Thal-Gäu

Narren lassen sich ein Türchen offen — definitiver Entscheid steht noch aus

Nachdem Olten die Fasnacht abgesagt hat, stehen die Fasnachtshochburgen im Thal-Gäu unter Druck. Der endgültige Entscheid steht aus.

Yann Schlegel
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Gut möglich, dass die Party in den Gassen Wolfwils in diesem Jahr ausfällt.

Gut möglich, dass die Party in den Gassen Wolfwils in diesem Jahr ausfällt.

Patrick Luethy

Ein kleines Beben löste die Nachricht vom Montag aus: keine Fasnacht in Olten. Ein Entscheid mit Signalwirkung?

Für die närrischen Orte im Thal-Gäu lässt sich diese Frage noch nicht endgültig beantworten. Vieles deutet aber daraufhin, dass auch hier im nächsten Jahr keine ordentliche Fasnacht stattfinden wird. Die Verantwortlichen wählen rund sechs Monate vor der traditionellen Fasnachtswoche vorsichtige Worte. «Für uns gilt primär, keine Risiken einzugehen», sagt etwa Raphael Kissling, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Wolfwil.

Ob die Fasnacht und mit ihr der Gäuer Umzug in irgendeiner Form stattfindet oder nicht, will die Fasnachtgesellschaft Mitte Oktober festlegen. Dies teilten die Organisatoren per Vorinformation auch den möglichen Umzugsteilnehmern mit. So bliebe etwa den Wagenbauern noch genügend Zeit, wie Kissling sagt. Da der Kanton die Dorfstrasse in Neuendorf saniert, fände der Umzug – nicht turnusgemäss – wieder in Wolfwil statt (wir berichteten).

Organisatoren geben sich wenig optimistisch

Der Entscheid aus Olten kam zu diesem frühen Zeitpunkt für die Wolfwiler Fasnachtsgesellschaft ein wenig überraschend, war aber zugleich nachvollziehbar, «da dort noch viel mehr Menschen beteiligt sind», so Kissling. «Momentan ist es schwierig, Grossanlässe zu planen.»

Wenn sich die Lage nicht verbessere, werde sich daran auch nichts ändern. Nur schon der Gäuer Umzug zählte im vergangenen Jahr fast 3000 Besucherinnen und Besucher.

Bereits abgesagt hat Wolfwil den traditionellen Anlass zum Fasnachtsurknall vom 14. November, zu dem sich jeweils bis zu 400 Menschen in der Mehrzweckhalle einfinden. Noch in diesem Monat will die Fasnachtsgesellschaft mit den Cliquen und weiteren Organisationen zusammenkommen und mögliche Szenarien besprechen.

Eine abgespeckte Version ist kein Thema

Auch Wolfwils Fasnachts-Partner – der Fasnachtsrat Neuendorf (Fara) – hat noch nicht entschieden, ob die fünfte Jahreszeit im nächsten Jahr stattfindet. An einer Sitzung mit den Cliquen-Vertretern wird der Vorstand am 22. September bestimmen, wie es weitergeht. Entsprechend lässt Fasnachtsratspräsident André Lötscher noch völlig offen, in welche Richtung es gehen könnte.

Alles wäre aufgegleist: Am 8. November würden die Narren das diesjährige Motto präsentieren. Der Fasnachtsrat klärte sogar ab, wie viel Vorlauf die Produktion der Plakette brauchen würde. Doch André Lötscher weiss: Mit weitreichenden Schutzmassnahmen dürfte es schwierig werden. Zudem müsste auch die Gemeinde ein Anlass-Gesuch der Fasnächtler erst bewilligen.

Für den Fara-Präsidenten ist klar: «Eine abgespeckte Version wie in Basel ist für uns kein Thema.» Auch für die Guggenmusiken ist die Coronavirus-Situation herausfordernd. So konnte die Neuendörfer «Duube Guuge» bisher noch keine Gesamtproben durchführen und suchte nach einem grösseren Lokal, um die Abstände einhalten zu können. Würde die Fasnacht abgesagt, wären auch hier die Vorbereitungen um ein Jahr aufgeschoben.

Mümliswil und Balsthal lassen sich noch Zeit

Auch im Thal haben die Fasnachtsorganisatoren den Oltner Entscheid zur Kenntnis genommen. Schon vor drei Wochen beschloss das Gremium der Mümliswiler Fasnachtsgesellschaft MFG an einer Sitzung das weitere Vorgehen, wie deren Präsident Roger Walter erklärt.

Der Fahrplan gleicht jenem der Wolfwiler: «Wir haben beschlossen, bis Mitte Oktober mit einem Entscheid zuzuwarten.» Man wolle sich bis dahin auch noch mit den Gemeindebehörden in Verbindung setzen. Der Entscheid, Fasnacht 2021 Ja oder Nein werde dann gemeinsam gefällt, so Walter.

Völlig offen ist die Ausgangslage derweil in Balsthal. Sascha Spring, Vizepräsident der Fako Bauschtu sagt: «Wir haben derzeit noch nichts entschieden. Es gab auch noch keine Sitzung, in welcher wir das Thema Durchführung besprochen haben.» Seiner Meinung nach müsse die Fasnacht 2021 aber bestimmt anders aussehen als üblich