Interview

Konstanzer Oberbürgermeister:  «Kreuzlingen und der Thurgau sind seit ich denken kann ein Stück meines Lebensumfeldes»

Ulrich Burchardt, Konstanzer Oberbürgermeister seit 2012, hat eine enge Beziehung zum Thurgau. Er sagt im Interview, was in Kreuzlinger Behörden anders läuft als in Konstanz.

Sheila Eggmann
Drucken
Teilen
Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt im Jahr 2013. (Bild: Nana do Carmo)

Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt im Jahr 2013. (Bild: Nana do Carmo)

Sie sind an der Grenze zur Schweiz aufgewachsen. Wie war Ihre Beziehung zur Schweiz als Kind?

Ulrich Burchardt: Kreuzlingen und der Thurgau sind seit ich denken kann ein Stück meines Lebensumfeldes. Das Einkaufen in der Schweiz, zum Beispiel in der Migros, war ein regelmässiges Ritual. Meine Mutter war Lehrerin an der Kantonsschule in Kreuzlingen, der frühere Kreuzlinger Stadtammann Josef Bieri war also ein Kollege von ihr. Ich kenne ihn, seit ich ein kleines Kind bin.

Was verbindet Konstanz mit dem Thurgau?

Mehr als historisch wechselnde Einkaufsströme. Es gibt Verwandtschaften und Freundschaften über die Grenze hinweg, Zusammenarbeit in Vereinen und kulturellen Projekten, Inspirationen durch Einrichtungen wie die Kartause Ittingen oder den Arenenberg. Und für Bern wie für Berlin gelten wir als ziemlich weit weg vom politischen Zentrum. Das verbindet uns als Partner, wenn es darum geht, die Anliegen der Grenzregionen zur Sprache zu bringen.

Zum Einkaufstourismus: Wo sehen Sie positive, wo negative Seiten?

Konstanz hat nicht zuletzt dank dem Umsatz aus der Schweiz eine lebhafte und gesunde Innenstadt und ein grosses Einzelhandelsangebot. Klar, an manchen Tagen ist die Stadt auch sehr voll. Aber besser eine volle Stadt, als eine leere. Es gibt zahlreiche Kollegen von mir, die beneiden mich um unsere Probleme.

Was funktioniert in Kreuzlinger Behörden anders als in Konstanz?

Ich erlebe die Kreuzlinger Verwaltung immer als sehr konstruktiv und kooperativ. Was bei ersten Kontakten irritieren kann, sind gleiche Namen für unterschiedliche Funktionen. Zum Beispiel die Bezeichnung «Stadtrat»: in Kreuzlingen Mitglied der Exekutive mit einem eigenen Geschäftskreis. Bei uns ist das ein «Dezernent». Ein Stadtrat ist in Konstanz ein Mitglied des Gemeinderats, also des städtischen Parlaments.

Zwischen der Schweiz und Deutschland kann man meist unkontrolliert über die Grenze spazieren.

Ja. Ich bin ein Fan unserer offenen Grenze und ich wünsche mir, dass sich diese Offenheit nie mehr ändert.

Was kennen die Thurgauer noch nicht in Konstanz?

Das alte Kloster Sankt Katharina im Mainauwald. Oder der Burghof in Wallhausen. Beides sind sehr schöne Ausflugsziele.

Burchardt wird Chef im Rathaus

KONSTANZ. Die Spannung war schnell verflogen. Als gestern nach 18 Uhr die ersten Ergebnisse aus den Stadtbezirken im Konstanzer Rathaus eintrafen, zeigte sich schnell, wer das Rennen machen würde. Der neue Oberbürgermeister der Kreuzlinger Nachbarstadt heisst Uli Burchardt.