Vernissage
Storchenvater Max Bloesch wird mit einem Film geehrt

Im Infozentrum Witi Altreu läuft neu ein Film über Max Bloesch und seine Weissstörche. In einem 12-minütigen Dokumentarfilm wurde das schaffen des Storchenvaters verewigt und sein Andenken geehrt.

Simon Binz
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Max Bloesch setzte sich bis zu seinem Tod 1997 für die Störche ein.
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Storchenvater Max Bloesch wird mit einem Film geehrt.
Da wird der Storchennachwuchs auch schon Mal mit der Hand gefüttert.
Zwei Vögel ganz unterschiedlicher Natur.
Seit 1960 ist die zahl an Brutpaaren schweizweit stark gestiegen.
Ein neugieriges Jungtier.

Max Bloesch setzte sich bis zu seinem Tod 1997 für die Störche ein.

Zur Verfügung gestellt

Warum klappert der Storch? Die Erklärung ist einfach: Er begrüsst damit seine Artgenossen. Auch am Donnerstagabend klapperten die Störche hoch oben auf ihren Horsten, als sich gut 40 Menschen beim Infozentrum Witi Altreu versammelten.

Wahrscheinlich wussten die Vögel, dass sie an diesem Abend zusammen mit Max Bloesch im Mittelpunkt stehen würden. Der Anlass war nämlich eine spezielle Ehrung für Bloesch und seine Weisstörche: Das Schaffen des «Storchenvaters» wurde mit einem 12-minütigen Dokumentarfilm verewigt.

Die Beteiligten (Sohn Jürg Bloesch, die Vereine «Für üsi Witi» und «Storch Schweiz» sowie Regisseur Tom Kummer und Grafiker Markus Capirone) haben damit das Lebenswerk des von Bloesch für die Nachwelt dokumentiert. Der Film ist ein Blick zurück, auf den Erfolg eines der grössten Wiederansiedlungs-Projekte der Schweiz.

1950

Die Weissstörche in der Schweiz sind praktisch ausgestorben. Die Ursachen: intensivierte Landwirtschaft und die Trockenlegung der Felder. Turnlehrer Max Bloesch beobachtet seit Jahren den Bestand der Störche in der Schweiz und sieht die problematische Entwicklung voraus.

Er will nicht tatenlos zusehen und versucht bereits 1948, unter dem Patronat der schweizerischen Vogelwarte Sempach, den Storch in der Schweiz wieder anzusiedeln. Dazu will er Störche zuerst in Gehegen aufziehen und anschliessend auswildern. Max Bloesch erhält die ersten Störche aus dem Elsass.

Er hofft, dass sich aus den etwa 20 Altstörchen Brutpaare bilden würden. Er beabsichtigt, die in Altreu geschlüpften Jungen im Herbst nach Afrika ziehen zu lassen, in der Hoffnung, sie würden nach Erreichen der Geschlechtsreife in die Schweiz zurückkehren, und hier als freie wilde Störche brüten.

Seine Erwartungen wurden abernicht erfüllt. Die Storchenpaare legten keine Eier, oder aber sie waren nicht befruchtet. Erst 1957 kann die erste erfolgreiche Brut in Gefangenschaft gefeiert werden. Noch waren es aber zu wenig Störche, um an eine Auswilderung zu denken.

1955

Max Bloesch lernt den Zürcher TV-Mann Erich Tilgenkamp kennen. Dieser ist vom Wiederansiedlungsversuch begeistert und gewinnt die Air France als Partnerin für eine kühne Idee. Eine grössere Anzahl Jungstörche soll von Algerien nach Altreu gebracht werden.

Der erste Transport von 36 Jungstörchen wird 1955 durchgeführt. Weitere folgen 1959, 1960 und 1961. Insgesamt werden 292 Störche eingeflogen. Altreu wird zum Storchenzentrum. Innerhalb weniger Jahre kommen Aufzuchtstationen in der ganzen Schweiz hinzu. Die Störche hält man in Volieren und füttert sie das ganze Jahr über. Man stutzt ihnen während vier Jahren die Flügel und hindert sie so daran, den risikoreichen Flug nach Afrika anzutreten, um so den Zuchterfolg zu sichern.

1997

Als Max Bloesch 1997 verstarb, wurden in der ganzen Schweiz bereits wieder 170 Brutpaare gezählt. Der Wiederansiedlungsversuch war erfolgreich, und wichtiger Grundstein für die Weiterentewicklung der Population: Heute brüten über 300 Paare in der Schweiz.

Altreu ist noch immer die grösste Station der Schweiz und erhielt von Euronatur im Jahr 2008 die Auszeichnung europäisches Storchendorf. Zwei Jahre vor Bloeschs Tod, läutete der Verein «Storch Schweiz» eine neue Ära ein. Sie stoppten die Fütterung der Störche und liessen die Jungvögel ziehen. So fliegen heute wieder 99 Prozent von ihnen im Herbst in den Süden.

Max Bloesch und seine Störche: Die Geschichte des Wiederansiedlungsversuchs in Altreu. Erhältlich für 25.- in D/F.