Nachruf
Zum Tod von Werner Reichen

Kuno Blaser
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Werner Reichen verstarb anfangs August im Alter von 94 Jahren.

Werner Reichen verstarb anfangs August im Alter von 94 Jahren.

zvg

Im hohen Alter von 94 Jahren verstarb Werner Reichen am 4. August friedlich. Ein schönes Leben habe er gehabt, sagte mir Werni, wie er im Dorf liebevoll genannt wurde, kürzlich.

Den Bogen nun in alte Zeiten zu schlagen, macht Sinn. Nur so wird richtig bewusst, welch langes und reiches Leben dem liebenswerten Verstorbenen beschert wurde. Werner Reichen durchlief den Unterricht von Pfarrer Probst. Mit dem Stock in der Hand paukte er damals den Kindern, heute mehr als rustikal anmutend, Kapitel für Kapitel des Katechismus ein.

Werner Reichen nahm die positiven Werte, die ihm als Kind übermittelt wurden, mit. Anders ist es nicht zu erklären, dass man ihn nach einer einfachen Giesserlehre in der Von Roll im Berufsleben mit verantwortungsvollen Positionen betrauen konnte. So übertrug ihm die Swissair nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Auftanken und der Bereitstellung der legendären «Super Constellation», dem vielleicht schönsten Flugzeug, das je gebaut wurde. Seine Berufskarriere schloss Werner Reichen als Werkhofchef der Autobahn Oensingen ab.

Wo auch immer, sei es als Aktivmitglied des Fussballklubs, des Turnvereins, des Jagdvereins oder als fleissiges Mitglied der Seniorengruppe Roggenfluh, überall konnte man auf Werni zählen. Mit ihm verliert Oensingen einen Menschenfreund. Wir schätzten seine Liebenswürdigkeit, seine Herzlichkeit, seinen Anstand. Er war ein waschechter Oensinger, einer aus dem Unterdorf, einer aus dem Herzen Oensingens also. Er badete als Kind bei der ehemaligen «Sagi» im Mühlefeld die Füsse in der Dünnern, als diese noch mitten durchs Dorf floss. Er sah auch noch die Strassenbahn beim alten Schulhaus anhalten. Das kann nicht mehr mancher von sich behaupten.

Als ich Werner Reichen kürzlich in seinem Zuhause besuchte, freute mich sein nach wie vor grosses Interesse am Dorfgeschehen. Als verdienter «Ritter der Bechburg» – diesen Titel verlieh ihm die Seniorengruppe Roggenfluh – hat er sich gewünscht, dass auf Schloss Neu Bechburg täglich die Fahne wehe. Die Bechburg sei das Wahrzeichen Oensingens, solches gehöre sich. Eine Geldspende von ihm sollte das Anliegen dereinst ermöglichen.

Seine Asche ruht nun an seinem Lieblingsplätzchen in Oensingen. Wo das ist, hat er nicht verraten. Seine Lebenspartnerin Anna Bühler, die sich in den letzten Wochen um die Betreuung kümmerte, sorgte dafür, dass dieser letzte Wunsch in Erfüllung ging.