Aus Thaler Sicht

Privilegiert, im Thal zu wohnen

Markus Schindelholz
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Markus Schindelholz, Balsthal / Geschäftsführer der OeBB (Archivbild)

Markus Schindelholz, Balsthal / Geschäftsführer der OeBB (Archivbild)

zvg

Eigentlich sind wir privilegiert, im Thal wohnen zu dürfen. Unmittelbar nach der Klus ist man in einer völlig anderen Welt. Nach nur ein paar wenigen Kilometern ist man weit weg von der Hektik und dem Lärm des Mittellandes. Im Thal hat es alles, was man braucht.

Es hat genügend Einkaufsmöglichkeiten, für die Gesundheit sorgen Arztpraxen, Drogerie, Apotheke und die Spitex, wir haben gute Schulen bis hoch in die Stufe P, ein äussert aktives und grosses Vereins- und Freizeitwesen. Die Natur ist wunderbar, die Wälder und die Juraketten laden zum Verweilen ein. Wir haben, wie man so schön sagt, ein richtiges Naherholungsgebiet. Wenn dann noch das Wetter so schön ist wie in den letzten Wochen, können wir das Thal auch noch nach Feierabend geniessen. Dies vor allem jene, die auswärts arbeiten oder arbeiten müssen.

Ja, da haben wir leider auch etwas einen Nachteil im Thal. Es hat zwar Arbeitsplätze, aber längst nicht mehr so viele wie vor Jahren. Somit sind viele Thalerinnen und Thaler Arbeitspendler geworden. Gerade auf diese Pendler sind wir jedoch wiederum angewiesen. Alles, was sie extern verdienen, versteuern sie schliesslich in unserer Region. Dass unsere Steuerbelastung jedoch zu den höchsten im Kanton gehört, zeigt jedoch wiederum, dass das Pro-Kopf-Einkommen im Thal tiefer ist als an anderen Orten und es weniger juristische Steuerzahler hat. Zum Glück gibt es da den kantonalen Ausgleich, sonst wären die Steuern noch höher. Und zum Glück haben wir die Arbeitspendler, welche hier wohnen und Steuern bezahlen.

Nur haben alle Thaler Pendler das gleiche Problem, sie müssen am Morgen durch die Engnis Klus in die weite Arbeitswelt reisen und am Abend wieder zurück. Dass dies machen, beobachten wir am Abend und immer mehr auch am Morgen in der Klus. Besonders jene Leute, die selbst in der Klus wohnen. Und das sind nicht wenige. Ich staunte nicht schlecht, als ich kürzlich erfuhr, wie viele Haushaltungen es zwischen dem Restaurant Burg und dem Schmelzihof doch noch gibt.

Bei einem Gespräch mit einem Anwohner in der Klus, erfuhr ich kürzlich etwas Besonderes. Dieser stört sich nicht primär an den Kolonnen morgens und abends. Die Geschwindigkeit ist tief und es geht auch mal wieder vorbei. Besonders stört ihn jedoch der Verkehr an einem Samstag. Dann rauschen scheinbar auch alle nicht Thaler Berufspendler den ganzen Tag durch die Klus hin und her. Fast unaufhörlich jagen sich die Fahrzeuge durch das Engins. Zwar verteilt auf den ganzen Tag, dafür unaufhörlich. Ich frage mich manchmal schon, wohin die Leute an diesen Tagen alle fahren, wenn wir doch eigentlich hier alles haben, was wir brauchen.

Interessant sind aktuell auch die Diskussionen und Meinungen zur Kreditvorlage des Regierungsrates, die als Leserbriefe, auf Facebook oder am Tisch kundgetan werden. Auf der einen Seite hoch emotional, auf der anderen Seite rein faktenbasiert. Wie sollen wir zukünftig mit dem Engnis Klus umgehen?

Es bleibt spannend, die Argumente für und gegen eine Verkehrsanbindung Thal zu verfolgen. Spätestens im nächsten Sommer sollten wir es wissen, wenn nach dem Zustandekommen des fakultativen Referendums nicht nur die Thaler, sondern der ganze Kanton darüber befinden darf. Was im Übrigen richtig ist: Schliesslich bezahlt der Kanton 90 Prozent des Projektes.

So oder so: Die Natur im Thal ist und bleibt schön, wir sind privilegiert, hier zu wohnen, die Frage ist nur, wann und wie wir dies geniessen können.