Umzug
Melitta verlässt Egerkingen und geht nach Zofingen: Was Sie über die Firma und die Filtertüten wissen müssen

Von 1966 bis 1986 wurden in Egerkingen Melitta-Filter hergestellt. Der jetzt noch tätige Vertrieb und das Marketing zügeln nach Zofingen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Fast noch allein auf der grünen Wiese stand die Melitta-Fabrik noch in den 1970er Jahren. Im Hintergrund die damalige Waro.

Fast noch allein auf der grünen Wiese stand die Melitta-Fabrik noch in den 1970er Jahren. Im Hintergrund die damalige Waro.

zvg

Die Nachricht kam am Montag nicht überraschend: Die Melitta verlässt Egerkingen und zieht nach Zofingen. Dort werden die Mitarbeiter ab Januar 2021 mit dem Melitta-Schwesterunternehmen Cafina AG ein gemeinsames Bürogebäude beziehen. Gleichzeitig wird auch der Melitta-Shop inklusive die Reparaturannahme umziehen; er ist ab dem 1. Dezember geschlossen.

Derzeit sind in der Melitta Egerkingen zehn Personen beschäftigt. «Es handelt sich um Aussendienstmitarbeiter und Sachbearbeiter für unsere Verkaufs- und Marketingorganisation», sagt Andreas Hellbach, der Brand-Manager in Egerkingen. «Alle Mitarbeiter ziehen mit nach Zofingen».

Papier und Keramik aus der Region

Die Geschichte der Melitta und ihrer Ansiedlung in Egerkingen ist aussergewöhnlich. So aussergewöhnlich wie die Entwicklung des ursprünglichen Produktes selbst: dem Kaffeefilter für Brühkaffee aus Papier.

Die Idee dazu hatte die Dresdner Hausfrau Melitta Bentz im Jahr 1908. Ihre Methode, gemahlenes Kaffeepulver mit heissem Wasser langsam durch ein feines Papier zu filtern, wurde zur erfolgreichen europaweiten Geschäftsidee. 1934 gründete die Firma eine Landesgesellschaft in Zürich und koordinierte von dort aus die Produktion und den Verkauf von Filtertüten in der Schweiz.

Als 1945, nach dem Krieg in Deutschland, weder das Papier für die Filtertüten, noch die damals noch keramischen Filterkörper geliefert werden konnten, schlug die Stunde der Schweizer Produzenten und Lieferanten. Es gab einerseits die Papierfabrik Balsthal, die für unterschiedlichste Filter Papier herstellen konnte und andererseits die Porzellanfabrik Langenthal, die einen Teil der Keramikfiltereinsätze produzierte.

In Egerkingen begann es 1966

1966 siedelte die Melitta mit ihrer Schweizer Niederlassung nach Egerkingen und erstellte damals noch auf der grünen Wiese östlich der ehemaligen Landi eine Produktionsfabrik. Bis 1986 wurden dort Filtertüten, für den Schweizer Markt und für die EFTA-Länder fabriziert. Jährlich verliessen rund eine Milliarde Filtertüten das Egerkinger Werk.

Die Melitta wurde damals - neben der Jura - zu einem der wichtigsten Arbeitgeber im Gäu. Zu diesen Zeiten arbeiteten rund 100 Personen in den Fabrikhallen. Trotz guter Auslastung kam es aber 1986 zum Aus für die Filter-Fabrik. Grund war damals, dass sich das Mutterhaus entschloss, die Produktion in Deutschland zu zentralisieren.

Immer weniger Bedarf an Filtertüten

Seither ist die Schweizer Landesgesellschaft zur Vertriebs- und Marketinggesellschaft geworden. Man vertreibt hier neben Filter auch noch die hauseigenen Marken «Cilia», «Swirl» und «Toppits». Heute gibt es, aufgrund der grösser gewordenen Nutzung von Kaffeevollautomaten immer weniger Bedarf am Papiertüten für Filterkaffee - sie machen heute noch rund 10 Prozent des Umsatzes aus. Melitta hat sich daher neue Geschäftsfelder eröffnet und der Firma ist Markteinstieg mit Kaffeevollautomaten gelungen. In Egerkingen wurde dazu ein Verkaufsladen und Servicestation eingerichtet. Diese werden nun ebenfalls nach Zofingen ziehen.

Das Melitta-Schwesterunternehmen Cafina AG, das Kaffeemaschinen für die Gastronomie anbietet und welches bisher in Hunzenschwil ansässig war, zieht mit den Egerkinger Melitta nach Zofingen. «So werden nun auch unsere beiden Geschäftszweige unter einem Dach vereint, wie das in anderen Ländern schon der Fall ist», sagt Andreas Hellbach weiter.