Wild
Wie zwei Thaler die Jagd in Zeiten von Corona erlebt haben

Auch die Jäger mussten sich den Corona-Regeln unterziehen. Zwei Thaler Waidmänner erzählen davon.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Jagd muss sich in Zeiten von Corona ebenfalls anpassen. (Symbolbild)

Die Jagd muss sich in Zeiten von Corona ebenfalls anpassen. (Symbolbild)

SEVERIN BIGLER

Noch bis zum 15. Dezember wird in den Thaler Wäldern gejagt. Wir wollten wissen, ob und wie sich die Jagd unter Corona-Bedingungen verändert hat. «Eigentlich nicht gross», sagt der Aedermannsdörfer Bruno Born, ein erfahrener Jäger. «Wir haben dieses Jahr einfach keine Gäste zu den Jagden eingeladen. Aber ansonsten machen eigentlich alle im gleichen Umfang mit, wie in anderen Jahren. Wir waren mit unserer Jagd bisher erfolgreich und haben unsere Abschusszahlen erreicht», so Born weiter und er glaubt, dass dies auch damit zusammenhängt, dass in seinem Revier heute die Mehrheit der Jäger mit einem Hund unterwegs sei.

Er habe im allgemeinen aber festgestellt, dass das Wild auf den Druck, den es durch Bewegungen im Wald von Spaziergängern und Freizeitsportlern - die wegen Corona dieses Jahr vermehrt im Wald unterwegs waren - erfahre, verbesserte Strategien zum Verstecken gefunden habe». Doch er meint noch: «Es kann auch mit der Anwesenheit des Luchses zu tun haben.»

Mit genügend Abstand am Aserfeuer

Und wie gingen die Jagdkameraden mit der Corona-Gefahr um? «Wir achteten darauf, dass wir Abstand – auch im Wald – haben und dass wir bei gemeinsamen Autofahrten immer Masken tragen.»

Hansueli Bur, Balsthal, Präsident des Reviers 26 Gänsbrunnen fasst seine Sicht zusammen: «Wir hatten eine schöne und erfolgreiche Jagd. Am letzten Samstag haben wir sie in unserem Revier beendet. Das war ein besonders schöner Jagdtag, weil der Wald herrlich eingeschneit ist. Die gesteckten Ziele haben wir erreicht.» Die Corona-Situation habe zwar auch ihre Jagd beeinflusst, doch er präzisiert: «Als Jäger sind wir ja jeweils nur zu Beginn und am Schluss zusammen. Während der Jagd ist man auf sich gestellt und spricht auch nicht miteinander. So war es einfach wichtig, am gemeinsamen Aserfeuer genügend Abstand zu halten, was wir auch durchführen konnten.»

Zwar gab es keine Beglückwünschungen zur erfolgreichen Jagd, wie dies traditionell vorgesehen ist, «doch jeder Jäger weiss auch, dass er dieses Jahr halt einfach ohne Hand-geben seinem Kollegen gratulieren muss.» Sass man zusammen in einem Auto wurde die Maske getragen, sagt auch Bur.

Das Wild weiss sich zu verstecken

Entgegen seinem Kollegen Born stellt Bur in seinem Revier dieses Jahr nicht viel mehr Freizeitaktivitäten fest. «Unser Gebiet wird eigentlich nicht gross von Wanderern genutzt. Allerdings konnten wir feststellen, dass durch die neu eröffnete Biker-Route vom Weissenstein her hin und wieder ein Biker zu sehen war.» Das Wild sei dadurch aber bestimmt nicht beeinträchtigt worden, meint Bur weiter.

Auch er hält aber fest, dass sich die Tiere im Wald vermehrt zurückzuziehen wissen. «Ob das nun mit der Jagd, dem Tourismusverhalten oder dem Luchs zusammenhängt, kann man nicht eindeutig sagen», meint er. Doch sei man beispielsweise bei der Gemsjagd dieses Jahr gar nicht erfolgreich gewesen.
Als aussergewöhnlich beschreibt Bur den Fund eines verendeten Hirschen, den man im Grenzgebiet zwischen Gänsbrunnen und Welschenrohr aufgefunden habe. «Das Tier wurde wahrscheinlich von einem Auto angefahren und floh dann in den Wald, wo es starb», ist der Balsthaler überzeugt. «Es war ein Hirsch, der vermutlich vom Norden her ins Thal eingewandert ist.»

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