Wolfwil/Egerkingen

Lebensfreude weitergeben: Mit einer Blumenverteil-Aktion gegen den Grau des Coronavirus

Die Gäuer Gemeinden Wolfwil und Egerkingen verteilten diese Woche vielen Haushalten eine Pflanze. Für einen solchen sorgten am Donnerstag die Gemeinden Wolfwil und Egerkingen mit einer Blumenverteilaktion im ganzen Dorf.

Yann Schlegel und Patrik Lützelschwab
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Ein Dutzend Helfer zog in Wolfwil mit Blumen durchs Dorf und beschenkte die Bevölkerung.

Ein Dutzend Helfer zog in Wolfwil mit Blumen durchs Dorf und beschenkte die Bevölkerung.

zvg

An jedem Briefkasten hinterliessen ein paar Freiwillige in Wolfwil eine Blume samt Zettel mit der Inschrift: «Eine kleine Aufmerksamkeit der freiwilligen Helferinnen und Helfer und der Gemeinde. Bleibt gesund und wann immer möglich zu Hause.» An der Aktion beteiligt war auch Gemeindepräsident Georg Lindemann. «Die Idee kam von Julia Ackermann und Salomé Nützi und wir fanden ihren Vorschlag wirklich sehr stark. Die Aktion ist eingeschlagen wie eine Bombe», sagt Lindemann auf Anfrage.

Die Blumen dienen als Zeichen, dass sich die Leute nicht verloren fühlen müssen. «Aus dem gleichen Grund haben wir auch die Gemeindeverwaltung offen gelassen, damit die Leute wissen, dass jemand da ist», sagt der Gemeindepräsident. Auch der Dienst in der Gemeinde geht grösstenteils seinen gewohnten Gang. So arbeiten die Werkhofmitarbeiter weiter und der Häckseldienst, welcher am Wochenende ansteht, findet ebenfalls statt. Trotzdem gelten überall noch aber die Richtlinien des Bundes einzuhalten. «Alle Mitarbeiter der Gemeinde stehen hinter diesem Vorgehen und machen begeistert mit», sagt Lindemann.

Welle der Dankbarkeit aus der Bevölkerung

Die Blumen stammen von einem anonymen Spender. Gärtnereien und Blumenboutiquen mussten kurz vor der üblichen Hochsaison die Geschäfte schliessen, ein direkter Verkauf ist verboten. Viele Pflanzen müssen schweizweit kompostiert werden. «Es ist schade, dass keine Blumen mehr verkauft werden dürfen, um die Stimmung aufzuhellen. Blumen ‹lüpfen› die Verfassung des Menschen, deshalb machen wir auch diese Aktion», sagt der Gemeindepräsident. Die ganze Aktion hat Lindemann auf den sozialen Medien wie Facebook bereits gepostet. «Wir hatten unerwartet viele positive und überwältigende Reaktionen erhalten. Auf den sozialen Medien wie auch auf der Strasse oder aus den Fenstern her, dröhnte ein grosses Merci», sagt Lindemann.

Seit den ausserordentlichen Massnahmen des Bundes hat sich der Gemeinderat mit der allgemeinen Situation des Coronavirus auseinandergesetzt. Wie in jedem Dorf gibt es auch in der Gemeinde Wolfwil eine Nachbarschaftshilfe. «Es wurden manuell Flyer von Haushalt zu Haushalt verteilt, damit die Leute sofort profitieren können. Schon kurze Zeit später meldeten sich die ersten Menschen», sagt der Gemeindepräsident. Auch hier helfen die beiden Einwohnerinnen Julia Ackermann und Salomé Nützi mit einem Team von Freiwilligen mit.

Blumenset für die Haushalte zum Frühlingsanfang.

Blumenset für die Haushalte zum Frühlingsanfang.

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Sie bieten Helferdienste für ältere Mitbewohner an, erledigen Einkaufen, Apothekengänge oder gehen mit dem Hund spazieren. Damit soll in erster Linie auch die regionale Spitex (WoFuKe ) entlastet werden.

Nicht bloss Wertschätzung, auch für die Lebensfreude

Auch in Egerkingen entschloss sich ein Spender, der ebenfalls anonym bleiben will, den unverkäuflichen Pflanzen Anerkennung zu geben, indem er sie der Gemeinde schenkte. «Pflanzen gehören gemäss Bund nicht zur Grundversorgung; sind blühende Pflanzen nicht Nahrung für die Psyche, gerade in solchen schwierigen Zeiten?», fragt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi rhetorisch.

Melinda Hüsler, Verantwortliche des Integrationsprogramms IntEger, und Gemeinderätin Denise Bürgi verteilten in den vergangenen Tagen gemeinsam rund 300 Frühlingspflanzensets im Gemeindegebiet von Egerkingen. Die farbenfrohe Botschaft ging insbesondere an Haushalte mit Personen, die über 65 Jahre alt sind. Die Gemeinde wollte mit dieser Aktion den Einwohnerinnen und Einwohner von Egerkingen signalisieren, dass sie nicht im Stich gelassen werden. Es gehe nicht nur darum, Wertschätzung auszurücken, sondern auch Lebensfreude weiterzugeben, so Bartholdi.

In den letzten Tagen durften die zahlreichen Helferinnen und Helfer, welche sich bereit erklärt haben, für die über 65-Jährigen den Einkauf zu tätigen, viele Worte der Dankbarkeit entgegennehmen. «Wir wiederum können diese ausdrücken, wenn wir alle unsere Gäuer-Unternehmungen – wenn sie die Verkaufsläden wieder öffnen dürfen – berücksichtigen und unterstützen»,
so Bartholdi.