Geschichte

Wie die Balsthaler zu sauberem Wasser kamen

Die Quelle beim Balsthaler Friedhof wird saniert. Grund für einen Blick in die Geschichte der Balsthaler Wasserversorgung.

Peter Wetzel
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Von der Friedhofquelle sind heute nur noch die Schächte sichtbar. Die unterirdischen Fassungsstränge werden saniert.

Von der Friedhofquelle sind heute nur noch die Schächte sichtbar. Die unterirdischen Fassungsstränge werden saniert.

Peter Wetzel

In früheren Zeiten entsprang westlich der Friedhofskirche Balsthal eine Quelle, deren Wasser die heutige Dorfgasse, dann die Goldgasse hinunter und später hinter dem Gasthof Kreuz in den Augstbach floss. Es war naheliegend, dass die Bewohner der Gold- und Dorfgasse vom Dorfbächlein profitieren konnten. Wer hatte damals schon frisches Wasser direkt vor dem Haus? Aber gemäss einer Sage waren die Anwohner nicht zufrieden, vor allem seit dem Zeitpunkt, als sie im Dorfbächlein Goldkörner entdeckt hatten.

Gemäss der Sage ging ein richtiges Goldfieber durch das Dorf, sodass die Bauern vor lauter Goldwaschen vergassen das Vieh zu besorgen und die Felder zu bestellen. Sie bemerkten nicht einmal das drohende Gewitter, welches sich zwischen Kasten und Holzfluh zusammenbraute. Der anschliessende Wolkenbruch überschwemmte das Gebiet unterhalb des Friedhofs mit Wasser, Gestein und Schlamm, der vermeintliche Goldbach wurde zugeschüttet – eine Strafe Gottes!

Was heute noch an diese Geschichte erinnert, sind der Strassenname Goldgasse und die Wasserrinne vor der Raiffeisenbank. Die Rinne aus Bsetzisteinen, mitten in der Dorfgasse, erinnert an das einstige Dorfbächlein. Wer gut hinschaut, entdeckt in der Nähe des Malateliers von Margarita Flad in dieser Rinne ein paar gläserne Bsetzisteine mit «wertvollem» Inhalt.

Wie sich die Bewohner mit frischem Wasser versorgten

Wasser wurde früher hauptsächlich aus Bächen geholt, später dann auch mit Holzdünkeln (ausgebohrten Holzstämmen) unterirdisch zu den wenigen Dorfbrunnen geleitet.

Reste von Holzdünkeln, wie man sie früher als Wasserrohre verwendete.

Reste von Holzdünkeln, wie man sie früher als Wasserrohre verwendete.

Kurt Heutschi

Der erste Brunnen in Balsthal soll aus dem Jahr 1485 beim damaligen alten Kornhaus, das direkt an das Gasthaus Löwen angebaut war, gestanden haben. Das Wasser stammte aus dem Gebiet «Rütti» südlich von Balsthal. Ein zweiter Brunnen wurde 1619 erwähnt. Dieser stand an der Abzweigung Gold- und Schmiedengasse und wurde vom Dorfbächleingespeist.

Gewässer- und auch Brunnenverschmutzung war ein stetig wiederkehrendes Problem. Der Gemeinderat liess im Dezember 1874 in der Balsthaler Lokalzeitung folgendes Verbot erscheinen: «Der Gemeinderat von Balsthal bringt in Erinnerung, dass es verboten, bei den öffentlichen Brunnen und deren Schaalen Fenster, Möbel, Flaschen, Gemüse u. v. a. mehr zu waschen oder zu reinigen; besonders strenge wird das Reinigen von sogenanntem ‹Gedärm› untersagt. Die bestellten Brunnenaufsichter, alle redlichen Einwohner und hauptsächlich der Brunnenmeister werden streng aufgefordert, diesem Unwesen zu steuern und jeden, der auf irgendeine Art einen Brunnen verunreinigt, zu verzeigen.»

Die erste öffentliche Wasserversorgung

Die Quelle beim Friedhof wurde von 1863 bis 1869 in einem Stollen gefasst und in ein daneben erstelltes Reservoir mit 50 m3 Fassungsvermögen eingeleitet. Damit war der Grundstein für die erste öffentliche Wasserversorgung von Balsthal gelegt worden. An Stelle der Holzrohre kamen nun Gussrohre zum Einsatz. Mit der Entwicklung des Dorfes stieg der Bedarf an Wasser. 1898 musste das Friedhofreservoir den neuen Gegebenheiten angepasst werden und an der gleichen Stelle entstand ein Neubau mit einem Fassungsvermögen von 150 m3.

Der Rest einer alten Gussrohrleitung, die 2015 zum Vorschein kam.

Der Rest einer alten Gussrohrleitung, die 2015 zum Vorschein kam.

Kurt Heutschi

Dieses Reservoir diente der Wasserversorgung fast 70 Jahre. 1965 musste es der Friedhofserweiterung weichen. Schon 1913 bis 1915 konnte oberhalb des Friedhofreservoirs eine weitere, ergiebigere Quelle erschlossen werden: die Palmenquelle. In unmittelbarer Nähe wurde ein neues Reservoir erstellt, welches ein Fassungsvermögen von 2 mal 250 m3 Wasser aufwies. Das Wasser der Friedhofquelle wird auch heute noch gefasst und ins Palmenreservoir gepumpt, das im Jahr 1998 an neuer Stelle errichtet wurde. Heute sind nur noch die zwei Schächte der Quelle und der Pumpstation sichtbar.

Jetzt muss die Friedhofquelle saniert werden. Der Gemeinderat stimmte an seiner letzten Sitzung einer Kreditfreigabe von 140000 Franken zu. Das Projekt sieht das Fassen der Quellaustritte vor. Die Fassungsstränge werden in eine Sammelbrunnstube eingeleitet. Die bestehende Ableitung zum Reservoir wird ersetzt. Mit in den Graben wird eine Schmutzwasserleitung sowie ein Leerrohr für die elektrische Versorgung eingelegt. Die Schmutzwasserleitung soll dazu dienen, dass bei einem Havariefall die neu gefasste Quelle verworfen und der Schmutzwasserleitung beim Friedhof zugeführt werden könnte. Das Fussweglein vom Friedhof bis zum Oberbergweg ist während der Bauzeit gesperrt.

Quellen: «Bauschtler Gschichte» 2015, Balsthaler Dorfgeschichte, Sagen und Erzählungen aus Balsthal, Balsthaler Bote, Unterlagen Gemeinderat.