Balsthal

«Machen nicht einmal Werbung für uns» – die Tauchschule «Redsnapper» und ihre Erfolgsgeschichte

Reto Zünd, Daniel Brunner und Christian Brunner betreiben seit 20 Jahren in Balsthal die Tauchschule «Redsnapper» und haben schon viele Tauchbegeisterte ausbilden können.

Gülpinar Günes
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Das «Redsnapper»-Team beim Eistauchen am Klöntalersee.

Das «Redsnapper»-Team beim Eistauchen am Klöntalersee.

zvg

«Ich mag mich noch sehr gut erinnern: Wir hatten damals nur noch 4 Franken und 50 Rappen auf dem Bankkonto. Es mussten etwas Bätzeli ins Kässeli!», lacht Reto Zünd. Vor 20 Jahren gründeten er, Daniel Brunner und sein Bruder Christian Brunner die Tauchschule «Red-snapper» in Balsthal. In einem Restaurant in Oensingen erzählen die mittlerweile rund 50-jährigen, aber durchaus noch jung gebliebenen langjährigen Freunde von den Anfängen ihrer Tauchschule. Sie sei nämlich aus ganz anderen Beweggründen als aus Geld entstanden.

«Unser Ziel war und ist es, eine gute Tauchausbildung zu bieten.» Das Wissen und die Erfahrung dazu haben die drei allemal. Daniel und Christian Brunner begannen 1994 mit dem Tauchen, nachdem sie Fussball den Laufpass gegeben hatten. «Wir wollten eigentlich gar nicht gross Tauchlehrer werden», erläutert Daniel. Keine vier Jahre später lassen sich die Brüder in Thailand zu Tauchlehrern ausbilden, nachdem sie alle möglichen Kurse in der Schweiz abgeschlossen hatten.

Kurz darauf erhielt der damals 34-Jährige eine Anstellung als Tauchlehrer in Phuket und verbrachte 14 Jahre auf der Insel. «Ich bin während dieser Zeit immer wieder in die Schweiz zurückgekehrt und habe mit Christian angefangen, Tauchkurse zu geben.» Unter den Schülern befanden sich damals vorwiegend Leute aus dem Freundeskreis, wie beispielsweise Reto Zünd. «Dani hat mich bis zum Dive-Master ausgebildet und ich schloss dann in Thailand das Tauchlehrer-Brevet ab.»

Familiärer Unterricht

Laut den «Redsnappern» gab es zwischen 2000 und 2008 einen regelrechten Tauchboom. «Die Anfragen für Kurse regneten nur so rein», erinnert sich Christian Brunner. «Wir machten nicht einmal Werbung für uns.» Sie setzen auf Qualität, und das spricht sich herum. «Wir wollen die Schüler nicht einfach durch unsere Kurse schleusen, damit sie ihr Brevet haben und wir das Geld.» Ganz im Gegenteil.

Die drei Freunde wissen aufgrund ihrer Erfahrung, wie wichtig die richtige Betreuung jedes Schülers ist, und bieten Privatkurse an, ob für Anfänger oder Fortgeschrittene. In jedem Kurs wird der Schüler individuell von einem Lehrer betreut und ausgebildet. Da sie kein Kurslokal besitzen und auch keines haben möchten, finden die Theoriekurse in Restaurants, bei ihnen oder bei den Schülern zu Hause statt. «Es ist immer sehr familiär und wir bauen so Vertrauen auf», meint Daniel Brunner.

Das Wichtigste: Angst nehmen

Ihre Popularität ist nicht zuletzt auch auf ihre langjährige Erfahrung zurückzuführen. «Es gäbe E-Learning-Unterlagen für die Theorie. Wir haben aber von Anfang an gesagt, das wollen wir nicht. Denn beim 1:1-Unterricht können wir immer gleich unsere eigenen Erfahrungen mit einfliessen lassen.» Diese Erfahrung kommt ihnen auch beim Umgang mit den Schülern zugute.

Viele hätten mit Angst zu kämpfen, sei es beim Anziehen der schweren Ausrüstung oder beim ersten Tauchgang im Freiwasser. «Unsere Stärke liegt darin, zu spüren, woher die Angst kommt. Wir handeln dann aus der Erfahrung heraus richtig und der Schüler merkt, dass wir da sind und ihn verstehen. Das schätzen sie sehr.»

Engagement für die Umwelt

Mittlerweile setzt die Tauchschule ihre Erfahrung auch für die Umwelt und die Schweizer Gewässer ein. Vom Kanton Solothurn erhalten sie regelmässig Aufträge. Es geht vom Bojen- und Aarereinigen bis zu Bestandesaufnahmen von Tiefenwasserleitungen. «Wenn man beim Tauchen ständig verrostete Gegenstände im Wasser sieht, dann kommt die Verbundenheit zur Natur ganz von alleine», erklärt Christian Brunner. Solche Tauchgänge sind jedes Mal eine neue logistische Herausforderung für die Tauchlehrer.

Ihre Ausbildungen als Hochbauzeichner und Elektroplaner kommen ihnen dabei aber sehr entgegen: «Wenn man etwas logistisch angehen möchte, hilft unser Berufswissen sehr. Zum Beispiel, welches Material es unter Wasser braucht oder wie man etwas anpacken muss.» Zünd ergänzt. «Es ist schön, dass wir unser Hobby und unser Wissen für die Umwelt nutzen können.»

Alle drei arbeiten Vollzeit in ihren Berufen und opfern seit der Gründung der Schule ihre Wochenenden und Abende für Schüler und die Umwelt. Viel Gewinn machen sie damit aber nicht. Und das sei auch nicht wichtig. «Die Tauchschule sollte vor allem selbsttragend sein und für ein Weihnachtsessen reichen», sagt Reto Zünd und lächelt.