Härkingen

Nach 42 Jahren ist endgültig Schluss mit Wirten

Am 30. Dezember beenden Marie-Therese und Paul Burkhardt ihre Wirtetätigkeit im Härkinger Restaurant zur Spanischen.

Philipp Felber
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Das Wirtepaar Marie-Therese und Paul Burkhardt schliesst nach 42 Jahren das Restaurant zur Spanischen, womit eine 123-jährige Beizengeschichte zu Ende geht.

Das Wirtepaar Marie-Therese und Paul Burkhardt schliesst nach 42 Jahren das Restaurant zur Spanischen, womit eine 123-jährige Beizengeschichte zu Ende geht.

Bruno Kissling

«Wir haben über die ganzen Jahre hinweg vieles am Stammtisch erledigt», erklärt Paul Burkhardt gleich zu Beginn des Interviews. Er und seine Frau Marie-Therese Burkhardt haben sich nun, nach langem Ringen dafür entschieden, ihr Restaurant zur Spanischen in Härkingen zu schliessen.

Eigentlich wären sie bereits im letzten Jahr pensioniert worden, doch die Hoffnung auf eine Nachfolge liess das Ehepaar noch ein Jahr anhängen. Am 30. Dezember ist nun aber endgültig Schluss. Schluss nach 42 Jahren Paul und Marie-Therese Burkhardt. Schluss mit 123 Jahren Familie Burkhardt als Wirte im Restaurant zur Spanischen. Schluss einer bewegten Beizengschichte.

Diese Geschichte startete am 26. Dezember 1893, als im Gemeinderatsprotokoll von Härkingen erstmals amtlich von einem Pintenwirtschaftspatent für Eduard Burkhardt die Rede war. Urgrossenkel Paul übernahm 1984 zusammen mit seiner Frau den Betrieb endgültig. Dies nachdem sie bereits gut zehn Jahre vorher in den Betrieb eingestiegen waren. Dass sich während all der Jahre, in denen Paul und Marie-Therese Burkhardt das Restaurant führten, der Stammtisch zum Mittelpunkt ihres Lebens entwickelte, ist nur logisch. Als junges Ehepaar, bald mit Kindern in einer kleinen Wohnung. Der Stammtisch wurde so zum Familientisch. Während der Schulzeiten assen die Kinder am Mittag zum Beispiel im Restaurant: «Da wurden natürlich auch Dinge diskutiert, die vielleicht nicht hierhin gehört haben», lacht Marie-Therese Burkhardt.

Bis zum Morgengrauen

Es sollte nicht das letzte Lachen während des Gesprächs bleiben. Lachend und in Erinnerung schwelgend lassen sie die eigene Vergangenheit Revue passieren. Von zufriedenen Stunden an etlichen Silvesterbällen erzählen sie, bei denen es so spät wurde, dass einige Gäste gar noch zum Morgenessen blieben. «Einmal waren beim Zmorge noch
32 Gäste hier», sagt Paul Burkhardt und schüttelt ungläubig lachend den Kopf.

Burkhardt selbst hat zuerst eine Mechanikerlehre angefangen, musste diese jedoch abbrechen und kam im Anschluss mit 19 Jahren zu einer Ausbildungsstelle als Koch. Im «Bad Attisholz» machte er daraufhin seine Ausbildung, arbeitete nach dem Militärdienst im «Agip», dem heutigen Hotel Egerkingen, dem Drehort der Erfolgsserie «Motel» des Schweizer Fernsehens. Dort kreuzten sich auch die Wege von Marie-Therese Zeltner und Paul Burkhardt ein erstes Mal. Verliebt gings eine Saison lang nach Wengen in die Gastronomie, 1975 wurde geheiratet.

Wie das Gasthaus zu seinem Namen kam

Als Eduard Burkhardt 1893 sein Wirtepatent erhielt, geisterte der Name «Zur Spanischen» bereits umher. Dafür verantwortlich ist ein gewisser Juan Pedro Miguel Gusiné. Der Spanier heiratete 1891 Bertha Burkhardt, die Tochter von Eduard. Bereits 1890 erschien ein Inserat, welches darauf hinwies, dass auf dem damaligen Bauernhof der Familie Wein gekauft werden könne. Und zwar echter roter, süsser und weisser Wein aus Spanien. Denn Gusiné war Weinhändler von Beruf. Offenbar lief der Verkauf so gut, dass das kleine Wirtshaus von Anfang an den Hinweis auf das damals exotische Weinangebot im Namen trug. (phf)

Seither arbeiten die beiden Hand in Hand im gleichen Betrieb. Von Anfang an mit getrennten und klar definierten Aufgabenbereichen: Marie-Therese Burkhardt hat den Service unter sich, das Reich ihres Mannes ist die Küche. Vor allem die Glanzzeiten in den 1980er- und 1990er-Jahren blieben den beiden in sehr guter Erinnerung. Zum Beispiel Fasnachtsbälle im Saal mit Livemusik. Oder 20 Hochzeiten pro Saison. Was bedeutete, dass das Team von der «Spanischen» praktischen jeden Samstag bis zum Morgengrauen im Einsatz war. Aufräumen, wieder aufdecken für die Sonntagsgäste, kurz ins Bett und weiter gings.

Damals waren 14 Angestellte im Betrieb, was auch nötig war: «Manchmal frage ich mich schon, wie wir das geschafft haben», schmunzelt Marie-Therese Burkhardt. Erst ab dem Jahr 2000 nahm der Rummel im Restaurant nach und nach ab. Was sich auch in der Teamgrösse niederschlägt. «Momentan sind wir drei in der Küche und vier im Service», sagt Paul Burkhardt. Einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören, wie das Ehepaar Burkhardt, quasi zum Inventar der Beiz. Der Koch ist seit über 30 Jahren dabei, zwei Servicekräfte seit 20 Jahren. Auch den Angestellten wegen sei der Rückzug auf Ende Jahr geplant worden. «Schliesslich mussten wir ihnen ja auch die Möglichkeit geben zu planen», so Marie-Therese Burkhardt.

Zukunft des Restaurants ungewiss

Warum ab dem Jahr 2000 der Betrieb im Restaurant weniger wurde, sei schwierig zu sagen. «Gastronomie hat sich gewandelt, die Gesellschaft hat sich gewandelt», versucht sich Burkhardt an einer Erklärung. Zum Beispiel seien für Hochzeiten vermehrt Mehrzweckhallen gemietet worden, weil so zum Beispiel die Polizeistunde am Morgen um 2 Uhr wegfiel. Später sei dann noch das verschärfte Rauchergesetz dazugekommen. Zudem sei das Feierabendbier heute ziemlich eingeschränkt. Und auch die Vereine seien zusehends nicht mehr so lange sitzengeblieben. Schliesslich könne man sich es sich halt auch nicht mehr leisten, ein, zwei Bier mehr zu trinken, so wie es früher zum Teil noch der Fall war.

Wie es mit dem Restaurant weitergehen soll, sei derzeit noch unklar, wie die beiden erklären. Sicher ist, dass sie aufhören werden. Ebenso sicher ist, dass sie sich nun etwas mehr Zeit für das kulturelle Leben in der Region nehmen wollen. Denn dieses sei halt schon ein wenig an ihnen vorbeigegangen in den letzten Jahren. Jedenfalls das kulturelle Leben, welches sie nicht selbst in ihrem Restaurant über Jahrzehnte mitgeprägt haben.