Schweizer Grenzgänger: «Der Arbeitgeber ist mir wichtiger als der Ort»

Professor Michael Grossniklaus wohnt in Kreuzlingen und geht für seine Arbeit jeden Tag über die Grenze. Der 42-Jährige arbeitet an der Universität Konstanz. Grossniklaus erzählt von den Vorteilen und Schwierigkeiten, die er als Grenzgänger hat.

Dinah Hauser
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Michael Grossniklaus ist Professor an der Universität Konstanz, wohnt aber in Kreuzlingen. (Bild: Reto Martin)

Michael Grossniklaus ist Professor an der Universität Konstanz, wohnt aber in Kreuzlingen. (Bild: Reto Martin)

Wieso arbeiten Sie in Deutschland und leben in der Schweiz?

Ich bin eher zufällig in der Ostschweiz gelandet. Mir ging es darum, eine Professur in meinem Bereich zu finden, an einer Universität, die zu mir passt. Ein guter Arbeitgeber ist mir wichtiger als der Standort. Bei der Universität Konstanz hatte ich von Anfang an ein gutes Gefühl.

Eine Wohnung in Konstanz war keine Option für Sie?

Leider war die Wohnungssuche in Konstanz erfolglos. Da ich rasch umziehen musste, kam ich auf die Idee in Kreuzlingen zu suchen. Und prompt hatte ich eine super Wohnung zu einem super Preis. Die Gedanken wegen Steuern und Bewilligungen kamen dann erst später auf.

Gibt es auch Vorteile in der Schweiz zu leben?

Als Single habe ich in der Schweiz einen Steuervorteil. Wenn ich Familie hätte, würde ich mir überlegen nach Deutschland zu ziehen. Da bezahlt man zwar ein wenig mehr, aber es lohnt sich dann auch. Zum Beispiel ist in Deutschland die Kinderbetreuung günstiger.

Und Nachteile?

Ein Nachteil davon ist der längere Arbeitsweg. Seit zwei Jahren gehe ich nun eine Stunde zu Fuss zur Arbeit, das ist mein tägliches Sportprogramm. Aber: für einen ähnlichen Arbeitgeber wie die Universität Konstanz, würde ich die Entscheidung, in Deutschland zu arbeiten, jederzeit wiederholen.

War der bürokratische Aufwand als Grenzgänger gross?

Die Bürokratie hält sich in Grenzen. Ich nahm sie nie als aufwendig wahr. Zudem sind die Gesetze für Grenzgänger super geregelt und alle Beteiligten wissen Bescheid. Ich musste mich also nicht gross um den Papierkram kümmern.

Wie reagieren Ihre Studenten darauf, dass Sie aus der Schweiz kommen?

Die Studenten finden es toll, dass ich an der Universität Konstanz unterrichte. Es wird auch immer wieder gefragt, ob ich eine Vorlesung auf Schweizerdeutsch halten könne. Das geht leider nicht, da ich Rücksicht auf internationale Studierende nehmen muss.