Fliegen wie vor 100 Jahren mit einer Schweizer Militärmaschine aus dem Ersten Weltkrieg

Der Geigenbauer Kuno Schaub und Isidor von Arx, Schweizer Meister im Kunstflug, bespannen in ihrem Atelier in Egerkingen das Jagdflugzeug Nieuport 23 C-1. Sie wollen die ehemalige Militärmaschine nachbauen und wieder in die Luft erheben.

Peter Brotschi
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Peter Brotschi

Es ist ein äusserst ehrgeiziges Projekt: Das Jagdflugzeug Nieuport 23 C-1 aus dem Ersten Weltkrieg soll nach 100 Jahren wieder in die Luft kommen. Seit anderthalb Jahrzehnten sind zwei Solothurner an der Arbeit, die ehemalige Schweizer Militärmaschine aus dem Ersten Weltkrieg nachzubauen. Am kommenden Wochenende kann ihr Flugzeugbau-Atelier besichtigt werden.

Betritt man die Räumlichkeiten der «Nieuport Memorial Flyers», dann fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt, als der Flugzeugbau noch fast eine reine Sache von Holz und Tuch war. In einer ehemaligen Fabrik in Egerkingen sind Kuno Schaub und Isidor von Arx beim Eintuchen ihres Flugzeugs zu beobachten. Ein Jagdflugzeug, das bei der Schweizer Fliegertruppe vor exakt 100 Jahren im Einsatz stand: Die Nieuport 23 C-1.

Maschine mit Bezug zur Schweiz

Es war noch vor der Jahrtausendwende, als von Arx und Schaub auf die Idee kamen, ein Flugzeug zu bauen. Nur sollte es nicht irgendein Typ sein, sondern ein Oldtimer der ganz alten und seltenen Art. Nach einigem Abwägen entschlossen sich die beiden für den Bau des französischen Nieuport. Mit dieser bot sich nämlich ein Flugzeugtyp an, der einen Bezug zur Schweiz besitzt und sogar zur engeren Wohnregion der Initianten hatte.

Die Schweizer Fliegertruppe setzte von 1917 bis 1921 fünf Maschinen des Typs Nieuport 23 C-1 ein. Das wendige Jagdflugzeug hängt eng mit der Person von Oberleutnant Oskar Bider zusammen, dem ersten Cheffluglehrer der Fliegertruppe. Bider war mit seinen fliegerischen Pioniertaten, so unter anderem der Flug über die Pyrenäen am 24. Januar 1913 und jener von Bern über den gesamten Alpenkamm nach Mailand vom 13. Juli 1913, bereits im jugendlichen Alter zu einer Legende geworden.

Der Nieuport war sein Lieblingsflugzeug. Er sass in der Maschine mit der Nummer 604, als er am 7. Juli 1919 bei einem frühmorgendlichen Präsentationsflug in Dübendorf den Fliegertod erlitt. Auch der Flugzeugtyp Nieuport blieb durch diesen Absturz im Gedächtnis der Öffentlichkeit erhalten.

Zwei Gäuer bauen Flugzeug

Die geografische Nähe zu Langenbruck im Baselland, wo Bider aufgewachsen war und beerdigt ist, war für Schaub und von Arx ebenfalls ein guter Grund, dass sich die beiden für den Bau einer Replika Nieuport 23 entschieden. Die beiden sind zwar Gäuer, aber über die Luftlinie gemessen trennen sie nur ein paar Kilometer von Langenbruck.

Die Struktur des Flugzeugs ist vollständig fertig. Am Tag der offenen Türe können die Besucherinnen und Besucher dem bekannten Geigenbauer Schaub und von Arx, der unlängst Schweizer Meister im Kunstflug wurde, über die Schulter schauen, wie sie das Tragwerk des Erst-Weltkrieg-Flugzeugs mit Stoff bespannen. Ein spannender Einblick in eines der ehrgeizigsten Projekte im historischen Flugzeugbau in Europa.

Tage der offenen Türe

Atelier der Nieuport Memorial Flyers, 28./29. Oktober 2017, 9 – 16 Uhr, Santelstrasse 4, Egerkingen