Speis und Trank waren im mittelalterlichen Konstanz Luxusgut

Auf einer Stadtführung durch Konstanz erzählt Maren Siegmann von den Essgewohnheiten im Mittelalter und verrät wo sich die wichtigsten Marktstätten befanden.

Geraldine Bohne
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Mittelalterliche Essenszubereitung über dem Feuer. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mittelalterliche Essenszubereitung über dem Feuer. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mitte des 15. Jahrhunderts war Konstanz Treffpunkt einer Versammlung der Kirchenführung, dem Konzil. 72'000 Besucher weilten während dieser Zeit am Bodensee. Das Konzil Gebäude am Hafen erinnert an die mittelalterliche Zeit. «Der Hafen war das wirtschaftliche Herz. Hierhin kamen Lebensmittel und Gegenstände aus aller Welt», sagt Stadtführerin und Archäologin Maren Siegmann.

Bei den vielen Besuchern musste die Stadt ordentlich Esswaren liefern lassen. So stiegen auch die Preise in der Stadt, Konstanz wurde teuer. Die meisten Besucher des Konzils konnten es sich leisten, denn sie gehörten zur Oberschicht.

Brot für alle

Brot war das Hauptnahrungsmittel schlechthin. Für die untere Schicht waren Brot und Wein oftmals die einzige Nahrung. Die obere Schicht ass Brot als Beilage zu jeder Mahlzeit.

«Ein Brot konnten sich zu dieser Zeit aber auch Wenigverdiener leisten, denn es gab immer Brot, welches man mit der günstigsten Münze kaufen konnte»

Gutes Essen gab es nur für die Reichen. Diese unterhielten eigene Kochstellen und Köche. «Der Leibkoch war zugleich auch Leibarzt. Er musste anhand der Viersäftelehre kochen, um das Gleichgewicht im Körper nicht auseinanderzubringen.» Die Köche hatten Listen mit den Wirkungen jedes einzelnen Lebensmittels. Es existieren etwa 1800 Rezepte aus dieser Zeit.

Sie trieben die Rinder aus Ungarn nach Deutschland


«Die gute mittelalterliche Küche war von den Gewürzen her, wie die indische Küche», sagt die Stadtführerin. Safran war damals ein wohlbekanntes Gewürz. Es wurde am Rhein angebaut. Man ass auch kandierte Gewürze, sogenanntes «Konfekt». Kräuter und Gewürze bekam man in der Apotheke.

Den Einkauf verrichteten die Leute aber nicht nur in der Apotheke, in der Konstanzer Innenstadt gab es ausserdem eine Fleischbank. Metzger durften ihr Fleisch dort verkaufen. «Der Metzger musste sich aber jede Woche auf eine Tierart beschränken, welche er dann in dieser Woche schlachtete.» Das hatte vor allem hygienische Gründe. Schweinefleisch und Huhn galten im Mittelalter als Luxusgüter. Daher wurde viel Rindfleisch gegessen.

Um den Bedarf zu decken, wurden gleich ganze Rinderherden aus Ungarn nach Deutschland getrieben und im Land geschlachtet.

«Der Mythos von Gammelfleisch im Mittelalter stimmt nicht. Alles war immer sehr frisch»
Maren Siegmann ist Stadtführerin und Archäologin in Konstanz. (Bild: PD)

Maren Siegmann ist Stadtführerin und Archäologin in Konstanz. (Bild: PD)

Der Fleischkonsum war aber nicht so gross wie heute, denn die Menschen assen an maximal 100 Tagen Fleisch.
An den Festmählern ausserhalb der Fastenzeit schlug man sich gehörig den Bauch voll. Einkaufslisten zeigen, dass 750 Gramm Fleisch pro Person für ein Festmahl berechnet wurden. Die Reste der Speisen gingen an das Bettel-Volk.

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