Fasnacht 2021
Thaler und Gäuer lassen sich die fünfte Jahreszeit nicht nehmen

In allen Ecken der beiden Bezirke haben sich Fasnächtlerinnen und Fasnächtler überlegt, wie sie trotz der Einschränkungen des öffentlichen Lebens Fasnachtsstimmung aufbringen können.

Gülpinar Günes / Fränzi Zwahlen-Saner
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Traurige Streichmusik über schwarz-weissen Bildern der Dünnern. Das Bild verblasst und wechselt in die Egerkinger Müllerstube. Dort sitzt die Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi, ganz alleine, mit dem Schlüssel zur Gemeinde auf dem Tisch. Sie seufzt und wischt sich die Nase. «Es esch eifach himmutruurig», sagt sie schliesslich. «E be eifach nome truurig ...» Sie zählt auf: Keine Fasnacht, keine Chesslete, kein Umzug, kein Chräieball, keine Chräienschränzer, keine Schnitzelbank. «Alles abgesagt ... .» Auf etwas aber wolle sie nicht verzichten, sagt die Gemeindepräsidentin in einer Videobotschaft an die Fasnächtler der Gemeinde. Auf die Schlüsselübergabe.

Diese hätte am Mittwochabend am sogenannten «Naarechlapf» inmitten einer feiernden Menschenmenge stattfinden sollen. Wie letztes Jahr, als Bartholdi die Gemeindeführung offiziell an die Chräienmutter übergab.

Patrick Lüthy

In diesem speziellen Jahr aber wendet sich die Gemeindepräsidentin mit sicherer Distanz virtuell an die Gemeinde und übergibt den Schlüssel allen Egerkingerinnen und Egerkingern, mit dem Aufruf: «Überlegt euch mehr, was erlaubt ist, statt was verboten ist.» Überspielt mit Guggenmusik hängt sie den Schlüssel symbolträchtig neben dem Kreisel an der Hauptstrasse auf.

Johanna Bartholdi übergibt der «Chräie» den Schlüssel am Abend des Naarechlapf.

Johanna Bartholdi übergibt der «Chräie» den Schlüssel am Abend des Naarechlapf.

Einwohnergemeinde Egerkingen

Narren im Gäu bleiben nicht untätig

Nebst einem Auftritt im Video zur Schlüsselübergabe, hat sich auch das Egerkinger Fasnachtskomitee «Naare Rot» etwas überlegt. In einer einmaligen Fasnachtszeitung blickt das Komitee auf ihre närrische Geschichte zurück, die im Jahr 1977 mit der ersten Fasnacht begann und mehr als zehn Jahre in Folge durchgeführt wurde. Nach einem dreijährigen Unterbruch wurde mit dem «Naare Rot» auch die Fasnacht wieder ins Leben gerufen. Seither fand sie jedes Jahr mit einem neuen Motto und seit 1994 mit einem anderen Oberhaupt statt. Dieses Jahr ist die erste Lücke in der Serie.

Schliesslich aber fehlen auch die obligaten Schnitzelbänke der «Chräieschnäbu» nicht in der einmaligen Fasnachtszeitung. Eine davon nimmt ein prominentes Thema des vergangenen Jahres auf:

Dr Gmeindrot wott es Schuelhuus boue,doch d'Versammlig seit:
«Das gibt es nicht!»
I ha ne Idee, do brucht me s'Schuelhuus nid, machet doch eifach wyter mit Färnunterricht.

Auch aus Oberbuchsiten strömen kreative Ideen zur fast schon künstlichen Beatmung der diesjährigen Fasnacht. Die «Blaudertäsche» beispielsweise zieht in ihren Schnitzelbänken wieder spottend und sarkastisch durch die Weltgeschichte:

Z'Egerchinge werd die reformierti Chile renoviert ond d'Chogele vodr Spitz die werd drum gnauer inspiziert.
Die ganzi Attraktivität vom Ort sig drinne säge d'Lüt ond wo sie se hei ufdoh, stimmt's, denn drin isch luuter nüt.

Im Thal gibt es trotzdem Fasnacht

Die Bauschtler Fasnacht findet dieses Jahr vorwiegend als Fasnachtszeitung statt. Ein paar Cliquen und die Fako Bauschtu haben dazu eine 16-seitige «Clique-übergriifendi Fasnachtszytig» herausgegeben. Darin gleich zu Beginn eine Art «Begrüssungsvers» für den Coronavirus:

Wäge Dir müesse mir sogar uf d'Fasnacht verzichte höchschti Zyt, dass mir Di jetz ändgöultig vernichte.
Die lang ahautende Massnahme döi langsam liire im 22-i wärde mir aui ganz sicher wider Fasnacht fiire.
Dsa gefälschte Stelleninserat in der aktuellen Balsthaler Fasnachtszeitung.

Dsa gefälschte Stelleninserat in der aktuellen Balsthaler Fasnachtszeitung.

Fränzi Zwahlen-Saner

Viel zu reden gibt in der Fasnachtszeitung die einheimischen Politiker und vor allem die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung – und natürlich zieht sich über alles: Corona-Massnahmen und Corona-Quarantäne-Fälle, die selbst vor Cliquen-Mitgliedern nicht halt machten – sogar, weil sie sich zur Fasnachtsvorbereitung trafen.

Schnitzelbänke aus Matzendorf

Auch aus Matzendorf erreichen uns Schnitzelbänke der «Jammerchatze Matzedorf»:

Welscherohr und Gänsbrunne die hei fusioniert jetz bini gspannt wie sich die neui Gmein präsentiert.
Es neus Wappe muess do hi. Jo das Sujet fingt me ring: Rundume drü Gäns und ir Mitti e Wisent-Gring.

Üsi Impfstrategie: ‹Geduld muess me ha› es chund jede wo wott, mit impfe dra.
Ha grad es E-Mail becho mi Impftermin isch neu am 1. April 2025 uf die halbi zwöi.

D’Coronakrise duet schwär für d’Wirtschaft si
Milliarde Hilfspaket, dr Umsatz dä bricht i
Komme was wolle! Ei Firma blibt stabil
Fischer Bettwarefabrik in Au bi Wädenswil….

Die Schnitzelbänke sind auch auf Youtube:

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