ARA

Kläranlage Gäu wird ökologischer

Mit vier neuen Rücklaufschlammpumpen und einem neuen Blockheizkraftwerk spart die ARA künftig viel Energie. Ist das erst der Anfang?

Yann Schlegel
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Seit Inbetriebnahme 1973 ist die ARA stetig gewachsen und der Druck bleibt durch das Wachstum im Gäu hoch.

Seit Inbetriebnahme 1973 ist die ARA stetig gewachsen und der Druck bleibt durch das Wachstum im Gäu hoch.

Bruno Kissling

Die Abwasserreinigungsanlage Gäu (ARA Gäu) befindet sich im steten Wandel. Dies hat viel mit dem Wachstum der Industrie und der Bevölkerung in der Region zu tun. Und dieses dürfte weiter anhalten, womit neue Herausforderungen auf die ARA zukommen. Um die Kapazität zu erhöhen, erfolgte der letzte Ausbau der Anlage in Gunzgen im Jahr 2011. Es war die dritte Erweiterung der ARA seit Inbetriebnahme 1973. Und die Entwicklung der stark beanspruchten Anlage geht weiter. Im kommenden Jahr muss nun die ARA Gäu die beiden ältesten bestehenden Biologiestrassen erneuern. Sie wurden zuletzt im Jahr 2000 umgebaut und haben nach 20 Jahren ausgedient. Kernstück der biologischen Reinigung sind vier Rücklaufschlammpumpen, welche die ARA für 70 000 Franken ersetzen muss.

Sie sind während 24 Stunden im Betrieb und fördern die Biomasse von der Nachklärung wieder in die Biologie zurück. Die Abwässer, welche die ARA in der Biologie reinigt, stammen aus dem Mittelgäu. «Die Korrosion hat den Pumpen zugesetzt», sagt Klärmeister Martin Bleuer. Eine Revision wäre nicht kostengünstiger gewesen, da alle Teile bis auf den Motor ersetzt werden müssten. Zudem werden die neuen Pumpen viel weniger Strom benötigen.

Eine noch grössere Investition betrifft das Blockheizkraftwerk. «Wir können die Abgaswerte nicht einmal annähernd einhalten», sagt Bleuer. Beim aktuellen Kraftwerk ist es nicht möglich, nachträglich einen Katalysator einzubauen. Der Kanton machte daher die Auflage, das Blockheizkraftwerk innerhalb von zwei Jahren zu ersetzen oder ausser Betrieb zu nehmen. An der Delegiertenversammlung von vergangener Woche entschied die ARA Gäu, das Kraftwerk bereits im kommenden Jahr für 285 000 Franken zu ersetzen. Bis 2030 profitiert die ARA von der kostendeckenden Einspeisevergütung, wodurch sie pro Kilowattstunde produziertem Strom 24 Rappen erhält. «Wir können den Strombedarf mit dem neuen Blockheizkraftwerk zwar nicht zu 100 Prozent abdecken», sagt Bleuer, «aber da wir unseren Strom einspeisen und den Bedarf mit viel günstigerem Strom decken, machen wir vermutlich sogar einen kleinen Gewinn.» Mit der Abwärme der neuen Heizanlage kann die ARA zudem pro Tag 50 bis 60 Tonnen Schlamm auf 38 Grad hochheizen. Dies ist notwendig, damit die Mikroorganismen den Schlamm in Gas umwandeln. Auch das Gebäude wird über die Abwärme geheizt.

«Wir brauchen noch 1000 bis 1500 Liter Öl im Jahr, früher benötigten wir das Zehnfache», sagt Bleuer. 2030 will die ARA Gäu die Lage neu beurteilen. So wäre auch denkbar, dass sie das Gas direkt in Netz einspeist. Hierzu müsste der Methangehalt im Biogas von aktuell 65 Prozent auf 98 Prozent angehoben werden, was über eine teure Anlage geschieht. «Bei unserer Anlage könnte dies gerade knapp rentabel sein», sagt Bleuer. Der Klärmeister würde, Stand heute, die Variante favorisieren, Strom zu produzieren und diesen einzuspeisen. Er sagt aber: «Was in zehn Jahren ist, wissen wir nicht. Die Technik entwickelt sich rasant.»

Die ARA Gäu wird sich stets weiterentwickeln müssen. Für das Geschäftsjahr 2020 sieht das Budget Ausgaben von 1,98 Millionen Franken vor. Darin ist ein Planungskredit enthalten, um die Anlage einer Gesamtüberprüfung zu unterziehen. «Wenn weiterhin so viel gebaut wird, müssen wir die Anlage 2025 bis 2030 wieder erweitern», sagt Bleuer. Aktuell reinigt die Anlage in Gunzgen durchschnittlich das Abwasser von 21 000 Einwohnergleichwerten (EWG, Industrie und Bevölkerung summiert). Somit ist die Kapazitätsgrenze bald erreicht. Die ARA ist aktuell für 24 000 EWG ausgebaut.