Klub der jungen Dichter
Rang 2 Kategorie Primar: Die frechen Eichhörnchen

Neil Ulrich aus Inwil schreibt im «Klub der jungen Dichter» über die Begegnung mit einem ziemlich hartgesottenen Nagetier. Ob das alles so laufen wird, wie geplant?

Neil Ulrich, Inwil, 5. Primar
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Neil Ulrich, Inwil.

Neil Ulrich, Inwil.

Auf der Waldlichtung entdeckte ich ein Eichhörnchen, das ein T-Shirt anhatte. «Siehst du das?», fragte ich meinen Bruder. Aber der war plötzlich verschwunden. Anton war weg, wie vom Erdboden verschluckt. Ich suchte verzweifelt nach ihm, schrie seinen Namen, aber er war nirgends zu finden.

Da kam das Eichhörnchen mit dem T-Shirt auf mich zu. Ich traute meinen Augen nicht, das Eichhörnchen hatte sogar Tätowierungen im Fell. Ein richtiges Gangster-Eichhörnchen. Dass es so was gibt! «Suchst du Anton?», fragte das Eichhörnchen frech. Ich zögerte etwas, nickte dann. «Ich bin Freddy, der Anführer der Eichhörnchen-Bande hier im Wald. Deinen Bruder haben wir mitgenommen.» «Echt jetzt», sagte ich erstaunt. «Hol bitte meinen Bruder, ich will nach Hause», sagte ich entschlossen. Freddy kicherte laut: «Zuerst bringst du mir und meiner Bande 10 Kilo leckere und edle Nüsse vom Feinkostladen, verstanden? Sonst siehst du deinen Bruder nie wieder. Du hast genau eine Stunde Zeit.»

Ich merkte, wie ernst die Lage war, und dachte mir: «Nur los und Nüsse kaufen!» Ich musste doch Anton unbedingt retten. Nach einer Stunde kam ich ausser Puste und überladen mit vollen Säcken wieder in den Wald. «Hier, ihr gierigen Eichhörnchen, da habt ihr eure Nüsse. Nun will ich meinen Bruder zurück.» Da kam Freddy mit seiner Bande über die Tannen gesprungen herab. «Das hast du sehr gut gemacht, Bruno», meinte Freddy schmunzelnd. «Los, komm, ich zeige dir, wo dein Bruder ist.»

Illustration:
Tiemo Wydler

Als sie etwa 5 Minuten am Laufen waren, redete Freddy nichts mehr. Bruno guckte sich um. Freddy war spurlos verschwunden. Ich ging zurück an den Ort mit den Nüssen, aber da war nichts mehr. Keine Nüsse, nur noch leere Säcke. Ich wurde sehr wütend auf die Eichhörnchen. Es war schon spät und es wurde dunkel. Ich musste meine Eltern in das Problem einweihen. Ich rannte schnell und verwirrt nach Hause.

Dort angekommen traute ich meinen Augen nicht. Anton sass am Tisch und ass ein leckeres Nutella-Brot. «Anton, wo warst du?», fragte ich ganz entsetzt. Anton gab gelassen zurück: «In meiner ersten Musikstunde, das habe ich dir doch gesagt.» Ich war verwirrt. Diese Eichhörnchen hatten mich schön an der Nase herumgeführt. Na, wartet nur, Rache ist süss!

Pieps, pieps, pieps … grelles Licht floss in meine Augen, wo war ich? Ich sah meine Mutter und einen Mann in einem weissen Anzug. «Wo bin ich?», fragte ich erschrocken. Meine Mutter erzählte mir, dass ich im Spital sei und eine Gehirnerschütterung habe, weil ich vom Baum gefallen bin. Ich musste trotz heftiger Kopfschmerzen etwas grinsen und dachte, ob ich wohl einmal dem Eichhörnchen Freddy begegnen würde.

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