magistrat Interesse. (Bild: Hanspeter Schiess)
Auch Kulinarisches darf an der Landwirtschaftsmesse nicht fehlen. (Bild: Hanspeter Schiess)
Dem Magistraten wird Käse feilgeboten. (Bild: Hanspeter Schiess)
Der Finanzminister scheint sich in der Menge wohl zu fühlen. (Bild: Hanspeter Schiess)
St.Gallens Stadtpräsident Thomas Scheitlin mit Bundesrat Ueli Maurer. (Bild: Hanspeter Schiess)
Der St.Galler Regierungsrat Martin Klöti (links) und Stadtpräsident Thomas Scheitlin. (Bild: Hanspeter Schiess)
Spitzenpolitiker in St.Gallen: SVP-Präsident Albert Rösti (3.v.l.) hat genauso den Weg in die Ostschweiz gefunden wie sein Pendant von der CVP, Gerhard Pfister (neben ihm). (Bild: Hanspeter Schiess)
Tagblatt-Chefredaktor Stefan Schmid begrüsst den Ausserrhoder Ständerat Andrea Caroni. (Bild: Hanspeter Schiess)
Der Ausserrhoder FDP-Ständerat Andrea Caroni. (Bild: Hanspeter Schiess)
Festlich geschmückt... (Bild: Hanspeter Schiess)
Tiere sind an der Olma auch als Ballon zugegen. (Bild: Hanspeter Schiess)
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Die Olma ist eröffnet


"Unsere Identität geprägt"
Des Weiteren erinnerte Ueli Maurer daran, dass wir uns an tolle Auslagen in den Läden mit Lebensmitteln gewohnt seien. Die Olma erlaube es, einen Blick hinter die Kulissen unseres täglichen Konsums zu werfen. In der Folge spannte Maurer den Bogen von der Herkunft der Lebensmittel zur Herkunft von uns allen. Viele hätten in der ländlichen Schweiz ihre Wurzeln. "Hier hat ein grosser Teil unserer gemeinsamen Werte ihren Ursprung." Diese ländliche Schweiz habe unsere Identität geprägt und tue das bis heute.


Ueli Maurer ist überzeugt: In unserer globalisierten, schnelllebigen Zeit wird diese Identität wieder wichtiger. "Irgendwo brauchen wir einen Halt, irgendwo brauchen wir Beständigkeit." Und nicht zuletzt einen Kompass an Werten in einer Welt, die in vielerlei Hinsicht aus den Fugen geraten sei. Maurer lobte die Messemacher dafür, dass sie Leuten die Augen öffneten und einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer Identität leisteten.

Das Jahr ohne Sommer
In seiner Ansprache erinnerte Ueli Maurer auch an den Sommer 1816 - "das Jahr ohne Sommer", wie es in Geschichtsbüchern genannt wird. Durch einen Vulkanausbruch in Indonesien habe sich das Klima auch in Europa vorübergehend abgekühlt - bis im Juni schneite es teils bis ins Flachland, der Sommer war nass und kalt. Das Getreide sei auf den Feldern verrottet, die Kartoffeln hätten im Herbst aus dem Schnee gegraben werden müssen. Die Folgen waren eine Hungersnot und eine grosse Teuerung - mit schlimmen Folgen für die Menschen. "Das alles ist für uns heute unvorstellbar - zum Glück!", sagte Ueli Maurer.

Den Fortschritt seit jenen Tagen könne man gar nicht genug würdigen, so der Bundsrat weiter. Die Landwirtschaft habe sich dank wissenschaftlicher Erkenntnisse gewandelt, sei viel effizienter geworden. Zudem sei das Transportsystem besser geworden. "Unser Land konnte damit das Elend hinter sich lassen, das Hungersnöte immer wieder verursachten", so Maurer. Das sei schön und grossartig. "Aber wir sollten eins nicht vergessen: Für einfach selbstverständlich können wir das nicht halten."

"Nachlässig und blauäugig"
Ueli Maurer stellte in der Folge die Frage in den Raum, ob wir wirklich darauf vertrauen können, dass der Handel auf der ganzen Welt immer und ohne Unterbruch reibungslos funktioniert. "Oder müssen wir nicht eher davon ausgehen, dass gerade unsere moderne, globalisierte Wirtschaft sehr verletzlich geworden ist?" Ueli Maurer gab sich in der Folge überzeugt, dass in der Schweiz Fragen und Risiken zum Thema Ernährungs- und Versorgungssicherheit etwas nachlässig und blauäugig angegangen würden - wenn überhaupt.

"Identität entsteht auch durch Geselligkeit - dazu muss ich nichts sagen, in dieser Hinsicht ist die Olma ja ohnehin legendär", sagte Ueli Maurer gegen den Schluss seiner Rede. "Ich bin sicher, dieser tolle Anlass hilft der Schweizer Landwirtschaft mehr als mancher politische Vorstoss im Parlament."



Grösste Messe der Schweiz
Die Olma ist mit rund 400'000 Besucherinnen und Besuchern die grösste Publikumsmesse der Schweiz und dauert elf Tage. Auf einer Fläche von 27'500 Quadratmetern präsentieren sich 620 Aussteller. Angekündigt sind über 20 Sonderschauen, Informationsstände und Präsentationen von Produkten. Der Ehrengast Liechtenstein zeigt seine Facetten in einer Sonderschau auf einer Fläche von 600 Quadratmetern. Zum Auftritt des "Ländles" gehört der traditionelle Olma-Umzug mit rund 1000 Teilnehmenden vom Samstag. (sda/pd/red.)

Hier geht es zur Rede von Ueli Maurer im Wortlaut




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