Langendorf
Trotz guter Rechnung besteht kein Grund zur Euphorie

Langendorfs Rechnung 2013 verzeichnet grosse Einnahmen und schliesst mit einem Ertragsüberschuss. Trotzdem: Nächstes Jahr wird es womöglich ganz anders aussehen, eine Steuererhöhung droht.

Lea Reimann
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Trotz des guten Jahresabschluss steht nächstes Jahr unter Umständen eine Steuererhöhung an.

Trotz des guten Jahresabschluss steht nächstes Jahr unter Umständen eine Steuererhöhung an.

Oliver Menge

«Wir haben es mit einer guten oder sogar sehr guten Rechnung zu tun, jedoch auch mit einem grossen Aber», sagte Gemeindeverwalter Kurt Kohl. Einige Positionen seien nämlich nicht nachhaltig.

Durch den Verkauf der ehemaligen Musikschullokalitäten ans Alters- und Pflegeheim Ischimatt konnte beispielsweise ein einmaliger Buchgewinn von 1,28 Millionen Franken realisiert werden.

Dieser beschönige nun das Rechnungsresultat. Ausserdem seien die Steuernachtaxationen für die Jahre 2010 bis 2012 massiv höher als erwartet. Dadurch war es möglich, für die eventuell anstehende Ausfinanzierung des Deckungsfehlbetrages der kantonalen Pensionskasse eine Rückstellung von 1,16 Millionen Franken zu bilden.

Der Rat ist zwar gegen die Finanzierung durch die Gemeinden, will aber vorbereitet sein, sofern die Ausfinanzierung tatsächlich an den Gemeinden hängen bleiben wird. Im Weiteren konnten ebenfalls aufgrund des guten Jahresergebnisses die vom Kanton maximal erlaubten Abschreibungen von 20 Prozent getätigt werden.

Die Rechnung schliesst somit mit einem Ertragsüberschuss von 276 Franken bei einem Gesamtaufwand von rund 19 Millionen Franken. Auch Rolf Truninger von der Finanzkommission machte deutlich: «Wir stehen immer noch in derselben Position wie 2012, nämlich am Rande eines strukturellen Defizits.»

Die Steuererträge werden kaum so hoch bleiben. Kurt Kohl bekräftigte: «Wenn wir die Sonderfaktoren dieser Rechnung ausschliessen, kämen wir auf einen Aufwandüberschuss von rund 250 000 Franken.» Man komme wohl kaum darum herum, im Herbst 2015 über eine Steuererhöhung zu diskutieren.

Die Nettoinvestitionszunahme beträgt 1,378 Millionen Franken, der Selbstfinanzierungsgrad beläuft sich auf 118 Prozent. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt mit 885 Franken um 86 Franken tiefer als vor einem Jahr.

Braucht es die Kulturkommission?

Im Rahmen der Überprüfung aller freiwilligen Leistungsfelder der Gemeinde diskutierte der Rat den Bereich «Kultur und Vereine». Unklar war in erster Linie die Zukunft der Kulturkommission.

Soll sie weiter bestehen oder nicht? Anlass zu einer solchen Frage gibt vor allem ein Grund: die Nähe zur Stadt. «Die Einwohner von Langendorf nutzen das kulturelle Angebot der Stadt überdurchschnittlich stark», so Gemeindepräsident Hans-Peter Berger.

Die zuständige Arbeitsgruppe schlug deshalb vor, die Kulturkommission aufzulösen. Als Variante B sieht die Arbeitsgruppe auch die Möglichkeit, die Kommission zu verkleinern und dafür andere Leistungen auszurichten.

Das heisst: keine Organisation von Anlässen mehr, dafür eine Funktion als vorbereitendes Gremium für einen Projektfonds für Kulturbeiträge, Würdigungen und Ähnlichem. Bevor der Gemeinderat nächsten Montag weiter darüber beraten will, sucht er das Gespräch mit der Kulturkommission.

Sparpotenzial sah die Arbeitsgruppe auch im Bereich der regionalen Kultur und schlug vor, die Beiträge an das Stadttheater, die Zentral-
bibliothek und das Alte Spital um 30 Prozent zu kürzen.

So könnten 24 150 Franken gespart werden. Während einige Ratsmitglieder vehement gegen diese Kürzung sprachen, waren andere der Meinung, dass sie gerechtfertigt sei, da man nämlich schlicht das Geld nicht habe.

Nachdem die globale Kürzung um 30 Prozent abgelehnt wurde, stimmte der Rat auf Antrag des Gemeindepräsidenten einzeln über die Institutionen ab. Während die Beiträge an Zentralbibliothek und Theater unverändert bleiben sollen, steht das Alte Spital noch auf der Kippe. Der Rat beschloss, sich den Betrieb vor Ort genauer anzuschauen und schliesslich weiter zu beraten.

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