Kriegstetten

Denkmalpflege macht der Gemeinde Strich durch Rechnung

Die Denkmalpflege beurteilt die Substanz der Liegenschaft an der Hauptstrasse 52 als sanierungsfähig. Die Gemeinde könnte das Gebäude erhalten. Ein Neubau hingegen sollte bestimmte Qualitäten aufweisen.

Urs Byland
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Die Liegenschaft an der Hauptstrasse 52 bildet mit der katholischen Kirche gegenüber ein Ensemble.

Die Liegenschaft an der Hauptstrasse 52 bildet mit der katholischen Kirche gegenüber ein Ensemble.

Hanspeter Bärtschi

Die Liegenschaft an der Hauptstrasse 52 kann erhalten werden. Diese Einschätzung gibt das Kantonale Amt für Denkmalschutz und Archäologie nach einem Augenschein vor Ort. Diese Einschätzung wird im Dorf von den Behörden nicht geteilt.

Besonders die Arbeitsgruppe Wohnen im Alter kann die Begründung des Kantonalen Amtes nicht nachvollziehen. «Uns war eigentlich immer klar, dass das Gebäude abbruchreif ist und nicht saniert werden kann. Die Vertreter des Kantons haben am Augenschein aber gegenteilig geredet», erklärt Max Schreier von der Arbeitsgruppe. Tage später hatte die Arbeitsgruppe die Einschätzung der Kantonsvertreter auch schriftlich vorliegen. «Die Grundsubstanz der Baute ist trotz dem jahrzehntelang nicht mehr erfolgten Unterhalt alles andere als abbruchreif.» Ein Erhalt oder Teilerhalt sei durchaus möglich.

Sanierung wäre zu teuer

Nun schreibt die Arbeitsgruppe zurück, dass sie sich dieser «beschönigenden» Beurteilung nicht anschliessen könne. «Selbst für einen Laien ohne Ausbildung in Architektur war anlässlich der Begehung vom 27. Oktober ersichtlich, dass dieses Haus im jetzigen verkommenen Zustand nicht bewohnbar ist. Die katastrophalen hygienischen Zustände des Objektes werden mit keinem Wort erwähnt.» Die Arbeitsgruppe äussert im Antwortschreiben die Ansicht, dass auch mit einer aufwendigen und teuren Renovation kein befriedigendes Resultat erreicht werden könne. Markus Schmid, Architekt beim kantonalen Amt präzisiert: «Wenn die Gemeinde will, kann sie das Gebäude erhalten. Der bauliche Zustand würde dies erlauben.»

Vorschreiben kann das Amt den Erhalt aber nicht, denn das Gebäude steht nicht unter Denkmalsschutz. Schmid zeigt den Weg auf, der gegangen werden müsste, wollte man das Haus abreissen und einen Neubau hinstellen. Ein Ersatz müsste im Rahmen eines Qualitätsverfahrens, beispielsweise einem Architekturwettbewerb, erfolgen. Der Neubau soll bestimmte Qualitäten aufweisen. Einerseits in seiner Stellung im Ortsbild von Kriegstetten gegenüber der katholischen Kirche, andererseits aber auch als Baute. «Wir haben auch nicht ausgeschlossen», so Markus Schmid, «dass der Neubau, obwohl aktuell in der zweigeschossigen Zone mit Gestaltungsplan für einen Ersatzbau, dreigeschossig gebaut werden könnte, wie dies die Gemeinde wirtschaftlich begründet.» Aber einfach abreissen und etwas hinstellen, gehe nicht. Schmid erinnert an das Projekt, das vor zwei Jahren eingereicht wurde und zwei Neubauten auf dem Areal vorsah. «Das war, von der architektonischen Qualität her betrachtet, eher unerfreulich.»

Gemeindepräsident Manfred Küng hatte eine andere Einschätzung erwartet. Noch vor dem Augenschein erklärte er, dass ein Nichtabbruch das Scheitern des Wohnprojekts für das Alter bedeute. «Ich bin enttäuscht.» Die Arbeitsgruppe werde nun analysieren müssen, was als Nächstes unternommen werden kann, und darüber an der Gemeindeversammlung orientieren.