Einsprache

Handfester Richtungsstreit im Kloster Dornach

Ein Teil des Vorstands der «Freunde des Klosters Dornach» ist gegen die Umbaupläne des Stiftungsrats.

Oliver Sterchi
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Das Kloster Dornach soll saniert werden.

Das Kloster Dornach soll saniert werden.

Thomas Kramer

Über 25 Jahre ist es her, dass die letzten Kapuzinermönche aus den geschichtsträchtigen Gemäuern des Klosters Dornach ausgezogen sind. Zwar finden dort immer noch Gottesdienste statt, doch inzwischen ist der ehemals rein spirituelle Ort zu einem modernen Begegnungs- und Kulturzentrum geworden.

Dieses betreibt unter dem institutionellen Dach einer Stiftung ein Restaurant und ein Hotel. Während sich der Stiftungsrat um die strategische Ausrichtung der Institution kümmert, leistet der Verein «Freunde des Klosters Dornach» viel ehrenamtliche Arbeit, um die jahrhundertealte Tradition des Klosters zu bewahren. So pflegen die Mitglieder etwa den Klostergarten.

Restaurant soll grösser werden

Doch nun gibt es ernsthafte Differenzen zwischen dem Verein und dem Stiftungsrat: Ein Teil des Vereinsvorstandes, darunter Vize-Präsident Joe Dietlin, wehrt sich per Baueinsprache gegen die Umbaupläne des Stiftungsrates. Dieser hat Ende August beschlossen, die historische Klosteranlage in verschiedenen Bereichen umzubauen und neu zu gestalten. Unter anderem soll das Restaurant vergrössert werden. Dies zulasten der Sakristei, die stattdessen in den Raum verlegt würde, wo sich jetzt die Hotelrezeption befindet. Letztere wiederum soll in einen neuen Glaskubus beim Haupteingang ziehen.

Die Verlegung der Sakristei ist für Dietlin und Mitstreiter der Stein des Anstosses. In der Einsprache bemängeln sie, dass damit die spirituelle Komponente zugunsten des weltlichen Gastrobetriebes weiter in den Hintergrund gedrängt werde – dies stehe im Widerspruch zur Stiftungsurkunde, welche die Fortsetzung der kirchlichen Tradition des Klosters vorschreibe.

Präsident ist für das Projekt

«Mit diesen Umbauplänen verdient es das Kloster nicht mehr, als Kloster bezeichnet zu werden», sagt Dietlin. Vereinspräsident Hans Abt beteiligte sich indes nicht an der Einsprache. Er ist Delegierter der Freunde des Klosters im Stiftungsrat und trägt die Umbaupläne des Gremiums entsprechend mit: «Ich bin für das Projekt, auch wenn ich damit im Vereinsvorstand eine Minderheitsposition vertrete.»

Dietlin und seinen Vorstandskollegen geht es ohnehin nur vordergründig um die konkreten baulichen Massnahmen. Dahinter steckt vielmehr ein Streit um die künftige Ausrichtung der Institution: Soll das Kloster in Zukunft vermehrt auf die wirtschaftlich profitablen Bereiche Gastronomie und Hotellerie setzen, so wie es der Stiftungsrat vorsieht? Oder soll es sich auf seine Wurzeln besinnen und dem Spirituellen mehr Platz einräumen? So jedenfalls will es die Mehrheit des Vereinsvorstands. Neben Dietlin engagieren sich auch die Mitglieder Franzisca Berther und Gabriele Widmer sowie der ehemalige Kirchenrektor Ernst Eggenschwiler für den Erhalt der Sakristei und damit für eine verstärkte Gewichtung der religiösen Komponente.

«Wir beobachten mit Sorge, wie der Stiftungszweck des Klosters vom Stiftungsrat einfach übergangen wird. Es geht uns nicht primär um die Sakristei, sondern um die Ausrichtung des Klosters», bestätigt Berther. Pfarrer Eggenschwiler ergänzt: «Die Akzentverlagerung zur Gastronomie legt den Verdacht nahe, dass die Leute im Stiftungsrat die Grundsatzdokumente gar nicht gelesen haben.» Mit der Baueinsprache wolle man einen Marschhalt erreichen und den Stiftungsrat dazu bringen, die ganze Situation nochmals zu überdenken, sagt Dietlin. «Es braucht jetzt eine Grundsatzdiskussion mit allen Beteiligten», fordert der Vizepräsident.

Vorstand sei informiert worden

Der Widerstand gegen das Bauprojekt kommt jedoch spät. Dessen sei man sich bewusst, gibt Dietlin zu, aber: «Wir haben erst Ende August von den konkreten Umbauplänen erfahren und konnten nicht früher reagieren.» Dies mutet seltsam an, stellen die «Freunde» mit ihrem Vereinspräsidenten Hans Abt doch einen Vertreter im Stiftungsrat. Dieser stellt klar, dass er den Vereinsvorstand bereits sehr früh informiert habe: «Ich habe den Vorstand stets auf dem Laufenden gehalten, was diese Angelegenheit betrifft. Wenn Herr Dietlin etwas anderes behauptet, ist das schlichtweg nicht richtig», erwidert Abt. Gibt es bei den Freunden des Klosters Dornach also ein internes Kommunikationsproblem? Dazu Abt: «Das kommentiere ich nicht.»

Stiftungsratspräsident Lorenz Altenbach weist den Vorwurf der Zweckentfremdung entschieden zurück: «Mit den Umbaumassnahmen findet keine Akzentverschiebung zum Gastrobereich statt. Der religiöse Klosterbetrieb wird gleich weitergehen wie zuvor.» Die Umbauarbeiten seien allein schon aus Feuerschutzgründen dringend angezeigt, bekräftigt Altenbach.