Steueroase war im Mittealter ein Pfand

Die Thurgauer Gemeinde Horn ist umgeben von St.Galler Gemeinden. Der Grund dafür reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück – und nach Konstanz.

Daniel Wirth
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Horn hat eine Fläche von 1,71 Quadratkilometern, zählt gut 2700 Einwohner und hat mit 32 Prozentpunkten ex aequo mit Warth-Weiningen den tiefsten Steuerfuss der 80 politischen Gemeinden im Kanton Thurgau.

An dessen östlichstem Zipfel liegt Horn – umgeben von den drei st.-gallischen Gemeinden Goldach, Tübach und Steinach und mit Seeanstoss. Horn hat einen Bahnhof. Horn hat eine Schifflände. Horn hat Postautohaltestellen. Kurz: Horn ist verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Aber weit weg von Frauenfeld.

Viel näher ist den Hornerinnen und Hornern die Stadt St.Gallen – als Arbeitsort, aber auch gesellschaftlich und kulturell. Wer von Horn ins Theater oder ins Hallenbad will, der fährt nach St.Gallen, wer Spitzensport sehen will, der fährt nach St.Gallen. Auch den grossen Wocheneinkauf erledigen die meisten Hornerinnen und Horner in der St.Galler Altstadt oder in den grossen Einkaufszentren an der Peripherie der Gallusstadt. Mit Frauenfeld verbindet Horn ganz wenig, mit Konstanz schon mehr:

Mit seinen schmucken Gassen, hippen Beizen und mit dem «Lago» ist Konstanz den Hornern lieb.

Ausserdem ist die Stadt am Bodensee bequem erreichbar mit dem Auto, dem Velo, dem Zug oder mit dem Schiff.

Horn gehörte weiland dem Bischof von Konstanz

Die Verbindung von Horn zu Konstanz oder umgekehrt geht ins Mittelalter zurück. Im Klingenberger Urbar der bischöflich-konstanzischen Einkünfte aus dem Jahr 1302 bildet der Kelnhof in Horn eine eigenständige Einheit, wie der Historiker Johannes Huber im 2009 erschienenen Buch «Horn am Bodensee» schreibt.

Allerdings war der konstanzische Hof Horn zu diesem Zeitpunkt vom Bischof an die Herren von Sulzberg verpfändet, die seit dem 13.Jahrhundert das gleichnamige Schloss oberhalb Goldachs bewohnten.

Der Grund der Verpfändung Horns könne in finanziellen Problemen des Bischofs von Konstanz vermutet werden.

Das schreibt Huber. Letztlich bleibe das aber unklar.

Die Bischöfe von Konstanz verpfändete den Hof Horn im 14.Jahrhundert immer wieder an andere Herrschaften: 1397 legte Bischof Burkard I. von Hewen die halbe Vogtei über den Hof Horn mit Leuten und Gütern in die Hand von Eglolf von Rorschach. Wenig später setzte bei den Ministerialen von Rorschach der wirtschaftliche Niedergang ein, wie Johannes Huber schreibt. Sie verkauften ihr Schloss oberhalb des Marktortes und gleichzeitig die Vogtei Horn anno 1449 an die Abtei St.Gallen. In deren Besitz blieb Horn lediglich 14 Jahre.

Das benachbarte Obergoldach bildete gemäss Huber seit dem Hochmittelalter ein konstanzisches Gericht und Lehen. Der Vogteisitz war Schluss Sulzberg. Der damalige Abt von St.Gallen, Ulrich Rösch, erkannte die Bedeutung der Lage von Obergoldach zwischen dem Hafenort Rorschach und der Klosterstadt St.Gallen. Er trieb deshalb die Eingliederung dieses Gerichts in den st.-gallischen Klosterstaat voran.

Abtausch im Jahr 1463

1463 tauschten St.Gallen und Konstanz ihre Lehensherrschaft über Horn und über Obergoldach aus; denn...

Horn lag für das Kloster St.Gallen nicht nur abseits, sondern auch ausserhalb aller Möglichkeiten, über dieses Gebiet die Hochgerichtsbarkeit zu erlangen.

So die Formulierung von Huber in «Horn am Bodensee» . Und die Erlangung dieses Rechts war nötig zur Staatsbildung. Mit diesem Abtausch schlug Horn den Weg in eine thurgauische Zukunft ein.

Zur Exklave wurde Horn noch etwas später. Nach dem St.Gallerkrieg musste die Stadt St.Gallen Steinach 1490 an die Schirmorte des Klosters St.Gallen abtreten. Diese verkauften Steinach noch im selben Jahr an die Abtei St.Gallen. 1490 schloss sich gemäss dem Historiker Johannes Huber der Ring stift-st.-gallischer Gemeinwesen um Horn. Da diese zum st.-gallischen Fürstenstaat gehörten und somit der gleichen Herrschaft unterstanden, bildete Horn seither deutlicher denn je eine Exklave.